Viele Junginger hatten damit gerechnet, dass die Bürgermeisterwahl nicht im ersten Wahlgang entschieden würde, dass niemand der drei Bewerber – Michael Stehle, Jürgen Kleinmann und Oliver Simmendinger – die absolute Mehrheit erhält. Und dass es zu einer zweiten Abstimmung am Sonntag, 12. Januar, kommt.

Aber Oliver Simmendinger als Stimmenkönig hätten wohl die wenigsten Beobachter erwartet. Der 44-jährige Diplom-Betriebswirt erzielte 331 der gültigen Voten, das macht 44,9 Prozent. Hinter ihm lag Jürgen Kleinmann, gebürtiger Junginger, 47 Jahre alt und Diplom-Verwaltungswirt Polizei. Für ihn stimmten 275 seiner Mitbürger, das waren 37,3 Prozent der gültigen Stimmen. Weit abgeschlagen lag Michael Stehle. Für den Diplom-Verwaltungsfachmann stimmten 132 Wähler, 17,9 Prozent der gültigen Stimmen.

Harry Frick gewohnt trocken

In gewohnt knapper und trockener Art gab der Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses, Bürgermeister Harry Frick, um 18.31 Uhr die Zahlen bekannt, versehen mit der Bemerkung, man werde sich im Januar wiedersehen. Er wünsche eine schöne Weihnachtszeit.

Rund 100 Bürger, die kurz vor der Bekanntgabe im Gemeindesaal erschienen waren, nahmen’s zur Kenntnis. Und ebenso die drei Kandidaten, die auch da waren. Etliche Anwesende gratulierten Simmendinger. Der strahlte und gab zu, er könne es noch gar nicht fassen: „Mit so vielen Stimmen und mit so einem deutlichen Abstand hätte ich nicht gerechnet. Ich bin begeistert.“ Natürlich werde er weitermachen, werde versuchen, bei der Wiederholung weitere „und auch noch die „letzten Stimmen“ zu mobilisieren. „Das nächste Mal geht es ja nicht mehr um die absolute Mehrheit von über 50 Prozent, sondern es reicht eine Stimme zur Entscheidung.“

Würde er am Abend die Sektkorken knallen lassen? Nein, erklärte Simmendiger. „Einen Etappensieg feiert man nicht, man feiert nur den endgültigen Sieg, wenn man wirklich gewonnen hat.“ Er fügte hinzu: „Es kann ja auch noch einiges passieren.“ Den Abend wollte der Kandidat mit seiner Familie verbringen, anschließend „erst einmal die Weihnachtszeit vorbei gehen lassen“. Dank sagte der 44-Jährige allen, die ihm ihre Stimme gaben, seinen Unterstützern sowie seinen Angehörigen.

Stehle will Kampfgeist zeigen

Gegen wie viele Kandidaten wird Simmendinger im kommenden Wahlgang antreten müssen? Nach jetziger Voraussicht noch immer gegen gegen den klar unterlegenen Michael Stehle. Der erklärte am Sonntag gegenüber der HZ nach der Auszählung, er werde das Handtuch nicht werfen. „Ich mache keine halben Sachen. Ich zeige Kampfgeist.“ Zugleich verbarg der Weildorfer seine Enttäuschung nicht. Die Gründe für sein schlechtes Abschneiden will er in kommenden Tagen analysieren, auch er will sich nun erst einmal eine weihnachtsbedingte Pause nehmen.

Jedoch kündigte er von seiner Seite aus einen schärferen Wahlkampf an, als er bisher geführt wurde. Man habe bei den vorangegangenen Veranstaltungen den Unterschied zwischen den Bewerbern nicht recht erkennen können. In kommenden Auftritten und Diskussionen will der 41-Jährige seine Qualifikation als gelernter Verwaltungsfachmann mit langjähriger Erfahrung stärker herausarbeiten. Es erstaune ihn schon, dass das Versprechen eines „harmonischen“ Führungsstils mehr zähle als berufliche Qualifikation. Auch Stehle dankte seinen Wählern und Unterstützern für ihr Vertrauen und ihr Engagement.

Kleinmann: Rückzug denkbar

Richtig stark enttäuscht zeigte sich Jürgen Kleinmann, der Dritte im großen Spiel um den Junginger Rathaussessel. Er müsse erst mal über den Ausgang der Wahl schlafen, um zu entscheiden, ob er seine Kandidatur aufrecht erhält. „Es ist ein schwieriges Ergebnis.“ Ja, er habe sich mehr versprochen. „Ich muss das jetzt erst mal sacken lassen. Klar ist jedenfalls, dass die Junginger einen Junginger als Bürgermeister haben wollen.“

Ob es im künftigen Wahlkampf weitere große Veranstaltungen gibt – erscheint dem Junginger grundsätzlich fraglich. „Es wurde ja schon so viel über die wichtigen Themen gesagt.“ Doch zuerst wolle man Weihnachten auf sich zukommen lassen. Damit bedankte sich auch Kleinman bei seinen Unterstützern.

Dieweil leerte sich der Saal, vorne, vor den drei Stapeln mit den Wahlzetteln, deren unterschiedliche Höhe deutlich erkennbar war, unterhielt sich Bürgermeister Harry Frick mit Mitgliedern des Wahlausschusses. Dass die Wahl nicht eindeutig ausgehen würde, habe er persönlich vermutet, wolle aber als Vorsitzender des Ausschusses keine weiteren Kommentar geben.

Instrumente bleiben im Koffer

Die Bürger entströmten allmählich dem Saal, vorbei an Mitgliedern des Junginger Musikvereins, die  gekommen waren, um einem möglichen Sieger eine Hymne zu spielen. Ihre Instrumente konnten vorerst in den Koffern bleiben, ein Ständchen gibt es erst – dann aber sicher – am 12. Januar, nachdem die Karten frisch gemischt wurden. Dabei ist auch noch möglich, dass ein bisher unbekannter vierter Mann mit am Tisch sitzt. Oder eine bisher unbekannte Frau.

Bis zum kommenden Mittwoch, 18 Uhr, können sich nochmals Kandidaten für die Wahl bewerben.

Das Junginger Wahlergebnis auf einen Blick