Schon wieder ein goldener Herbsttag auf Burg Hohenzollern – und wieder gibt es etwas zu feiern: Vier Tage nach dem ersten internationalen Hohenzollerntag, der Tausende Besucher auf die Burg lockte, wurde am Mittwoch ganz offiziell das in Angriff genommen, was Burgverwalterin Dr. Anja Hoppe „ein Jahrhundertprojekt“ nennt: die grundlegende Restaurierung der Bastionsmauer, die rund fünf Jahre dauern und etwa 15 Millionen Euro kosten soll.

Das erste Gerüst wird aufgebaut

Seit Montag sind die Gerüstbauer am Werk. Direkt neben dem Adlertor, dem Besuchereingang zur Burg, bauen sie ein 20 Meter breites und 15 Meter hohes Gerüst auf. An dieser Stelle wird mit dem ersten Bauabschnitt begonnen. Er umfasst die Mauern der Schnarrwachtbastei (von der aus der Blick gen Maria Zell geht) und der Neuen Bastei (mit Blick auf Hechingen). Für die Steinmetze von der rheinhessischen Spezialfirma Zedler gilt es, die Schäden zu beseitigen, die Wind, Wetter, Wasser und Erdbeben in den vergangenen 150 Jahren dem historischen Sandsteingemäuer zugefügt haben. Allein in diesem ersten Bauabschnitt werden 180 Tonnen des originalen gelben Angulatensandsteins verbaut, der aus einem extra aufgemachten Steinbruch im Grosselfinger Wald abgebaut wird.

Die Burg bekommt einen Aufzug

Noch spannender an der ersten Bauphase ist freilich, was passiert, wenn die erste Mauer gleich neben dem Adlertor restauriert ist. Dann wird nämlich genau an dieser Stelle ein 22 Meter hoher Aufzug angebaut, mit dem während der Bauarbeiten die schweren Steine auf die Schnarrwachtbastei hochbefördert werden, der später aber auch als Personenaufzug dienen soll. So gewinnt Burg Hohenzollern im Zuge der Sanierung auch deutlich an Barrierefreiheit. Gehbehinderte Besucher werden das ebenso zu schätzen wissen, wie junge Eltern, die bislang noch einen Kinderwagen über das holprige Steinpflaster schieben müssen.

Schon zum Weihnachtsmarkt 2020 fertig

„Ende 2020 soll der Aufzug fertig“, kündigt Burgverwalterin Anja Hoppe an. Wenn alles läuft wie geplant, soll er schon beim nächstjährigen Königlichen Weihnachtsmarkt Menschen und Lasten befördern. Der Aufzug wird aus Stahlbeton gebaut und mit genau demselben Sandstein, aus dem die Burgmauern gebaut sind, verkleidet. So wollen es die Denkmalpfleger, damit der Aufzug kein Fremdkörper wird, der die Ansicht aus der Ferne stört. Um oben an die Bastei anzudocken, wird ein Steg nötig sein. Und wer aus dem Aufzug heraustritt, soll bald auch wieder eine neu gepflanzte Linde sehen, welche den alten Lindenbaum von der Schnarrwachtbastei, der wegen der Mauersanierung gefällt werden musste, ersetzen soll.

Die Wendeplatte wird vergrößert

Einen Stock tiefer am Adlertor wird es im nächsten Jahr noch weitere Veränderungen geben: Die dortige Wendeplatte, wo der Shuttle-Bus Endstation hat, wird um gut 50 Quadratmeter erweitert. Dazu muss die befestigte Fläche um ein paar Meter über die Hangkante hinaus gebaut werden. „Eine logistische Herausforderung“ nennt dies die leitende Bauingenieurin Katharina Schaller, schließlich soll die Burg auch während der Arbeiten an dieser neuralgischen Stelle für den Besucherverkehr offen bleiben. Am Ende soll die vergrößerte „Adlertor-Ebene“ aber den Lieferverkehr erleichtern, einen geordneten Zugang zum Aufzug ermöglichen und auch der Feuerwehr eine gesicherte Aufstellfläche bieten.

Die Baustelle wandert um die Bastion herum

Von 2021 an wandert die Baustelle dann gegen den Uhrzeigersinn um die Bastionsmauer herum – und mit ihr das Gerüst. So wird gewährleistet, dass immer nur ein Abschnitt der gesamten Burganlage vergittert und verhängt ist. Am Ende werden 1200 Tonnen Sandstein weitgehend in Handarbeit neu eingebaut sein. Massiv verankert werden die Burgmauern mit Hunderten von jeweils neun Meter langen Erdnägeln aus feuerverzinktem Stahl. Nach jedem halben Meter wird solch ein Giga-Dübel ins Mauerwerk getrieben. Die horizontalen Stufen in den Mauern werden mit Textilvlies abgedeckt. Ziel ist es, dass Regenwasser nicht mehr unkontrolliert zwischen die Steine sickern und Schaden anrichten kann.

Ab 2025 kommt die Auffahrt dran

Burgverwalterin Anja Hoppe, Thomas Kanjar, Immobilienchef in der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern sowie die leitenden Bauingenieure Katharina Schaller und Christopher Grohmann vom Stuttgarter Büro EHS warfen beim Pressetermin am Mittwoch auch noch einen Blick in die fernere Zukunft: Wenn die Bastionsmauer wieder rundum solide (und auch erdbebensicherer denn je) ist, ist das Großprojekt noch längst nicht beendet, sondern erreicht gleich seine nächste Stufe. Ab etwa 2025 soll die insbesondere vom Salz stark angegriffene Auffahrtrampe samt Tunnelwänden und Zugbrücken saniert werden. Details darüber sind indes noch Fehlanzeige. „Wir haben noch nicht mal eine grobe Vorstellung davon, was uns da blüht, wie lange das dauern und was das kosten wird“, räumt Bauingenieurin Katharina Schaller ein. Wenig Umstände dürfte es indes bereiten, den bislang einzigen Zugang zum Burghof für die Sanierung zu sperren. Denn bis dahin sollte sich ja der Aufzug längst bewährt haben.

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