Wenn auch die geplante Präsentation des Buches „Zusammen sind wir Heimat – FrauenFluchtGeschichten“ aus kurzfristig aufgetauchten rechtlichen Gründen nicht stattfinden konnte, erfuhren die zahlreichen Gäste im Bildungshaus St. Luzen aus einigen Kapiteln des neuen Werkes überaus Beeindruckendes über das Schicksal geflüchteter Frauen.

In seiner Begrüßung dankte Elmar Schubert, Geschäftsführer des Caritasverbandes für das Dekanat Zollern, der Verfasserin Ulrike Stoll-Dyma und allen anderen, die am Zustandekommen des Buches über geflüchtete Frauen beteiligt waren. Schubert stellte fest: „Es sind Geschichten von großer Not, Angst, Vergewaltigung und Tod, aber auch Geschichten von Zuversicht, Zukunft, Integration und Heimweh.“ Es gebe genügend Gründe nicht wegzuschauen, meinte Schubert.

In einem kurzen Film, entstanden während der 72-Stunden-Aktion, wurden Leute von der Straße und auch aus den Reihen der Lokalprominenz über Hechingen und seine Menschen befragt. Zur Sprache kamen Ansichten, Gegebenheiten, Wünsche und Anregungen. Ein Fazit: „Hechingen ist durch seine Menschen bunt. Viele leben beieinander, aber noch nicht miteinander.“

Stellvertretend für viele wurde das Schicksal dreier geflüchteter Frauen geschildert. Da war das Erleben einer Frau aus der ehemaligen Sowjetunion. Als eines von acht Kindern mit einem prügelnden, alkoholkranken Vater sah sie keine Perspektive. Die verschlechterte sich noch, als sie fälschlicherweise mit Terrorismus in Verbindung gebracht und eingesperrt wurde. „Zur falschen Zeit am falschen Ort“, konstatierte Ulrike Stoll-Dyma. Es folgten die Flucht nach Belgien, die Abschiebung nach Moskau und die Flucht durch Schlepper nach Deutschland. Mittlerweile hat die 62-Jährige eine kleine Wohnung. Was ihr fehlt, ist ihre Mutter. Die Frau meinte, vor das Mikrofon tretend: „Zufrieden, danke an Deutschland, alles gut.“

Die Flucht einer jungen Frau aus Somalia über Umwege nach Libyen, Italien, die Schweiz nach Deutschland ist ein einziges Drama. Frauen, die alleine die Flucht antreten, sind, auch in anderen Lagern, den Schleppern hilflos ausgeliefert. Sie werden wie Sklaven gehalten, aus den Zelten geholt und als Freiwild betrachtet. Es gebe, so der Bericht, Frauen, die sich Verhütungsmittel besorgen, um von ihren Peinigern nicht schwanger zu werden. Zudem sei es in ihrem Kulturkreis eine Schande, die Familie zu verlassen. Und nach einer Vergewaltigung ist eine Frau „nichts mehr wert.“

Eine weitere Frau floh mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern als Fünfjährige aus Eritrea in den Sudan. Für den Weg dorthin mussten wieder Schlepper bezahlt werden. An diese Zeit hat die mittlerweile junge Frau schlimme Erinnerungen. In Deutschland hatte die Familie ein Minizimmer, dessen Tür nicht zum Abschließen war. Es gab nur eine Gemeinschaftsküche und eine Gemeinschaftstoilette, dafür aber viel Streit zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen. Toll sei die Zeit im Kindergarten und in der Schule gewesen. Auch an die Vertreter der beiden großen Konfessionen in Deutschland hat sie gute Erinnerungen. Ihr Wunsch wäre mehr Integration, hat sie doch auch einiges an wenig erfreulichen Sprüchen und Aussagen mitbekommen und auch Ausgrenzung erfahren müssen.

„Die Aussagen der sieben Frauen waren authentisch, gingen unter die Haut und tun dies immer noch“, beschrieb Ulrike Stoll-Dyma die Gespräche mit den Geflüchteten, in deren Verlauf „wir geweint und gelacht haben.“

Es seien sehr berührende Geschichten gewesen, „die unsere Augen geöffnet haben für das, was Flucht heißt“, meinte Elmar Schubert. Und es waren nur drei Biografien von insgesamt sieben, die in das Buch Eingang fanden. Alle Schicksale der Frauen und ihrer Kindern auf der Flucht aufgeschrieben, würden sicher viele Bände voller Unsicherheit, Angst, Leid, Schmerz, Tränen, aber auch von Hoffnung, Zuversicht und Zukunft ergeben.