Starkregen und Hochwasser sind in der Region Neckar-Alb immer ein Thema. Das jüngste Ausnahmeereignisa am Montag, 28. Juni, haben die Stadt Hechingen und der Zweckverband Hochwasserschutz Starzeltal in eine Bilanz gefasst. In der Sitzung des Hechinger Bauausschusses am 7. Juli und in der Sitzung des Ortschaftsrates Stetten am 13. Juli hat Jürgen Haas, Leiter des städtischen Sachgebiets Tiefbau und zuständig für die technischen Einrichtungen des Zweckverbandes Hochwasserschutz Starzeltal, über die Auswirkungen des Starkregenereignisses Ende Juni Auskunft.

Ab 19 Uhr vor Ort

Gegen 18.30 Uhr hat Jürgen Haas an diesem Tag als Betriebsbeauftragtem des Zweckverbands Hochwasserschutz Starzeltal das gesamte Prozessleitsystem überprüft. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Auffälligkeiten in Sachen Hochwasser. Wegen der anhaltenden Wetterlage war Haas aber ab etwa 19 Uhr beim Hochwasserrückhaltebecken Reichenbach präsent.

Reibungslos Dienst geleistet

Im Bericht wird unterstrichen: „Die Funktionalität des gesamten technischen Hochwasserschutzes war gegeben, dieser hat reibungslos seinen Dienst geleistet.“ Nach anfänglicher Warteposition wurde ab 19.30 Uhr die erste Betriebsstufe des Hochwasserrückhaltebeckens Reichenbach aktiv. Im Ergebnis hieß das, dass die Schütze zu etwa 80 Prozent zugefahren waren. Damit, so wird weiter betont,  war ein kontrollierter Abfluss in Richtung Ortslage Stetten gewährleistet. Ein nennenswerter Einstau der Anlage bestand zu dem Zeitpunkt nicht. Nach dem Nachlassen des Niederschlags wurden die Schütze gegen 22.45 Uhr wieder aufgefahren.

Becken bis zum Anschlag

Das Hochwasserrückhaltebecken B 27 am nördlichen Stadtrand war an dem Abend zeitweise voll eingestaut und hat damit das Gebiet rund um St. Luzen abgesichert. Das Hochwasserrückhaltebecken Uttenbach bei Stetten war ebenfalls zeitweise teileingestaut mit einer Höhe von etwa 75 Zentimetern. Auch dort war der Zulauf in den Bereich Brühl kontrolliert.

Das ist der Brennpunkt

Der eigentliche und nahezu einzige Brennpunkt war – wie von der HZ in der Folge berichtet, der Bereich Ziegelbach, Heiligkreuzstraße, Hechinger Straße. Dort war die Ursache das gut zweieinhalb Quadratkilometer große Einzugsgebiet Zollerberg und Bismarckhöhe. Über die Hanglagen kam das Oberflächenwasser zum Ziegelbach. Es handelt sich, so erläutert die Stadt, um ein separates Einzugsgebiet, das mit dem Reichenbach nicht zusammenhängt.

Der leidige Ziegelbach

Jürgen Haas schreibt in seinem Bericht: „Das bereits seit Jahren latente Problem einer unbefriedigenden Einlaufsituation unterhalb des Betonwerks Baur beim Ziegelbacher Hof, die nicht mehr leistungsfähige Verdolung in der Heiligkreuzstraße sowie die unterdimensionierte Verdolung in der Hechinger Straße waren die Hauptursachen der Überflutung.“

Im Herbst Startschuss?

Allerdings und wie ebenfalls berichtet: Das Hochwasserschutzkonzept Ziegelbach liegt zur wasserrechtlichen Genehmigung beim Landratsamt Zollernalbkreis vor. Im Moment muss die Stadt die noch vorliegenden Bedenken und Einwände abarbeiten. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass im Herbst dieses Jahres die Genehmigung vorliegt und somit das Projekt umgesetzt werden kann.

Die Schäden

Die durch das Starkregenereignis entstandenen hauptsächlichen Schäden und die geschätzten Schadensummen: Belagsverwerfung im Bereich Hechinger Straße und Gewand etwa 10 000 Euro, Zufahrt Hochbehälter Stadtwerke bei Boll rund 5000 Euro, Trampel- und Hackschnitzelpfad zur Burg: gut 25 000 Euro.

Eigentümer bremsen

Die Stadt lässt in ihrer Starkregen- und Hochwasserbilanz außerdem wissen: Das Thema „Starkregenrisikomanagement“ wird im Moment aktiv aufgegriffen, und Konzepte werden erarbeitet. Für den Bereich Hangwasserentwässerung Zollerberg/Boll sowie oberhalb des Neubaugebiets Knittswiesen in Stein sind Konzepte bereits vorhanden. Auch hier ein Allerdings: Bisher ist die Umsetzung mangels Eigentümerbeteiligung gescheitert.

Fragen und Antworten der Stadt zum Hochwasser im Ortschaftsrat Stetten

Können der Reichenbach beziehungsweise die Gräben jährlich einmal geräumt werden? Der Reichenbach selbst wird im Rahmen der Gewässerunterhaltung und der Vorgaben des Landratsamtes gepflegt. Ein explizites „Ausräumen“ wird hier nicht angestrebt und ist auch nicht erforderlich. Die diversen Gräben werden vom Betriebshof beziehungsweise Fremdfirmen turnusmäßig geräumt. Ein jährliches Ausräumen aller Gräben ist nicht machbar.
Warum hat das Rückhaltebecken am Reichenbach zwischen Boll und Stetten nicht eingestaut? Das automatisierte Prozessleitsystem steuert den sogenannten adaptiven Betrieb des Hochwasserrückhaltebeckens mit umfangreichen Mess- und Pegelstationen von Hausen bis nach Rangendingen. Ziel des Beckens ist ein kontrollierter Wasserzulauf in die Ortslage, sodass keine Probleme und Schäden entstehen. Ein Einstau bei jedem Niederschlagsereignis ist nicht gewollt. Ein kompletter „Verschluss“ des Reichenbaches ist zudem durch den Betrieb nicht erlaubt.
Braucht das THW beziehungsweise die Feuerwehr Zugang zur Zentrale des Dammes? Für den Betrieb des technischen Hochwasserschutzes gibt es eine klar vorgegebe Betriebsstruktur, was das Personal angeht. Hauptverantwortlicher: Betriebsbeauftragter oder seine Vertreter; THW und Feuerwehr werden nur zur Unterstützung oder Gewährleistung des Betriebes hinzugezogen.
Sind bei der Menge, die der Damm zulässt, auch die Wassermengen berücksichtigt, die die nachfolgenden Bäche in den Reichenbach einbringen? Das umfassend aufgestellte Hochwasserschutzkonzept berücksichtigt auch diese Zuflüsse. Dies gewährleistet das Mess- und Pegelsystem, das der Zweckverband zur Steuerung aufgebaut hat.