Dienstagnachmittag kurz vor vier in der Hechinger Frauengartenstraße: Die beiden Rangendinger Bürgermeisterkandidaten treffen zum HZ-Wahlpodium ein – ohne Publikum, mit Videokamera, der sorgfältig vorbereitete Wahlkampf-Höhepunkt in diesen Corona-Zeiten, in denen die Gemeinde auf eine offizielle Kandidatenvorstellung verzichtet.
Während HZ-Redaktionsleiter Ernst Klett dem Kandidaten Manfred Haug einen Kaffee zubereitet, bittet Mitbewerber Peter Baron um ein kurzes Vorgespräch. Und so setzen sich die beiden Moderatoren – Ernst Klett und die HZ-Rangendingen-Redakteurin Melanie Steitz – und die beiden Kandidaten unter acht Augen zusammen. Schon bald runzelt sich die Stirn bei Dreien, während der Vierte – Peter Baron – wissen lässt, dass er gleich nicht mitmachen wird: Er ziehe sich aus dem Wahlkampf zurück, weil er „Anfeindungen“ erfahren habe, bleibe aber auf dem Stimmzettel.
Nun denn, das muss man nicht unbedingt verstehen, aber allemal respektieren. Der erwünschte Dialog zwischen den Kandidaten ist damit geplatzt, der einzig verbliebene Wahlkämpfer Manfred Haug verdient aber dennoch sein Podium. Und so führen Ernst Klett und Melanie Steitz mit dem Rangendinger Gemeindekämmerer ein Solo-Interview, das wir an dieser Stelle in gekürzter Fassung dokumentieren.

Herr Haug, wie muss man sich das vorstellen? Steht man morgens auf und sagt: Ich will jetzt Rangendinger Bürgermeister werden? Oder ist das ein ewig quälender Prozess gewesen?

Manfred Haug: Mit Sicherheit war das bei mir nicht so, dass ich morgens aufgestanden bin und gedacht habe: Das mache ich auf jeden Fall. Das ist ein Reifeprozess. Da braucht man schon ein paar Wochen dafür, ein paar Tage zumindest. Da gibt es so viele positive, aber natürlich auch ein paar negative Punkte, und die muss man berücksichtigen. Bei mir ging es nur darum: Kann das private Leben dann noch so sein, wie man sich das vorstellt? Und da braucht man eben ein paar Tage, bespricht das mit der Familie, mit der Partnerin, mit den Kindern, und dann war schnell klar, dass ich das auf jeden Fall versuchen will. Wir sind uns einig, und wir freuen uns darauf, auch wenn jetzt ein paar Wochen kommen, die etwas heftiger werden.

Sie bezeichnen sich als absoluten Teamplayer. In welchen Situationen äußert sich das, und wo würden Sie auch mal sagen: Basta!

Haug: Das äußert sich im normalen Berufsalltag, im Ablauf, ich frage die Kollegen nach ihren Meinungen, ich sortiere das zuerst mal. Basta, eure Meinung interessiert mich nicht – das hat es bei mir noch gar nie gegeben, weder im Privaten noch im Verein noch sonst wo. Wenn die Diskussion dann aber zu lange dauert und meine Meinung fest ist, dann ist im Normalfall bei mir auch ausdiskutiert. Aber das merken die Kollegen dann auch sehr schnell. Wir haben oft einen langen Entscheidungsprozess, mit viel Geduld. Aber wenn die Geduld zu Ende ist, dann ist sie auch von jetzt auf nachher zu Ende. Und wer mich kennt, der weiß das auch. Aber ansonsten: Ich bin ein absoluter Teamplayer, ich bin frohe um jede Hilfe und Unterstützung. Man hat ja selber die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen.

Wie wird es so sein mit einem Bürgermeister Haug, wenn Sie denn gewählt sind? (Es soll ja Prognosen geben, die an die 95 Prozent heranreichen.) Wird es dann ein „Weiter so“ sein, denn Rangendingen steht ja in allen Belangen gut da? Oder wird man auch eine „Marke Haug“ erleben? Und wo würde man diese „Marke Haug“ als erstes bemerken mit Ihnen als Schultes?

