Petrus hatte nochmal ein Einsehen mit der Haigerlocher Bräutelgesellschaft. Das trübe Wetter mit Nieselregel wich am Montag just zum Auftakt des historischen Freiluftspektakels einem trockenen, sonnigen Himmelblau. So wurde Bräuteln im 160. Jahr seines Bestehens für Hunderte von Zuschauern zu einem tollen Fasnetserlebnis.

Bereits ab 6 Uhr morgens erklang der Bräutelmarsch in Haigerlochs Straßen, denn traditionsgemäß spielen Stadtkapelle und Bräutelbuben dem Pfarrer, dem Bürgermeister und den Jubelpaaren der vergangenen vier Jahre ein Ständchen.

Prominente auf der Stange

120 Bräutlinge dieses Jahres zu den Klängen des Bräutelmarsches  um den Marktplatzbrunnen tragen. Auf die Bräutelstange müssen all diejenigen, die in den vergangenen vier Jahren nach Haigerloch gezogen sind, ein Geschäft gegründet, ein Haus gebaut oder geheiratet haben. Gebräutelt werden auch ledige Mannsleut ab 16 Jahren, die nicht in der Bräutelgesellschaft sind.

Der Prozedur unterziehen musste sich aber auch die Prominenz: Regierungspräsident Klaus Tappeser, Bürgermeister Heinrich Götz, der neue Kernstadtortsvorsteher Michael Ashcroft, Ringpräsident Roland Wehrle von der Vereinigung Schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Furtwangen, Landschaftsvertreter Neckar-Alb, René Schatz, Obernheim, sowie Haigerlochs ehemaliger Zunftmeister Hartwig Eger.

Roland Wehrle bezeichnete das „Haigerlocher Bräuteln als einer der urwüchsigsten Bräuche im schwäbisch-alemannischen Raum“.

Urwüchsig ist der Brauch auch deshalb weil, im Gegensatz zu Sigmaringen, der eine oder andere Bräutling, wenn er sich der Zeremonie zu sehr widersetzt oder auf der Bräutelstange ungebührlich benimmt, ins Sekundenschnelle im Marktplatzbrunnen landet. Der Ruf „Stang dreha“ gibt das Signal und der Bräutling zappelt und prustet im kalten Brunnenwasser. Zirka 15 Bräutlinge mussten diesen Tauchgang sehr zur Freude der Zuschauer über sich ergehen lassen und landeten „kopfüber im Wasser“.

Bunter Umzug s’ Städtle nuff

Traditionell ist dieses machtspiel oft mit allerhand handfesten Auseinandersetzungen und Rangeleien verbunden. Doch alles ging ohne Blessuren ab.

Nachdem das Bräuteln Schlag 12 Uhr beendet war, mündete die Haigerlocher Fasnet in einen bunten Umzug. Von der Unterstadt zog der närrische Tross zur Witthauhalle zum Mittagessen: Voraus die Bräutelbuben, die meisten mit einem Mädchen am Arm, die Stadtkapelle, die Haigerlocher Traditionsmasken, sowie die Narrenzünfte aus Neuhausen/Fildern, die Weilorfer Storchen samt Guggenmusik „Notenquäler“ und verschiedene örtliche Fasnetsgruppen.

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