Auszeichnung Hechinger Otto Werner erhält Bundesverdienstkreuz

Hechingen / Thomas Jauch 12.11.2016

Er ist ein äußerst engagierter Schaffer, macht darüber aber kein Aufhebens. Deshalb wollte Otto Werner auch eine ganz kleine Runde für die Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens, besser bekannt als Bundesverdienstkreuz. Der ehemalige Rektor der Hauptschule, passionierte Geschichtsforscher und umtriebige Ehrenämtler bekam die Auszeichnung von Landrat Günther-Martin Pauli im Ratssaal ausgehändigt.

Zusammen mit dem Ehepaar Otto und Johanna Werner sowie Landrat Pauli begrüßte Bürgermeisterin Dorothea Bachmann  die befreundeten Pädagogen Josef und Marlene Scheu sowie von der Alten Synagoge Lothar und Maria Vees und Stadtarchivar Thomas Jauch.  Das Stadtoberhaupt verwies auf das vielfältige ehrenamtliche Engagement Otto Werners und hob dessen Engagement im Hohenzollerischen Geschichtsverein, im Verein Alte Synagoge, für die Ausbildung der Stadtführer, in der katholischen Kirche sowie in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hervor. Durch sein unermüdliches Forschen hat er sein Wissen auch in Büchern zusammengefasst, unter anderem im zweibändigen Werk „Biographische Notizen“, das regelmäßig zur Beantwortung von Anfragen an das Stadtarchiv Verwendung findet.

Der Enzyklopädist

Dorothea Bachmann bezeichnete Otto Werner als Enzyklopädisten, Aufklärer, Wissenschaftler und dadurch als Verkünder und Mahner. Die Stadt hat Werner  2002 mit ihrer Bürgermedaille ausgezeichnet. Besonders habe er sich der historischen Forschung über Hechingen gewidmet. Einer der Schwerpunkte ist die jüdische Geschichte. „Die geistige Arbeit, die Sie geleistet haben, um Hechingen mit seiner jüdischen Geschichte vertraut zu machen, ist in Stunden nicht zu ermessen“, erklärte Bachmann, „dafür sind wir Ihnen unendlich dankbar.“

Die Überreichung des Ordens oblag Landrat Günther-Martin Pauli, der klare Worte über Otto Werner fand: „Mit Ihnen dürfen wir heute eine Persönlichkeit auszeichnen, die in allen Belangen den Anforderungen gerecht wird.“ Pauli ging ausführlich auf das Engagement des 1934 in Bayern Geborenen ein. Im Hohenzollerischen Geschichtsverein wirkte Werner über viele Jahre als stellvertretender Vorsitzender, hielt zahlreiche Vorträge und veröffentlichte viele Aufsätze.

Ebenso vielfältig und intensiv war die Mitarbeit im Verein Alte Synagoge. Als Initiator und unermüdlicher Mitarbeiter trug Werner maßgeblich dazu bei, dass die Synagoge renoviert wurde. Die umfangreichen Archivarbeiten führten zu Kontakten mit Überlebenden und deren Angehörigen. Bis heute pflegt die Familie Werner den Kontakt zu etlichen Familien. „Sie gaben der ehemaligen jüdischen Gemeinde ihre Würde zurück,“ resümierte Landrat Pauli.

Ein Erfolgsmodell war und ist die Ausbildung von Stadtführern durch Otto Werner. 1999 gestartet, sind es auch heute noch im Schnitt 3000 Besucher, die von den Stadtführungen profitieren – auf Basis der Materialien von Otto Werner. Von 1974 bis 1990 war Werner zudem Leiter der katholischen Erwachsenenbildung, ebenso lange war er Mitglied des Ehevorbereitungsteams der katholischen Kirche. Zudem verdankt ihm Hechingen die Erstellung von Führern für die Kirchen. In der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft war Werner als Vorstandmitglied tätig und machte sich um die Anerkennung der Hauptschule als gleichberechtigte und gleichwertige Schulart im Land verdient.

„Für außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement spreche ich Ihnen auch namens der Landesregierung und Ministerpräsident Winfried Kretschmann Dank und Anerkennung aus.“ Der Landrat verlas die Verleihungsurkunde und heftete Otto Werner den Orden ans Revers.

Stets auf Ausgleich bedacht gewesen

Otto Werner ergriff am Schluss selbst das Wort. Die Verleihung des Verdienstordens habe ihn gefreut, und dass die Übergabe in Hechingen stattfinde, sei sein Wunsch gewesen. Schließlich habe er das, wofür er geehrt werde, in Hechingen getan. In wenigen Beispielen skizzierte er seine ehrenamtlichen Leistungen – auch seine Funktion als Ausbilder beim DRK.

Besonders hob Werner hervor, dass sein Wirken stets auf Ausgleich bedacht gewesen sei, sei es zwischen den Konfessionen und Religionen, oder auch bei Uneinigkeiten in den Vereinen. Und auf Konstanz. So habe er immer etwas aufgebaut, und wenn die „Sache dann gelaufen sei“, habe er die Verantwortung auch an Nachfolger übergeben. Und nach denen habe er immer Ausschau gehalten.

Das Datum des Verleihungstages war extra gewählt. Am 9. November hat sich dieses Jahr zum 78. Mal die ­Reichspogromnacht gejährt. Otto Werner hat die Vernichtung und Ermordung der Hechinger Juden in mehreren Publikationen aufgearbeitet.

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