Haug: Was mir ganz, ganz wichtig ist und was ganz oben steht, ist Kommunikation, Transparenz.
Das ist denn auch das, was bei dem Tempo, das wir in Rangendingen in den letzten Jahren vorgegeben haben, manchmal vielleicht ein bisschen auf der Strecke geblieben ist. Aber bei mir werden die Leute immer mitgenommen. Bei mir wird man immer über die Homepage, übers Mitteilungsblatt, über Zeitungsinterviews oder auch im persönlichen Gespräch wissen, was momentan geht und was in nächster Zeit geplant ist. Ich will eines vermeiden: dass es heißt, die da oben im Rathaus oder mit dem Gemeinderat machen irgendwas miteinander aus, und der Rest wird außen vor gelassen. Bei mir ist das ein Miteinander. Das ist eigentlich die Marke, und so ist auch mein Wahlspruch: „Gemeinde miteinander gestalten.“ Und an dem soll sich dann auch mein Tun orientieren.

Sie sind ja Sportvereinschef und Kassier beim Deutschen Roten Kreuz in Rangendingen. Wie unabhängig wären Sie dann als Bürgermeister?

Haug: Als Bürgermeister wäre ich genauso unabhängig wie ich es bisher auch bin als Kämmerer, als Rathausbediensteter und wie ich es als Gemeinderat war. Ich kann da sehr wohl unterscheiden zwischen den Interessen der einzelnen Vereine, die aber bei uns auch immer sehr gut koordiniert sind. Also ich wäre total unabhängig und habe dann auch vor, den Vorsitz im Sportverein weiterzugeben. Die Gespräche laufen momentan, und ich bin guter Dinge, dass wir da eine Lösung finden. Also ich wäre unabhängig und offen für alle, egal ob Neubürger, Altbürger, Vereine, egal, wer kommt. Da habe ich eine komplett neutrale Einstellung.

Wenn ich ab und zu zum Sonntagausflug nach Haigerloch-Stetten fahre, muss ich beim Ortsausgang ganz vorsichtig sein, weil da der große Blitzer steht. Das war eine Zeitlang ein ziemlich großes Thema. Jetzt steht er da, und die Leute fahren auch schon langsamer. Aber es war eine teure Verkehrsbremse. War das vielleicht sogar ein teurer Fehler? Würde man das nochmal so machen? Würden Sie vielleicht sogar einen zweiten Blitzer kaufen Richtung Stein?

Haug: Nein, also für einen zweiten Blitzer gibt es momentan keinen Anlass – wobei man natürlich auch sagen muss: Damals war ja die Diskussion über die Haigerlocher Straße, ob man eine 30er-Zone macht oder ob man einen Blitzer aufstellt. Die 30er-Zone wollte der Gemeinderat damals nicht, dann hat man den Blitzer aufgestellt. Hat sich aber bewährt, die Autos fahren langsamer. Und Richtung Stein haben wir vor, wenn der Kreisverkehr jetzt kommt, der Neukauf-Kreisel – das beginnt ja im Februar –, dann müssen die Autos von alleine runterbremsen. Und dann hoffen wir, dass da einfach langsamer gefahren wird. Aber einen weiteren Blitzer habe ich aus meiner Sicht momentan definitiv nirgends vor.

Zur L 410 zwischen Rangendingen und Stein: Das ist eine Strecke, die immer wieder durch schwere Unfälle von sich reden macht. Gab es da noch nie die Überlegung, dass man die Straße entweder irgendwann mal ausbaut, um sie sicherer zu machen, oder dass man Tempo 70 einführt? Da müsste der Vorschlag doch wohl aus Rangendingen kommen.

Haug: Ich weiß nicht genau, ob der Vorschlag aus Rangendingen kommen müsste. Im Gemeinderat war es, zumindest so lange ich dabei gewesen bin, noch nie ein Thema. Fakt ist aber, dass halt nicht immer nur die 100 gefahren werden, sondern deutlich drüber. Wenn man mit 100 von Hechingen runterfährt, dann hat man im Normalfall, zumindest abends, einen an der Stoßstange kleben. Also Verkehrssicherheit und Lärm durch Verkehr – das steht auch in meinem Wahlprogramm – sind nicht nur in Rangendingen, sondern auch in Höfendorf und Bietenhausen ein Thema. Es gibt schon ein paar Stellen, wo viel zu schnell gefahren wird, zum Beispiel auch von Höfendorf nach Hart, mit Motorrädern, Sportwagen, was auch immer. Also da müssen wir ran.

Zur Abwechslung mal eine persönliche Frage: Was hat Sie denn die Corona-Krise gelehrt?

