Hechingen / Von Hardy Kromer  Uhr
Die 17-jährige Alexandra Vecic vom TC Hechingen lieferte Barbara Haas, der besten Tennisspielerin Österreichs, einen großen Kampf. Sie verlor knapp mit 3:6/4:6 und schied als letzte der württembergischen Nachwuchshoffnungen aus.

Verlieren: Das hasst sie. Und deshalb war Alexandra Vecic am Donnerstagnachmittag auch nicht happy. Obwohl sie gerade eines der größten Spiele ihrer noch jungen Tenniskarriere absolviert hatte. Direkt neben dem Center Court hatte die 17-jährige Immendingerin, die für die Juniorinnen des TC Hechingen spielt, der Nummer 1 von Österreich, Barbara Haas, einen großen Kampf geliefert.

Zuspruch bekam das hoffnungsvollste Talent des Württembergischen Tennisbundes (WTB), das von der HZ als Medienpartner der boso Ladies Open unterstützt wird, nach der 3:6/4:6-Niederlage von allen Seiten. Turnierdirektor Gerhard Frommer bescheinigte ihr schulterklopfend ein „klasse Match“, und auch ihr von Berufs wegen kritischer Verbandstrainer Torsten Popp fand, Alexandra habe „ganz gut gespielt“ – um freilich dann noch den Finger in die Wunde zu legen: „Es war noch mehr drin. Da fehlen einfach noch ein paar Jährchen Erfahrung und Cleverness.“

Der Killerinstinkt fehlt

So sah es auch die tapfer Geschlagene selbst. „In den wichtigen Momenten hat sie die Chancen besser genutzt“, sagte Alex Vecic über ihre Gegnerin Barbara Haas, die im Hechinger Turnier immerhin die Nummer 4 der Setzliste trägt. Entscheidend war vielleicht das ellenlange dritte Spiel im zweiten Satz. Die Hechingerin hatte – immer wieder angefeuert vom großen Publikum – gleich mehrere Breakchancen. Hätte sie eine davon genutzt, wäre sie mit 3:0 in Führung gegangen und hätte vielleicht tatsächlich die Sensation geschafft. Doch Vecic ließ den Killerinstinkt vermissen, baute ihre im Laufe des Matches immer stärker aufschlagende Kontrahentin wieder auf und geriet letztlich auf die Verliererstraße.

Auch andere zahlen Lehrgeld

Lehrgeld gezahlt. Das galt an diesem heißen Donnerstag nicht nur für Alexandra Vecic, sondern auch für zwei weitere württembergische Talente, die im Alltag für den Bundesligisten TEC Waldau aufschlagen: Die 19-jährige Carmen Schultheiss musste im Laufe des Matches gegen die Lettin Kamilla Bartone wegen gesundheitlicher Probleme die Segel streichen, und die 20-jährige Anna Gabric musste sich nach 0:6 und 6:0 der Russin Yana Sizikova im Match-Tiebreak mit 2:6 beugen.

Von daher war der vierte Tag der boso Ladies Open auch für die Verbandstrainerin Christina Singer-Bath und ihren Kollegen Torsten Popp kein Festtag. Beide mussten viele tröstende und aufmunternde Worte für ihre Schützlinge finden. Sie taten das im Gespräch mit der HZ aber aus tiefster Überzeugung. „Die Alex“, so Singer-Bath über Alexandra Vecic, „hat in diesem Jahr einen Megasprung nach vorne gemacht“. Bester Beweis: ihre erstmalige Qualifikation für die Juniorinnen-Grand-Slam-Turniere in Paris, Wimbledon und New York. Torsten Popp, der mit Alex Vecic drei- bis viermal wöchentlich im WTB-Leistungszentrum in Stuttgart-Stammheim trainiert, traut ihr eine erfolgreiche Profikarriere auf jeden Fall zu: „Da ist noch viel Potenzial nach oben da. Wir arbeiten mit ihr, um das rauszuholen.“

Nächste Station: die US Open

Ihr nächster Weg führt die 17-Jährige von der Baar in zwei Wochen nach Kanada. In der Nähe von Montreal bereitet sich Alex Vecic auf das Juniorinnenturnier der US Open vor. Das ist für ein Mädchen aus dem Schwabenland natürlich eine andere Hausnummer als das Turnier in Hechingen. Sollte man meinen. Freilich ist es mehr als ein bloßes Lippenbekenntnis, wenn sie, ihre württembergischen Teamkolleginnen und ihre Trainer feststellen: „Hechingen hat für uns einen ganz hohen Stellenwert“ (so sagt es Christina Singer-Bath). „Schließlich ist es das einzige 60 000-Dollar-Turnier in unserem Verbandsgebiet. Man spielt hier vor wahnsinnig vielen Zuschauern, und Gerhard Frommer, Thomas Bürkle und ihre Leute haben immer alles perfekt organisiert. Es ist sehr wichtig für unsere jungen Spielerinnen, hier Fuß zu fassen.“

So lässt es sich denn auch verschmerzen, dass die 22. boso Ladies Open für die junge Truppe aus der Region jetzt vorbei sind. Bei der 23. Auflage im nächsten Jahr wird man sie bestimmt wieder sehen.

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In Sachen Glamourfaktor sind sie bei den boso Ladies Open in Hechingen nicht zu überbieten: die Zwillinge Tayisiya und Yana Morderger, fernsehbekannt aus „Bauer sucht Frau“ und „Shopping Queen“.

Am Freitag stehen die Viertelfinals an

Der Freitag bringt von der Mittagsstunde an wieder ein normales Programm mit den Viertelfinals mit Einzel und interessanten Doppelpartien. hy