Die 7-Tage-Inzidenz hält sich weiter unter dem Wert 50. Bleibt sie das auch am Dienstag, können ab Mittwoch weitere Lockerungen vom Lockdown in Kraft treten. Die Perspektive scheint gar nicht so schlecht, die die Kreisverantwortlichen den Kreisräten am Montagabend in der Geislinger Schlossparkhalle dargeboten haben.
So berichtete Gesundheitsdezernentin Dr. Gabriele Wagner zunächst Erfreuliches: weniger Infektionen in den Alten- und Pflegeheimen. Diese führt Wagner auf die Impfungen zurück, so beschrieb sie ihren Eindruck aus dem Alltag.

Sorge um Fälle in Kitas und Schulen

Viel mehr Sorgen machen ihr die vielen Fälle in Schulen und Kindergärten zurzeit. Auch wenn unklar ist, wer Henne, wer Ei ist: Die Kinder tragen das Virus in die Familien oder bringen es von dort mit in die Einrichtungen, stellte Wagner fest.
So könnten die Zahlen ziemlich schnell wieder hochschnellen, warnt Wagner. Das liege auch daran, dass die Mutationen deutlich infektiöser seien und vermehrt junge Menschen befallen.
Dass es auch „bei uns wieder einen Anstieg über 50“ geben werde, sei nur zu verhindern, wenn sich alle konsequent an die Regeln hielten.

Über ein Viertel Mutanten

Betont hat Wagner auch den Anteil der Virusmutanten, die bei den positiv Getesteten im Landkreis nachgewiesen wurden: Er lag am Montagabend bei 27 Prozent und wird laut Wagner weiter steigen. 75 Nachweise gab es demnach seit dem Winter. Dabei dominiere die britische Variante deutlich.
Die sogenannte Testpositivenrate, also wie viele Getestete positiv getestet wurden, konnte Wagner auf Nachfrage nicht nennen. Dem Landkreis sei nicht bekannt, wie viele Menschen aus dem Zollernalbkreis getestet werden, da auch unter anderem Hausärzte und vereinzelt Kinderärzte Corona-Tests durchführen. Nur die positiv Getesteten würden von Laboren ans Gesundheitsamt gemeldet.

Ein Prozent mit Corona unterwegs

Auch zu den viel diskutierten Schnelltests nahm sie Stellung. Man wisse von der Weihnachtsaktion, das etwa ein Prozent der Schnelltests positiv sind. Ein Prozent der Bürger würden deshalb unentdeckt mit Corona unterwegs sein.
Das sei problematisch, wenn man die Infektionszahlen auf ein niedriges Niveau drücken wolle. Wenn man nun mehr Schnelltests einsetze, werde man auch mehr positiv mit PCR Getestete finden. Die Inzidenz werde deshalb zunächst erst steigen, danach, etwa nach zwei Wochen, erwarte sie ein, hoffentlich andauerndes, Absinken.

Weniger Tests in Schwerpunktambulanz

In der Corona-Schwerpunktambulanz (CSA) würden immer weniger Menschen getestet, berichtete Stefan Hermann. Der Katastrophenschutzbeauftragte führte das auch auf die vermehrt eingesetzten Schnelltests zurück. So kämen fast nur noch Menschen in die CSA, die den Schnelltest verifizieren wollen oder symptomatisch seien.
Die geplante Schnelltestaktion von Bund und Land mute teilweise einer Verzweiflungsaktion an, sagte Hermann. Organisatorisch sei es kaum zu meistern, jedem Bürger einmal wöchentlich einen Schnelltest anzubieten. „Da sind wir erstaunt, wie das laufen soll“, sagte Hermann.

Meßstetten will Schnelltestzentrum einrichten

Es würden in den Medien Ankündigungen gemacht und die Umsetzung liege dann bei den Kommunen und den Landkreisen, zeigten sich Hermann und Landrat Günther-Martin Pauli enttäuscht.
Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft kündigte jedoch an, künftig höchstwahrscheinlich zusammen mit dem Roten Kreuz ein Schnelltestzentrum in seiner Stadt anbieten zu können. Erfreuliches konnte auch Hermann berichten: So seien von den mobilen Impfteams nun nach etwa einem Monat fast alle Alten- und Pflegeheime durchgeimpft worden.
Nur in wenigen Ausnahmen würden noch Zweitimpfungen fehlen. „Die vulnerabelste Gruppe konnten wir so erreichen“, sagte Hermann. Auf der Strecke blieben aber Pflegebedürftige zuhause. Einzelne Impfdosen dürften nicht zu diesen gebracht werden. Sie seien also so nicht erreichbar.

Hausärzte sollen impfen

Hier setzt Hermann zukünftig auf die Hausärzte – was die Kreisräte auch generell befürworteten. Denn sollte der Impfstoff ausreichend verfügbar sein, könnte das Kreisimpfzentrum „unter Volllast“ bis zu 1000 Impfwillige versorgen.
Um aber bis zum Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot machen zu können, seien die Hausärzte gefragt. Bei Blockterminen geimpft wurden mittlerweile sowohl Krankenhausmitarbeiter, als auch Mitarbeiter im Rettungs- und Pflegedienst. Aktuell seien Polizisten dran.

Diskussion: Lohnen sich mobile Impfteams?

Mobile Impfteams hätten die Bürgermeister abgelehnt, da diese einen hohen Organisationsaufwand mit sich bringen, sagte Hermann, der von Dr. Ullrich Mohr (FDP) dazu gefragt wurde. Zudem sei der Impfstoff noch Mangelware, es wäre nichts gewonnen, wenn man dem Impfzentrum etwas abzwacken würde.
Genesene, stellte Wagner auf Nachfrage klar, sollten sich zunächst bis etwa drei Monate nach der Infektion hinten anstellen bei den Impfungen. So sei die Empfehlung. Impfen lassen könnten diese sich aber, es sei ungefährlich.

Schroft will Spielraum nutzen

Ein Anliegen hatte dann noch Frank Schroft (CDU). Dieser betonte, nicht vorschnell öffnen zu wollen. Doch er sorge sich um das Soziale, die Jugend und die Kultur – und damit beispielsweise um die Jugendmusikschule. Im Landkreis Göppingen hätte man den Spielraum genutzt und diese trotz einer Inzidenz von leicht über 50 geöffnet, da das Infektionsgeschehen klar abgrenzbar ist.
Wagner stellte jedoch klar, dass das im Zollernalbkreis nicht so sei und voraussichtlich ohnehin bald weiter gelockert werden könne. Angewiesen sei das Gesundheitsamt zudem auf die richtigen Angaben von Infizierten. Es sei problematisch, dass man nicht wisse, wo sich Leute infizieren, sagte die Gesundheitsdezernentin.

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