Dass Wohnraum ein kostbares, weil knappes Gut ist, das ist schon seit etlichen Jahren so, und das wird noch lange unverändert bleiben. Umso ärgerlicher ist es, wenn auch abseits der Ballungsräume, wo die Welt noch besser sein sollte, ebenfalls nichts vorangeht: Hechingen entwickelt sich zum Paradebeispiel dafür, dass längst geplante Neubaugebiete partout nicht freigegeben werden. Extra schmerzhaft: Anderswo geht es bedeutend schneller. „Unsere Nachbarn überholen uns“, räumt Bürgermeister Philipp Hahn unumwunden ein. Das Thema treibt den Verwaltungschef um. Und er hat ein klares Ziel: „Ich will endlich Baugebiete haben!“ Hahn weiß: „Die Leute sind massiv unzufrieden.“

Schwarzer Peter

In gleich vier Stadtteilen hinkt die Entwicklung den Erwartungen massiv hinterher. Zwei Mal kann der Schwarze Peter allerdings den Grundstücksbesitzern zugeschoben werden, die nicht verkaufen wollen. Oder, anders gesagt: Die nicht zum ihnen angebotenen Preis verkaufen wollen. Das ist zum einen im enorm groß angelegt Areal „Hilb“ in Stetten der Fall. Hat sich dies noch nicht so herumgesprochen, schauen einschlägig Interessierte seit Monaten gebannt nach Bechtoldsweiler: Dort ist am Ortseingang rechts mit „Mittelwies“ das letzte Stück zusätzliche Erschließung vorgesehen. Besonders delikat: In dem Baugebiet soll der erste Kindergarten für den Stadtteil gebaut werden. Allerdings sind einige Grundstücke für die Stadt auch nicht zu haben, wenn sie mit Geldnoten belegt würden. Die Folge: Diese Bereiche sind schon aus der Planung entfernt. Jedoch schaut es beim Rest offenbar nicht viel besser aus.

Noch ein „Mittelwies“-Versuch

Eine letzte Chance gibt es in der Woche vor den Herbstferien: Bürgermeister Philipp Hahn und Ortsvorsteher Bernd Zimmermann setzen sich ein weiteres Mal mit den Grundstücksbesitzern zusammen. Hahn gibt sich gegenüber der HZ jedoch pessimistisch: „Eine Realiserung des Baugebietes scheint schwierig angesichts der Positionierung der Eigentümer.“ Dabei ist „Mittelwies“ bedeutend für den Stadtteil und die Gesamtstadt allein wegen des Kindergartens. „Wir brauchen dringend Plätze“, sagt das Stadtoberhaupt. Wird es nichts, muss wahrscheinlich die Einrichtung im benachbarten Sickingen vergrößert werden.

Veraltete Strukturen

Dann sind da aber noch Schlatt und Stein. Für die teilweise eklatösen Verzögerungen nimmt der Bürgermeister die Schuld auf sich. Nein, natürlich nicht: Die veralteten Strukturen  der Stadtverwaltung seien es, welche „Wilden“ in Schlatt seit Jahren und „Furth“ in Stein seit Monaten nicht fertig werden lassen. In Stein, so erklärt Hahn, habe man für 95 Prozent der gut zwölf Plätze Zusagen: Die Eigentümer würden an die Stadt verkaufen. Weil es aber bislang so üblich war, wird auf 100 Prozent gewartet. Und das kann offenbar dauern. Im Stadtteil an der Starzel ist der Unmut der  Bauwilligen denn auch enorm (Bericht über den Ortschaftsrat: einmal umblättern).

Der Hechinger Bürgermeister hat das schnellere Vorankommen der Neubaugebiete jetzt zur Chefsache erklärt. Am heutigen Abend ist eine verwaltungsinterne Aussprache, bei der das neue Vorgehen festgeklopft werden soll.

Strukturen scheinen veraltet

Gesprächsstoff gibt es offenbar reichlich. „Seit über einem Jahrzehnt sind Strukturen und verwaltungsinterne Abläufe leider nicht mehr hinterfragt worden“, sagt der Bürgermeister. Enormer Druck ist nicht allein in der Bevölkerung vorhanden. Auch haushalterisch betrachtet ist das Schneckentempo sehr kontraproduktiv: Millionen Euro sind im bald wieder abgelaufenen städtischen Etat bester Hoffnung für Grundstücksaufkäufe eingestellt worden – und gekauft worden ist bis Mittwoch dieser Woche kein einziges!

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„Preise werden nach oben angepasst“


Keine Unterschiede? In Stein bruddelt man, dass es in Bechtoldsweiler mehr Geld von der Stadt fürs Stück Land gibt. Stimmt so nicht, sagt der Bürgermeister. Philipp Hahn hat bekanntlich gesamtstädtische Gleichheit zugesagt. Fast jedenfalls. Die Preise in Stein werden „nach oben angepasst“ an die von Bechtoldsweiler. Allerdings nicht an die des neuen Gebiets „Mittelwies“, sondern des Vorgängers „Unterer Kirchweg“. Wäre „Furth“ schon erledigt, gäbe es keine Unterschiede.

Die Auswirkungen Dass Baugebiete eine Ewigkeit dauern, hat also Auswirkungen auf das, was den Grundstücksbesitzern gezahlt wird. In Schlatt freilich, wo „Wilden“ seit Jahr und Tag nicht fertig wird, passt die Stadt die vor Urzeiten beschlossenen Kaufpreise ebenfalls an. kle