Haug: Die Corona-Krise hat mich gelehrt, dass man manche Dinge einfach auch ein Stück gelassener sehen muss und vielleicht nicht alles immer so dringend und so wichtig ist, wie man sich das selber manchmal vorstellt. Einfach immer mit der Ruhe, und wenn mal schlechte Zeiten kommen, dann kommen auch wieder bessere. Jetzt hoffe ich dann aber, um ehrlich zu sein, dass wirklich bald die besseren Zeiten kommen (lacht). Irgendwann wäre es dann auch gut. Aber die Geduld muss man eben haben.

Was ist denn Heimat für Sie?

Haug: Heimat muss nicht speziell nur da sein, wo man wohnt oder wo man geboren ist. Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt. Allerdings muss man schon sagen: In Rangendingen ist das Gefühl schon speziell ausgeprägt. Die Rangendinger selber sagen natürlich oft auch (Höfendorf und Bietenhausen betrifft es ja genauso), wir sind irgendwie vielleicht ein bisschen anders als andere, sagen sie, ich möchte das selber nicht beurteilen. Aber Heimat ist, wenn ich das Starzeltal herunter wandere, da weißt du, wo du bist, und da willst du auch bleiben.

Wie sehen Sie die Chancen, dass zeitnah eine Seniorenwohnanlage im Ortskern errichtet wird?

Haug: Die Chancen sehe ich sehr gut sogar. Wir haben jetzt wieder Gespräche geführt, verwaltungsintern, aber auch mit den Planern. Der Planungsprozess geht weiter. Aber zeitnah heißt für mich: Mittelfristig, innerhalb der nächsten drei, vier, fünf Jahre sehe ich sehr gute Chancen. Das hat auch Priorität bei uns. Die Frage ist nur die Finanzierung. Wir haben in der Gemeinde sehr viele Projekte vor. Rangendingen geht’s finanziell gut. Wir haben aber auch ein Großprojekt Schule hinter uns. Das hat die Rücklagen schon dezimiert – man mag jetzt sagen auf hohem Niveau, aber wir müssen die Finanzen schon im Auge behalten. Wir haben noch mehr vor, mehrere Großprojekte, aber sicher ist: Die Seniorenwohnanlage wird kommen und zwar relativ zeitnah. Die Details müssen wir noch ausarbeiten.

Wo sehen Sie weitere größere Projekte?

Haug: Größere Projekte sind auf jeden Fall die genannte Senirenwohnanlage, dann – da brennt es wirklich im wahrsten Sinne des Wortes, weil auch das Dach nicht mehr dicht ist – das Feuerwehrgebäude. Dessen Sanierung und Erweiterung ist auch eine Maßnahme, die uns viel Geld kosten wird, definitiv. Im Februar kommt der Kreisverkehr. Der ist schon beschlossen. Der hat dann auch zumindest in der Planung mit mir herzlich wenig zu tun. Und dann haben wir noch ein Großprojekt Sanierung Klosterkirche/Rathausareal. Und als letztes dann noch: Gaststätte Adler, quo vadis? Wie geht es da weiter? Ein denkmalgeschütztes Gebäude, vielleicht eines der ältesten in Rangendingen.

Warum sollten Sie gewählt werden?

Haug: Weil ich die Erfahrung habe für den Beruf – und das nicht nur aus beruflicher Sicht, sondern durch vielerlei Einflüsse, sei es Ehrenamt, im Gemeinderat, in Vereinen, weil ich auch viele Kontakte habe und schon weiß, wo es in Rangendingen, Höfendorf und Bietenhausen klemmen könnte. Und weil es Rangendingen, der Gesamtgemeinde, einfach gut tun würde.

Wer ist Ihr größtes Idol und warum?

Haug: Ich bin jemand, der noch nie groß ein Idol hatte. Höchstes als kleiner Junge im Fußball: Da war es Pierre Littbarski. Deswegen bin ich auch heute noch Fan vom 1. FC Köln. Ansonsten Idole? Das sind schon Personen, die Politik mit der nötigen Gelassenheit steuern. Barack Obama zum Beispiel, fand ich und finde ich auch heute noch ein sehr, sehr großes Idol in der Weltpolitik. Keine Idole sind für mich Personen, die auf Donald-Trump-Niveau Politik betreiben und populistisch agieren. In der Ruhe liegt die Kraft, sage ich manchmal.

Haben Sie im bisherigen Wahlkampf (wenn man das überhaupt Wahlkampf nennen kann unter Corona-Bedingungen) eher gute oder eher schlechte Erfahrungen gemacht? Sind Sie von Leuten angegangen worden? Oder gab es mehr Leute, die Ihnen Zuspruch gegeben haben?

