Die Familie aus dem Zollernalbkreis, aus der sich ein Mitglied bei einem langen Aufenthalt in Südafrika mit der dort grassierenden Coronavirus-Variante angesteckt hat, verhält sich laut dem Landratsamt sehr verantwortungsbewusst. Die Behörden sehen sich bei dem Geschehen gut aufgestellt. Besondere Maßnahmen seien nicht notwendig.
Seit Dienstag ist klar: Die südafrikanische Variante des Coronavirus mit dem Namen B.1.351 ist in Baden-Württemberg angekommen – genauer gesagt im Zollernalbkreis.
Die Probe eines positiv auf das Coronavirus getesteten Familienmitglieds ist dazu in Berlin im Konziliallabor der Charité sequenziert worden. Die Familie war wie berichtet am 13. Dezember von einem langen Aufenthalt in Südafrika zurückgekehrt und hatte sich in Quarantäne begeben.

Landesgesundheitsamt nimmt neue Proben

Am vergangenen Wochenende war dann das Landesgesundheitsamt vor Ort, um neue Abstriche zu nehmen. „Wir erwarten bis Donnerstag die Nachricht, ob bei Personen aus der Familie weiterhin Corona nachgewiesen wurde. Danach gehen eventuelle positive Tests wieder nach Berlin, wo dann die Sequenzierung vorgenommen wird. Bis dieses Ergebnis vorliegt, wird es noch einige Tage dauern“, sagt Landratsamtssprecherin Marisa Hahn.
Künftig müssen diese Proben nicht mehr nach Berlin, sondern können auch im Landesgesundheitsamt sequenziert werden. Damit bei entsprechenden Verdachtsfällen in Baden-Württemberg „sehr schnell reagiert werden“ kann, heißt es in einer Pressemitteilung. Auch soll dort künftig das komplette Coronavirus-Genom untersucht werden können, um mögliche unbekannte Mutationen zu erkennen.

Keine besondere Gefahr

Die bekannte Verbreitung der Südafrika-Mutation im Zollernalbkreis ist dem Landratsamt zufolge unter Kontrolle. Bei Einhaltung der AHA-Regeln „besteht keine besondere oder erhöhte Infektions- oder Ausbreitungsgefahr“, sagt Hahn. „Wegen der südafrikanischen Variante werden keine besonderen Maßnahmen ergriffen.“
Die Behörden stünden mit den betroffenen Familien in sehr engem und guten Kontakt. Die Familie verhalte sich sehr verantwortungsbewusst.

Landesgesundheitsamt unterstützt in der Lage

Stefan Brockmann ist der Leiter des Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz im Landesgesundheitsamt. Gemeinsam mit seinem Team unterstützt er lokale Gesundheitsämter in Ausnahmesituation wie dieser und berät diese auch.
Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet er von lediglich leichten Abweichungen vom Normalgeschäft: „Neu ist, ist dass wir bei Leuten, die aus Südafrika oder Großbritannien kommen, während und zum Ende der Absonderung eine Abstrichuntersuchung durchführen, um ein unerkannte Virusträgerschaft auszuschließen“, sagt Brockmann. Auch nach der Isolation, wenn die Person erkrankt ist, nehme man abschließend noch eine Probe.

Kontaktpersonen durch Feiertage eingrenzbar

Brockmann sieht derzeit keinen Grund zur Panik: „Wir sind bei dem Geschehen gut aufgestellt, auch wenn es diese Verzögerung gegeben hat. Hätte es damals schon Tests direkt bei der Ankunft am Flughafen gegeben, hätte es folglich auch weniger Kontaktpersonen gegeben. Durch die Feiertage waren die Kontaktpersonen aber in diesem Fall gut eingrenzbar.“ Die Behörde sei recht nah dran und schaue sich das möglichst genau an, damit diese besser am Ball bleibe, so Brockmann.
Immer, wenn es möglich sei, solle man bei konkreten Verdachtsfällen die Probe sequenzieren. Die Zahl der Fälle sei aktuell noch überschaubar.

Hintergrund:

Bei einer Familie aus dem Zollernalbkreis, die am 13. Dezember 2020 aus Südafrika nach Baden-Württemberg eingereist ist, wurde erstmals die mutierte Variante B.1.351 des Coronavirus nachgewiesen. Das teilte am Dienstagnachmittag das Stuttgarter Sozialministerium mit.

Erster bekannter Fall der Corona-Mutation aus Südafrika in Deutschland

Den Angaben zufolge handelt es sich damit um den ersten bekannten Fall in Deutschland. Am 18. Dezember 2020 berichtete die südafrikanische Regierung über die Entstehung und rasche Zunahme dieser neuen Variante. Sie wurde erstmals in einer Probe von August 2020 am Ostkap in Südafrika nachgewiesen.
„Die betreffenden Personen kehrten von einem längeren Aufenthalt aus Südafrika nach Baden-Württemberg in den Zollernalbkreis zurück“, teilte ein Sprecher des baden-württembergischen Sozialministeriums teilte am Dienstag in Stuttgart mit. „Nach der Einreise ging die Familie pflichtgemäß in Quarantäne und ließ sich anschließend fünf Tage später testen. Diese Tests fielen negativ aus.“

Video Südafrikanische Coronavirus-Variante in Deutschland entdeckt

Milde Krankheitssymptome nach Infektion mit mutiertem Coronavirus entwickelt

In der darauffolgenden Woche haben die ersten Familienmitglieder milde Krankheitssymptome entwickelt. Zwischenzeitlich gibt es sechs Virus-Nachweise bei sechs Personen aus drei Haushalten. Die SARS-CoV-2 positive Abstrichprobe der zuerst erkrankten Person wurde zur Virussequenzierung an das Nationale Konsiliarlabor für Coronaviren (Charité Berlin) gesandt. Dort erfolgte am Montag die Bestätigung des Nachweises der Virusvariante B.1.351. Die Abstrich-Untersuchungen weiterer Kontaktpersonen wurde veranlasst.