Hechingen Darf’s ein bisschen Moor sein?

Allerhand Wissenswertes über Moore hält die Nabu-Ausstellung in der Rathausgalerie bereit, die bei der Vernissage von vielen Besuchern besichtigt wurde.
Allerhand Wissenswertes über Moore hält die Nabu-Ausstellung in der Rathausgalerie bereit, die bei der Vernissage von vielen Besuchern besichtigt wurde. © Foto: Diana Maute
Hechingen / Diana Maute 17.09.2018
Die Jahresausstellung der Hechinger Nabu-Gruppe zeigt in der Rathausgalerie den „Lebensraum Moor“.

Es ist eine Landschaftsform, die durch ihre Mystik und Schönheit seit jeher die Fantasie des Menschen beflügelt: Das Moor, mit dem unwillkürlich weite, von Nebelschwaden überzogene Wasserflächen assoziiert werden. Die Jahresausstellung der Nabu- Gruppe Hechingen nähert sich dem Thema von einer Seite, die wenig mit wild-romantischen Bildern zu tun hat. Sie stellt den „Lebensraum Moor“ als „ein gefährdetes Ökosystem“ in den Fokus. Gezeigt wird, wie bedroht diese einzigartigen Biotope sind und welch gravierenden Auswirkungen drohen, sollten sie eines Tages von der Landkarte verschwinden.

„Dies ist eine Ausstellung zu einem bedrohten Lebensraum, den man nicht unbedingt mit Hechingen in Verbindung bringt“, unterstrich Hechingens Erste Beigeordnete Dorothee Müllges, die die zahlreichen Gäste der Vernissage am Freitag im Rathaus willkommen hieß. Nach mehreren Nabu-Jahresausstellungen mit lokalem Bezug gelte diesmal der Leitspruch: „Jetzt wird’s global, jetzt geht es um den Klimaschutz.“ Denn: „Wir alle haben nur eine Erde“, so Müllges. Gert Rominger vom Vorstandsteam der Hechinger Nabu-Gruppe hob hervor, dass das Thema Moor aus zwei Gründen als Schwerpunkt der Jahresausstellung gewählt wurde: Zum einen hätten die Nabu-Mitglieder im Frühjahr und Sommer Exkursionen zu den oberschwäbischen Rieden unternommen. Zum anderen stehe im November noch ein Vortrag über die Moorlandschaft Oberschwabens auf dem Programm. „Diese Moore sind höchst wertvolle Biotope und zugleich attraktive Ausflugsgebiete“, betonte Rominger. Ihre immense Bedeutung für den Klimaschutz sei der Öffentlichkeit eher weniger bekannt.

Die Ausstellung im Hechinger Rathaus trägt dazu bei, dies zu ändern. Vier großformatige Plakate des Nabu-Bundesverbands informieren detailliert über Moore, ihren Artenreichtum und ihre Bedeutung für den Klimaschutz. Die Tafeln der Hechinger Gruppe sind regionaler verankert und stellen mit Texten und reicher Bebilderung mehrere Moorgebiete Oberschwabens vor.

Mit Prof. Dr. Markus Röhl, Moorschutzexperte und Vorstandsmitglied des Nabu-Landesverbands, führte ein ausgewiesener Fachmann in die Ausstellung ein. „In erster Linie sind Moore Lebensraum für hochspezialisierte Arten“, betonte er. „Wenn wir diese erhalten wollen, müssen wir die Moore erhalten.“ Auch ihre Funktion als Klimaschützer sei von unschätzbarem Wert, denn durch die Umwandlung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre speichern sie viel mehr Treibhausgase als jedes andere Ökosystem auf der Welt.

Doch viele Moore sind leider nach wie vor gefährdet: „Durch Inkulturnahme, Entwässerung und Landwirtschaft ist der Störungsgrad sehr hoch.“ Mehr als 90 Prozent der Moore im Land seien entwässert. „Ackerbau-Nutzung auf Torf ist ein Klimakiller“, führte der Experte am Beispiel des Maisanbaus vor Augen.

Doch was kann getan werden, damit die wertvollen Ökosysteme weiterleben? „Ohne Wasser kein Moor, so einfach ist das“, unterstrich Röhl. Daher gelte es, den Wasserhaushalt wieder herzustellen.

Doch nicht nur im Großen, auch im Kleinen kann gehandelt werden. „Jeder Einzelne sollte so gut es geht auf Torfe verzichten.“ So sei etwa beim Kauf von Kartoffeln darauf zu achten, aus welchem Anbau sie stammen. Auch vorgezüchtete Gemüsepflanzen wachsen häufig in Torfboden, daher setzen Hobbygärtner besser auf eigene Saat. Ganz wichtig: Torfhaltige Gartenerde sollte ebenfalls nicht im Einkaufswagen landen. „Ich bin überzeugt, dass wir ohne Torf im Garten auskommen; da müssen wir als Verbraucher ansetzen“, riet Röhl. Nur so könne es gelingen, die faszinierenden, artenreichen Moorlandschaften zu schützen.

Info Die Nabu-Ausstellung im Hechinger Rathaus ist bis zum 19. Oktober, montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

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