Haug: Also die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Auf jeden Fall. Der eine oder andere hat mich schon gefragt: Willst du dir das echt antun? (lacht) Aber durchweg positiv. Mir ist aber schon auch bewusst – ich bin ja kein Träumer –, dass es sicher auch Einwohner von Rangendingen geben wird, die gern mal jemand von extern gehabt hätten, jemand Fremdes, frischen Wind, dann wird alles besser und anders. Aber darum geht’s ja gar nicht. Es geht darum, dass man eine geeignete Person für den Posten als Bürgermeister hat. Und ich denke schon, ohne mich selber loben zu wollen, dass ich einen sehr, sehr guten Job machen könnte, wenn man mich denn wählt.

Wie sieht denn Rangendingen in acht Jahren – nach der ersten Amtszeit eines Bürgermeisters Haug?

Haug: Ich hoffe, dass es in den entscheidenden Punkten, die ich mir vorgenommen habe, wirklich auch anders aussieht. Also unter anderem haben wir eine Ortsmitte mit Pflegestation und Seniorenwohnanlage. Wir haben in der Rangendinger Ortsmitte das ehemalige Gasthaus Adler saniert, richtig toll saniert. Wir haben dort einen schönen Vorplatz. Und wenn die Optionen alle so gegeben sind, dass man das umsetzen kann, dann haben wir ein kleines Kulturzentrum geschaffen in der Ortsmitte – was wir bisher nicht haben. Wir haben auf jeden Fall eine lebendige Ortsmitte, und wir haben nach wie vor alle Gaststätten, auch das Gasthaus Rössle. Wir haben ein saniertes Feuerwehrhaus, und wir haben ein gepflegtes, schönes Ortsbild. Und vor allem haben wir ganz moderne Strukturen in Bezug auf Kommunikation in der Verwaltung, mit den Vereinen, und wir haben eine gute Stimmung in der Gemeinde. Das ist mir ganz arg wichtig. Das kann man vielleicht optisch nicht messen, aber eine positive Stimmung und eine positive Außendarstellung der Gemeinde sind für mich unter anderem das A und O.


Manfred Haug stellt sich der Bürgerschaft vor


Liebe Bürgerinnen und Bürger von Rangendingen, Höfendorf und Bietenhausen,

mein Name ist Manfred Haug, ich bin 44 Jahre alt, katholisch und parteilos. Ich bin in Hechingen geboren und in Rangendingen aufgewachsen. Zusammen mit meiner Partnerin und meinen beiden Töchtern gehört die Freizeit den verschiedensten Aktivitäten. Oft sind wir beim Wandern oder sportlich unterwegs. Von 2004 bis 2011 war ich Gemeinderat bei der Gemeinde Rangendingen, seit 2013 bin ich Vorstand im Sportverein Rangendingen und seit 2017 zudem Kassier des DRK-Ortsvereins Rangendingen. Vor vier Wochen habe ich meine Bewerbung für den Bürgermeisterposten in Rangendingen abgegeben. Ich habe mir diese Entscheidung in Ruhe überlegt. Mir ist aber sehr schnell klar geworden, dass ich diese Chance unbedingt ergreifen möchte.

Seit meinem Studium zum Diplom-Verwaltungswirt an der FH in Ludwigsburg bin ich nun mittlerweile mehr als 20 Jahre in jeweils verantwortungsvoller Position zuerst bei der Stadt Aichtal, dann bei der Gemeinde Wolfschlugen und nun seit 2015 in meiner Heimatgemeinde in Rangendingen tätig. Die anfallenden Tätigkeiten in einem Rathaus sind mir dadurch selbstverständlich vertraut, und diese Erfahrung möchte ich nutzen, um unsere und meine Heimatgemeinde erfolgreich mit zu gestalten und weiter zu entwickeln.

„GemeindeMiteinanderGestalten“ lautet mein Motto nicht nur für die Bürgermeisterwahl. Daran dürfen Sie mich im Falle meiner Wahl gerne messen. Rangendingen hat sich unter den bisherigen Bürgermeistern zu einer Vorzeigegemeinde entwickelt. Dafür, dass sich diese tolle Entwicklung fortsetzt, möchte ich mich mit aller Kraft einsetzen. Ich möchte mich bei der Hohenzollerischen Zeitung für die Gelegenheit des Wahltalks bedanken. Ist sie doch eine der wenigen Möglichkeiten, die Kandidaten in Zeiten des Corona-Lockdowns „live“ zu sehen.“