Mit einem Gänsehautmoment für Lokalpatrioten begann der Finalsonntag bei den 22. boso Ladies Open: Auf dem Center Court sang die Beurenerin Jasmin Roth das Hohenzollernlied. Spalier standen dazu auf dem Platz die Ballkinder und die Linienrichter. Und auf der Tribüne erhoben sich 1300 Zuschauer – ganz so, wie es sich gehört, wenn vor einem großen Sportfinale die Hymne erklingt.

Die Hymne ist ein Novum

Die feierliche Musikeinlage war ein Novum beim großen Damen-Weltranglistenturnier im Hechinger Tennisclub. Und auch sonst lief der letzte Nachmittag etwas anders ab als gewohnt. Das war der sportlichen Konstellation geschuldet: Weil die 18-jährige serbische Senkrechtstarterin Olga Danilovic sowohl das Einzel- als auch das Doppelfinale erreicht hatte, wurde der Spielplan für den Sonntag umgestellt: ausnahmsweise erst das Einzel und dann das Doppel. Schließlich ist die Einzelkonkurrenz die wichtigere – und da sollten beide Ladies ausgeruht an den Start gehen.

Österreicherin fegt Serbin weg

Nutzte aber nichts: Die Serbin, ihres Zeichens immerhin Siegerin des Juniorinnen-Turniers bei den US Open 2017 und von Turnierdirektorin Gerhard Frommer schon vor zwei Wochen zu seiner persönlichen Favoritin erhoben, hatte offenbar all ihre Konzentration am Halbfinal-Samstag aufgebraucht. Danilovic, die bis dahin so souverän durch das Turnier marschiert war, leistete sich im Einzelfinale gegen die Österreicherin Barbara Haas einen vermeidbaren Fehler nach dem anderen, verzweifelte zunehmend an der Präzision ihrer 23-jährigen Gegnerin, haderte, schimpfte, fluchte – und verlor schließlich nach nur 68 Minuten glatt mit 2:6/1:6.

Damit hatte genau zehn Jahre nach Yvonne Meusburger (der Siegerin von 2009) wieder eine Österreicherin die Ladies Open in Hechingen gewonnen: Barbara Haas, die am Samstag im Halbfinale die Kroatin Lea Boskovic nur mit viel Mühe nach drei Sätzen besiegt hatte. Die junge Frau, die in Hechingen an Nummer 4 gesetzt war, holte sich die Siegprämie von 9119 US-Dollar und 80 Weltranglistenpunkte. Bisher war Haas auf der WTA-Rangliste auf Position 162 gelistet. Mit dem Sieg beim 60 000-Dollar-Turnier in Hechingen dürfte sie einen gewaltigen Sprung nach vorne machen. Olga Danilovic, Nummer 271 auf der Weltrangliste, blieben immerhin noch 4863 Dollar.

Osteuropäisches Doppel gewinnt

Und zunächst die Hoffnung auf Wiedergutmachung im Doppelfinale, das die Serbin an der Seite der Spanierin Georgina Garcia-Perez bestritt. Doch diese währte nur einen Satz lang, den die beiden mit 6:4 gewannen. Dann drehten ihre Konkurrentinnen, die Rumänin Cristina Dinu und die Mazedonierin Lina Gjorcheska, auf und holten sich den zweiten Satz mit 7:5 und den Match-Tiebreak mit 10:7.

Dank an Helfer und ein tolles Publikum

In Abweichung vom üblichen Programm gingen die Dankesreden und Würdigungen nicht erst am Abend, sondern bereits am Nachmittag zwischen den beiden Finalspielen über die Bühne. Dabei dankte Tennisclub-Präsident Prof. Ingo Hauffe allen Ehrenamtlichen, ob am Wurststand oder am Weizenbrunnen, ob auf dem Platz oder hinter den Kulissen, ohne die ein Turnier dieser Größenordnung in Hechingen nicht machbar wäre. Ein Sonderlob galt dem Macher des Turniers, Gerhard Frommer. Gewürdigt hat Hauffe auch den Einsatz der vielen Ballkinder, der Schieds- und Linienrichter, und nicht zuletzt galt sein Dank dem wieder einmal ganz tollen, zahlreich strömenden Hechinger Publikum.

Versprochen: boso bleibt am Ball

Rühmende Worte sprachen auch ein hochrangiger Vertreter des Württembergischen Tennisbundes und Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn, der den immensen Stellenwert des Turniers im städtischen Veranstaltungskalender betonte. Und vielleicht das Wichtigste: boso-Prokurist Hans-Peter Haug versprach die anhaltende Unterstützung des Junginger Medizintechnikunternehmens für die nächsten Jahre. Damit sollte auch dem 25. Turnierjubiläum im Jahr 2022 nichts mehr im Wege stehen.

Die Bilanz des 22. Turniers liest sich nahezu ungetrübt: großer Sport (auch wenn die deutschen Hoffnungen schon vor dem Halbfinale scheiterten), herrliches Wetter (bis auf den total ins Wasser gefallenen Mittwoch) und großartige Publikumsresonanz, die die Kassen klingeln ließ.

Verkehrschaos am Finalwochenende

Nur am Finalwochenende keimte noch ein Spezialproblem auf: Weil parallel zu den Ladies Open die Deutschen Meisterschaften der Hundesportler im Stadion ausgetragen wurden (und auch das Freibad voll war), kollabierte im Weiher zeitweise der Verkehr, und Parkplätze gab es so gut wie gar nicht mehr. Am Samstagnachmittag musste sogar die Feuerwehr regulierend eingreifen. Da hätte eine bessere Abstimmung im Vorfeld not getan.

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