Rektor Sven Kremer war sich gestern nicht zu vornehm, selber den Besen zu schwingen, um den Platz vor dem neuen Wandbild Stäubchenrein zu fegen. Natürlich wurde er sogleich von den umstehenden Schülern und Kollegen gehänselt. Aber Kremer lachte, man wisse doch, dass er ursprünglich aus dem Handwerk komme und er stets gerne selber anpacke. Aber heute sei es ja wirklich ein besonderer Anlass - die Übergabe des Bildes. Und das solle schließlich optimal zur Geltung kommen.

Bild? Es handelt sich genauer gesagt um Graffiti, also Sprühkunst. Entstanden ist das Werk in vergangenen Monaten. Pfingsten haben die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 mit ihrer Kunstlehrerin Cordula Julino mit der Arbeit begonnen. Außerdem mit dabei waren sechs Angehörige der Bisinger Kunstakademie U 7 und der Hechinger Künstler Marek Leszczinski.

Jeden Montag wurde an dem Wandbild gearbeitet. Das Schwerste war wohl der Beginn, die Frage, was man überhaupt darstellen will. Schließlich entschloss man sich, alle Ideen zu verwirklichen, jeder sollte das malen - Pardon - sprayen dürfen, was er mochte. Freilich, unkoordiniert konnte das auch nicht vor sich gehen, da musste man schon ein Konzept finden, damit jeder sein Plätzchen bekommt und das Ganze trotz der Vielfalt am Schluss zusammenpasst. Auch weitere Dinge, so ließ sich gestern aus den Gesprächen heraus hören, passten am Anfang nicht recht zusammen. Da gab es wohl Reibereien, Eifersüchteleien, Frustrationen, die sich mitunter in übermütigem Schabernack entluden. Aber am Schluss, so Cordula Julino, hätten sich die Schüler und die jungen Erwachsenen von U 7 zusammengerauft, sei man zu einem Team verschmolzen. Dasselbe sagt Marion Linder, Leiterin von U 7.

Die Teilnehmer von U 7, es handelt sich um Menschen mit Behinderung, sind stolz, dieses Werk mit verwirklicht zu haben. Zumal sie keineswegs Handlangerdienste verrichteten. Im Gegenteil, bei U 7 verfügt man über Erfahrung in Graffitis. So lernten die Albert-Schweitzer-Schüler auch, dass Menschen mit Behinderung so einiges "drauf haben". "Es ist ein Geben und ein Nehmen", weiß Marion Linder. Das Wandbild wird sicher viele Jahre erhalten bleiben. Das darf es. Es ist bunt, fröhlich, einfach schön geworden. Eine Zierde für den Schulhof.