Man muss sich nur wehren. Erfolg damit gehabt hat, wie derzeit durch die Medien geht, ein Saarländer: Der dortige Verfassungsgerichtshof hat ein Bußgeld gegen den Temposünder aufgehoben, weil er den Mann in seinen Grundrechten auf ein faires Verfahren und eine wirksame Verteidigung verletzt sah. Im Zentrum der richterlichen Kritik: Die sogenannten Rohmess-Daten werden von den Blitzanlagen nicht gespeichert, und damit kann das Ergebnis nicht mehr überprüft werden. Betroffen sind Geräte des Herstellers Jenoptik, und der hat nun angekündigt, nachrüsten zu wollen.

Davon dürfte ebenfalls die Gemeinde Rangendingen betroffen sein, bestätigte Ordnungsamtsleiter Oliver Freiberg am Donnerstag auf Anfrage. Die Software muss wohl aufgehübscht werden.

Allzu tragisch scheint das nicht zu sein. Denn noch glänzt das hoch aufragende Gerät zur Verkehrsüberwachung am Ortsausgang in Richtung Haigerloch durch Inaktivität.  Nächste Woche, so verlautet aus dem Rathaus, soll der Stromanschluss gelegt werden. Das macht die Netze BW GmbH. Dann muss der Blitzer angeschlossen werden. Dafür braucht es einen Elektriker. Weiter geht es mit der richtigen Justierung. Dazu kommt ein Vertreter der Herstellerfirma nach Rangendingen. Ob der gleich die zusätzliche Software aufspielt, wenn es die denn braucht? Oder sollte es sich gar um eine Version aus Jena handeln, die gar nicht betroffen ist?

Einen Zeitpuffer gibt es sowieso. Denn nach Anschluss und Einrichten ist noch immer nicht Schluss: Das mit dem Blitzer befasste Personal muss geschult werden. Das wird Mitarbeiter sowohl des Hechinger, wie auch des Rangendinger Ordnungsamtes treffen. Denn zuständig für das  schwarzfarbene Gebilde ist zwar die Hechinger Stadtverwaltung, weil sie die Straßenverkehrsbehörde für die Gemeinde Rangendingen ist, aber das dortige Rathaus ist ebenfalls involviert. Wer schlussendlich zuständig ist, sei vorerst noch offen, sagt Ordnungsamtsleiter Oliver Freiberg.

Darf man an dieser Stelle vorsichtig vermuten, dass die mögliche Nachbesserung des Rangendinger Blitzers nicht extra kosten wird? Annähernd 90 000 Euro stehen schließlich auf der Ausgabenseite.

Im Preis inbegriffen ist allerdings eine große Flexibilität, was die Örtlichkeit angeht. Das Messgerät des Blitzers ist auch mobil einsetzbar. Dafür braucht es allem Anschein nach nur ein Dreibein – und schon kann an anderen neuralgischen Punkten der Gemeinde geblitzt werden: an der Ortsdurchfahrt, am Ortsausgang in Richtung Stein, am Ortsausgang in Richtung Grosselfingen und in den Tempo-30-Zonen der Wohngebiete.

Das hohe Gehäuse ist selbstredend fest installiert, und das schon seit Wochen. In Rangendingen hat es sich zwar längst herumgesprochen, dass der Blitzer noch nicht aktiv ist, aber der Rest der Welt weiß das wohl nicht und fährt entsprechend langsam. Die Rangendinger tun das sowieso, damit hier gar keine falschen Verdächtigungen aufkommen! Ja, bestätigt Ordnungsamtsleiter Oliver Freiberg, man höre aus Kreisen der Anwohner sehr wohl, dass neuerdings langsamer gefahren werde. Na also.

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Blitzer für 90 000 Euro ist viel Geld. Aber das Messgerät selbst ist mobil einsetzbar, und so erhöhen sich die Aussichten auf Amortisierung der Kosten doch um einiges.