Schlatt Campen im Heiligenbachtal

Eine äußerst stattliche Burganlage, das die Kundschafter der Royal Rangers aus Stuttgart in die Zeit der "Drei Musketiere" zurückversetzt, steht derzeit im Schlatter Heiligenbachtal. Foto: Eugen Pflumm
Eine äußerst stattliche Burganlage, das die Kundschafter der Royal Rangers aus Stuttgart in die Zeit der "Drei Musketiere" zurückversetzt, steht derzeit im Schlatter Heiligenbachtal. Foto: Eugen Pflumm
Schlatt / EUGEN PFLUMM 02.08.2012
Fünf Stämme der Royal Rangers haben derzeit ihr Lager im Heiligenbachtal aufgeschlagen. Das Programm unter dem Motto "Einer für alle, alle für einen" versetzt die Teilnehmer zurück in die Zeit der Musketiere.

Eine riesige Burganlage gleich in der Nähe des Hunnengrabes am Heiligenbach? Das gibts doch nicht. Gibt es doch! Aufgebaut haben diese die Campleiter der Stuttgarter Royal Rangers mit ihren Helfern. Angereist sind sie bereits am 21. Juli, um zusammen mit einigen Eltern die Voraussetzungen für ein optimales Sommercamp zu schaffen. Letztendlich war es ein gehöriges Stück Arbeit, die Burganlage aus rund 250 Fichtenstämmen verschiedener Größen und entsprechend bemalten Tuchplanen Wirklichkeit werden zu lassen. Bänke, Tische, Aussichtstürme und alle weiteren "Möbel" wurden ausschließlich mit starken Stricken in echter Pfadfindermanier zusammengebunden. Nägel kamen nur zum Einsatz, wenn dies aus Gründen der Sicherheit unumgänglich war.

Am vergangenen Donnerstag war es dann soweit, die Burganlage samt Fußballplatz war fertig, so dass die fünf Stämme der Stuttgarter Royal Rangers aus Leonberg, Rutesheim, Ludwigsburg, Botnang und Vaihingen/Enz anrücken konnten. Bis Freitag, 3. August, stehen die in 18 Jungen- und Mädchenteams aufgeteilten Kundschafter im Mittelpunkt.

Beim Besuch der HZ im Camp erzählt Lagerleiter Jürgen Schmidt, dass die neun- bis elfjährigen Royal Rangers - wie erwähnt - als Kundschafter bezeichnet werden. Dagegen beherbergt das aktuelle Camp in Boll die zwölf- bis 14-jährigen Pfadfinder. Weitere Altersgruppen sind die Pfadrangers (15 bis 17 Jahre), ab 18 Jahren gilt der Status Juniorleiter. Keine Camps gibt es für die Starter von sechseinhalb bis acht Jahren. "Kinder in dieser Altersgruppe sind für derartige Unternehmungen noch zu klein", weiß Jürgen Schmidt.

Der 43-Jährige, der in seinem Privatberuf für einen großen Stuttgarter Autohersteller in der Forschung arbeitet, hat als Lagerleiter die Verantwortung für 135 Kundschafter, 65 Pfadrangers und Juniorleiter. Er unterstreicht, dass im Camp eindeutige Regeln bestehen und klare Strukturen eingehalten werden müssen. Schließlich sollen in einer christlichen Pfadfindergruppe entsprechende Werte vermittelt, vielfältige und altersgemäße Jugendarbeit betrieben und die Übernahme von Verantwortung gelehrt werden.

Der Tagesablauf besitzt daher eine klare Struktur, zu der auch eine Morgenandacht und ein Appell gehören. Traditionell verboten sind Alkohol, Zigaretten und Handys.

Geweckt werden die aus zwei bis maximal acht Jugendlichen bestehenden Teams, zu denen immer ein Teamleiter gehört, mit einem Horn. Jedes Team hat einen eigenen Namen wie beispielsweise Rotfüchse, Wanderfalken oder Kudus. Geschlafen wird in Jurten, einer traditionellen Zeltform aus der Mongolei. Beim Gang durch die Burg sind die links und rechts neben der Hauptstraße liegenden Teamplätze mit Schlafzelt, Essplatz, Feuerstelle, Tisch und Sonnen- beziehungsweise Regendach zu sehen, es gibt eine Poststelle, ein Küchenzelt mit Proviantausgabeplatz, ein Sanitätszelt, ein Materialzelt, einen Familienbereich und einen Versammlungsplatz.

Im etwas abseits liegenden Familienbereich wohnen die Ehepartner und einige Eltern, die sich so in das Leben im Camp einbringen können. Stolz erwähnt Lagerleiter Jürgen Schmidt, dass sich beim Besuch des ZDF weit über 200 Personen auf dem zentralen Versammlungsplatz eingefunden haben. Der Beitrag soll Ende August an einem Sonntag gesendet werden. Ein Höhepunkt ist der Sanitär- und Duschbereich, der im benachbarten Wald eingerichtet wurde. Aus einem durch die Hechinger Feuerwehr gefüllten 1000-Liter-Wasserbehälter wird mittels Aggregat Wasser in einen sich auf zehn Meter Höhe an zwei Bäumen fixierten Behälter gepumpt. Von dort kann das kostbare Nass aus Wasserhähnen bezogen werden, wobei der Druck in der Tat ein Bar beträgt. Ein Holzofen sorgt für die richtigen Duschtemperaturen. Das Lagerprogramm bietet unter anderem einen Schwimmbadtag in Hechingen und einen an die Zeit der Drei Musketiere angepassten Mantel- und Degentag. Dabei müssen die Kundschafter ihre Fertigkeiten beim Armbrustschießen, Pfeil- und Bogenschießen, Degenfechten, Zinngießen, Axtwerfen und Diadem basteln wie auch beim Musketier-Geländespiel unter Beweis stellen. Nicht fehlen darf natürlich das Ablegen von Pfadfinderprüfungen mit der Verleihung der Abzeichen.

Auch Regionalleiter Martin Seiler, der Chef aller Stuttgarter Stämme, stattete dem Camp einen Besuch ab. Für das Lager und seine Bewohner hatte er viel Lob parat, ebenso für eine "super tolle Unterstützung durch Stadt und Gemeinde auf einem Stück herrlicher Natur".

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