Hechingen Bundesgerichtshof prüft Umut-Mord-Urteil

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheidet möglicherweise schon im September über die Revisionsanträge zum Mord-Urteil des Hechinger Landgerichts im Fall Umut K.
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheidet möglicherweise schon im September über die Revisionsanträge zum Mord-Urteil des Hechinger Landgerichts im Fall Umut K. © Foto: dpa
Hechingen / Von Hardy Kromer 17.08.2018

Zehn Monate sind jetzt vergangen, seit die Große Jugendkammer des Hechinger Landgerichts zwei junge Italiener aus dem oberen Killertal wegen des Mordes an Umut K. am 1. Dezember 2016 am Fuße der Hechinger Staig verurteilt hat. Rechtskräftig sind die Urteile noch längst nicht, denn sowohl die beiden Verteidiger der mutmaßlichen Mörder als auch die Staatsanwaltschaft haben Revision eingelegt. Über die hat der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofes (BGH) in Karlsruhe zu scheiden.

Und das wird, wie die HZ aus Justizkreisen erfuhr, vermutlich nicht mehr allzu lange dauern. Schon im September könnte die Hauptverhandlung diesen Informationen zufolge stattfinden – auch wenn die Pressestelle des BGH auf Nachfrage noch keinen Termin nennen konnte.

Komplett neu aufgerollt wird der Hechinger Mordfall, der im vergangenen Jahr in der Heiligkreuzstraße 15 Verhandlungstage in Anspruch nahm, vor den Karlsruher Richtern nicht werden. Der Strafsenat wird lediglich zu prüfen haben, ob der Großen Strafkammer unter dem Vorsitz von Dr. Hannes Breucker gravierende Rechtsfehler unterlaufen sind. Sollte der Senat zu eben dieser Auffassung gelangen, dann würde der Fall ans Hechinger Landgericht zurückverwiesen, und dessen Große Jugendkammer müsste den Fall in neuer Besetzung entweder teilweise oder sogar ganz neu aufrollen. Sollten die Bundesrichter keinen Revisionsbedarf sehen, dann könnten die Hechinger Urteilssprüche Rechtskraft erlangen.

Die Große Jugendkammer hatte am 18. Oktober 2017 ihre Überzeugung verkündet, dass der zum Tatzeitpunkt 21-jährige Italiener, der auf dem Beifahrersitz des Fiat Punto saß, den tödlichen Schuss auf den jungen Kurden Umut K. abgefeuert hat. Weil dies aus Heimtücke und Habgier geschehen sei (im Hintergrund stand ein Streit um nicht bezahlte Drogenschulden), wurde der Killertäler wegen Mordes zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Sein Kumpel und Cousin, der das Tatfahrzeug gesteuert hatte, wurde als Mittäter ebenfalls wegen Mordes verurteilt, kam aber – weil er zum Tatzeitpunkt noch 20 war – mit einer neunjährigen Jugendstrafe davon.

Beide Strafverteidiger – Rüdiger Kaulmann für den mutmaßlichen Todesschützen und Tobias Glaenz für den Punto-Fahrer – legten Revision ein, um zu erreichen, dass die Mordurteile in Freisprüche (soweit es das Tötungsdelikt betrifft) umgewandelt werden.

Beide Anwälte hatten bis zuletzt an der Version festgehalten, dass nicht ihr Mandant, sondern der jeweils Andere geschossen habe und dass es auch keinen gemeinsamen Tötungsplan gegeben habe.

Die Staatsanwaltschaft legte ebenfalls Revision ein. Die Anklagebehörde nahm daran Anstoß, dass der Fahrer des Tatfahrzeuges nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde. Sie würde den jüngsten Angeklagten ebenfalls gerne lebenslänglich hinter Gittern sehen.

Rechtskräftig geworden ist in der Zwischenzeit dagegen das Urteil gegen den dritten Angeklagten, den heute 38-jährigen Hechinger, der als mutmaßlicher „Pate“ hinter seinen beiden sizilianischen Landsleuten stand. Der Mann mit dem Decknamen „Catania“ hat seine Verurteilung zu drei Jahren und neun Monaten Haft wegen Drogenhandels mittlerweile akzeptiert, wie ein Sprecher des Hechinger Landgerichts der HZ bestätigte.

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