Krankenhaus Bisingen bietet Plätzchen für Zentralklinikum

Judith Midinet 24.08.2017

Die Weichen für ein Zentralklinikum in der Hand des Landkreises wurden in einer Sondersitzung des Kreistags in Geislingen im Januar gestellt. Eine Kreistagsmehrheit erklärte sich dazu bereit, sich auf das 170-Millionen-Euro-Großprojekt einer Zentralklinik auf der grünen Wiese einzulassen. Ob diese wirklich kommt und die bisherigen Krankenhausstandorte in Albstadt und Balingen ersetzt, steht zwar noch nicht in Stein gemeißelt fest, doch in die hoch politische Frage nach einem möglichen Standort kam jetzt schon Bewegung. Wie das Landratsamt auf Anfrage der HZ bestätigt hat, wurden alle Städte und Gemeinden im Zollernalbkreis Anfang Juni von der Landkreisverwaltung angeschrieben. Sie hatten die Möglichkeit, unverbindliche Optionen für einen geeigneten Standort eines potenziellen Neubaus „Krankenhaus auf der grünen Wiese“ zu nennen. Das Kreistagsgremium wird sich nach der Sommerpause in öffentlicher Sitzung mit dieser Thematik befassen.

Das Landratsamt teilte freilich nicht mit, welche Kommunen ihren Hut in den Ring geworfen haben. Wie der HZ aber aus dem Kreistag bestätigt wurde, haben Bisingen sowie die Städte Balingen und Albstadt gemeinsam Bewerbungen für einen potenziellen Standort abgegeben. Bei der Bisinger Bewerbung handelt es sich um das Grundstück linkerhand der L 391 in Richtung Grosselfingen, gegenüber des voll erschlossenen Industriegebiets Nord. Leitungen wie Wasser und Abwasser sind dort schon vorhanden. Strategisch liegt das Gelände zentral im Zollernalbkreis und sehr verkehrsgünstig an der B 27.

Standorte 2002 im Gespräch

Bei der gemeinsamen Bewerbung der Städte Albstadt und Balingen handelt es sich wohl um einen der Standorte, die schon 2002 im Gespräch waren. Damals wurden in einer ersten Zentralklinikumsdebatte sechs potenzielle Standorte einer Nutzwertanalyse unterzogen. Kriterien waren Grundstück, Erreichbarkeit des Standorts, Notfallversorgung, Nähe zu den Patienten, Entfernung zu den Wettbewerbern sowie die Kosten. Auf dem ersten Platz landete damals das Grundstück Kelleregert direkt an der B 463 bei Weilstetten. Auf Platz 5 schaffte es das Gewann Firstäcker am Ortsende von Dürrwangen, unmittelbar vor der Gemarkung Albstadt-Laufen. Beide Grundstücke stünden auch heute noch zur Verfügung.

Welcher Standort in Zukunft auch favorisiert werden mag, klar ist jetzt schon, dass die Entscheidung zu einem Politikum werden wird. Die Albstädter kämpfen heute schon um den Erhalt ihres Klinikstandorts. Landrat Günther-Martin Pauli verwies in der Kreistagssitzung im Januar auf die Gutachten von Teamplan und Ernst und Young, die die Richtigkeit des unpopulären Vorgehens in Richtung Zentralklinikum bestätigt hatten. Auch der ärztliche Direktor des Zollernalbklinikums, Professor Michael Bitzer, warb damals für das Zentralklinikumsmodell, warnte aber auch davor, dass eine Stadt von der Größe Albstadts nicht ohne Klinik sein dürfe. Um beide Anforderungen zu erfüllen, bleibe das Modell einer Zentralklinik übrig, die, wenn schon nicht in Albstadt selbst, dann doch in dessen Nähe gebaut werden müsse, so Bitzer. Ob in diesem Zusammenhang die Bisinger Bewerbung überhaupt eine Chance hat, bleibt abzuwarten – genauso ob eine bestmögliche Lösung für den Landkreis auf rein rationaler und nicht emotionaler Ebene gefunden werden kann.

Emotional ist das Thema Krankenhaus auch in Hechingen behaftet. Auf Anfrage unserer Zeitung lässt Pressesprecher Thomas Jauch aber keinen Zweifel daran, dass sich die Zollernstadt nicht für einen potenziellen Standort bewerben wird, da es einfach kein geeignetes Gelände auf grüner Wiese gibt, das mehrere Hektar aufweist. „Wir haben in der Größe leider nichts auf Hechinger Gemarkung frei“, sagt Jauch. Daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern.

Das Schwarzwald-Baar Klinikum

Nachbarschaft Villingen-Schwenningen hat das hinter sich, was dem Zollernalbkreis wohl noch bevorsteht: den Bau eines Zentralklinikums. Der Neubau in der Doppelstadt ging 2013 in Betrieb und ersetzte die Kliniken in Villingen, Schwenningen und St. Georgen. Eine Fläche von rund zehn Hektar Fläche war für das neue Klinikum mit einer Nutzfläche von 46 000 Quadratmeter und 750 Betten nötig.