Stein Das Böse ist immer und überall

Selbstverteidigung ist reine Übungssache. Trainer Christian Walter schaute genau hin im Dachgeschoss des Museumsgebäudes der Villa rustica und hatte für die Teilnehmerinnen des Premierenkurses ganz viele Tipps parat.
Selbstverteidigung ist reine Übungssache. Trainer Christian Walter schaute genau hin im Dachgeschoss des Museumsgebäudes der Villa rustica und hatte für die Teilnehmerinnen des Premierenkurses ganz viele Tipps parat. © Foto: Diana Maute
Stein / Diana Maute 27.07.2018
Ganz was Neues beim Förderverein des Römischen Freilichtmuseums Stein: lernen, sich selbst zu verteidigen.

Stopp! Lassen Sie mich in Ruhe! Gehen Sie weg von mir! Die junge Frau, die ihrem Gegenüber diese Worte entgegenschleudert, wirkt alles andere als eingeschüchtert. Ganz im Gegenteil: Als der große, kräftige Mann anfängt, nach ihr zu greifen und sie offensichtlich in seine Gewalt bringen möchte, reagiert sie goldrichtig. Gekonnt windet sie sich mit einer energischen Drehung aus seiner Umklammerung und kann sich rasch befreien.

Wieso das trotz der körperlichen Unterlegenheit der Frau so gut klappt? Ganz einfach: Das „Opfer“ hat kurz zuvor gelernt, wie man sich im Falle eines Angriffs am besten zur Wehr setzt. Und das an einem äußerst ungewöhnlichen Ort: Im römischen Freilichtmuseum Stein, das zum ersten Mal den Schauplatz für einen Selbstverteidigungskurs bildete. Denn schon die Römer wussten: In dunklen Gassen ist man besser auf der Hut. Also ist es besser wenn man weiß, wie man sich effektiv zur Wehr setzt. Das gilt auch in der Gegenwart – nicht nur, wenn man nachts alleine in der U-Bahn sitzt oder eine einsame Straße passiert.

Neun Frauen sind es, die sich versammelt haben, um sich von drei Profis die Tricks und Kniffe der Selbstverteidigung beibringen zu lassen. Ein Mitglied des Trainertrios ist wohlbekannt: Iris Kappler die sich seit vielen Jahren im Förderverein Römisches Freilichtmuseum engagiert. Sie ist beim TSV Leinfelden als Trainerin in der Abteilung ATK (Anti-Terror-Kampf)-Selbstverteidigung tätig und hat ihre Vereinskollegen Günther Kolb und Christian Walter mitgebracht, um die Teilnehmer des Kurses optimal betreuen zu können. Die Profis vermitteln nicht nur, wie man körperliche Angriffe abwehrt, sondern auch, dass man Konflikten am besten aus dem Weg geht.

Regel Nummer 1: Weglaufen, so lange noch Gelegenheit dazu besteht. „Ich nenne das gerne die große Hasenfuß-Technik“, erklärt Iris Kappler. Diese sei äußerst wirkungsvoll. Denn schafft man es, sich aus der gefährlichen Situation zu entfernen, bevor es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommt, geht man kein unnötiges Risiko ein. Ist es zu spät, den Rückzug anzutreten, kann es mit der richtigen Taktik und Technik auch der zartesten Frau gelingen, sich erfolgreich zu wehren. Das wird den Kursteilnehmerinnen klar, als ihnen die Trainer geduldig Griffe und Drehungen erklären und auch eine geeignete Abwehrhaltung beibringen.

Durch methodisches Angreifen auf Nervenpunkte und empfindliche Körperstellen lässt sich ein Gegner schnell und wirkungsvoll außer Gefecht setzen. Ganz einfach ausgedrückt: Man muss dahin treten und schlagen, wo’s richtig wehtut. Ebenfalls wichtig: Nie mit der Faust, sondern mit der flachen Hand angreifen. So ist die Verletzungsgefahr geringer, und das Opfer kann nicht zum Täter gemacht werden. „Wir legen auch großen Wert darauf, dass man den Angreifer immer siezt“, erläutert Iris Kappler. So erkennen Passanten, dass kein Beziehungskonflikt vorliegt.

Am Ende dürfen die Teilnehmerinnen unter möglichst realistischen Bedingungen zeigen, was sie gelernt haben. Christian Walter spielt den Übeltäter und wird dazu mit Schutzkleidung ausgerüstet. Die „Opfer“, betreten einzeln einen leeren Raum, in dem sie ein Überraschungsangriff erwartet. Eine große psychische Belastung, der aber alle gut gewachsen sind. „Perfekt, ihr habt alles eins zu eins umgesetzt“, loben die Trainer. Und: „Wir haben selten so eine tolle Gruppe gehabt.“ Neun starke Frauen eben, die sich, wie sie einmütig betonen, durch den Kurs jetzt viel sicherer fühlen.

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Trainer der Abteilung ATK (Anti-Terror-Kampf)-Selbstverteidigung des TSV Leinfelden waren präsent; das Fördervereinsmitglied Iris Kappler, Günther Kolb und Christian Walter.

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