Hechingen Beurener Lücke wird bleiben

Im kleinen Beuren verzichtet man dankend auf einen Premiumwanderweg am Dreifürstenstein. Man fürchtet die Folgen: vor allem viele, viele Autos. Archivbild
Im kleinen Beuren verzichtet man dankend auf einen Premiumwanderweg am Dreifürstenstein. Man fürchtet die Folgen: vor allem viele, viele Autos. Archivbild © Foto:  
Hechingen / ERNST KLETT 05.08.2015
Vom Steinlachtal her der Mössinger Dreifürstensteig, vom Killertal her bald die Burladinger Köhlberg-Tour. Gar nicht zu reden von Albstadt. Allerorten gibt es Premiumwanderwege, nur in Hechingen nicht.

Dass Wanderer in Massen durchaus ihre sehr nachteiligen Spuren hinterlassen können, dies hat sich als weniger schöne Begleiterscheinung der hochgelobten Albstädter Traufwege längst herumgesprochen. Wer auf Tourismus setzt, der hat mit dem Dreisternchenwandern allerdings den Erfolg gebucht. Das zeigt das Beispiel Albstadt, und das zeigt seit kurzem ebenso die Hechinger Nachbarstadt Mössingen. Deren Dreifürstensteig dockt direkt an die Hechinger Markung an. Und Burladingen kommt in Bälde aus der anderen Richtung mit seiner neuen Köhlberg-Tour, deren Prämierung wohl nur noch eine Frage der Zeit ist.

Hechingen, das sich den Wandertourismus seit langem auf seine Fremdenverkehrsfahnen geschrieben hat, bräuchte nur noch die Lücke am Dreifürstenstein und in Richtung Weilerwaldkopf schließen - und die "Albverscheißer", die sich Wochenende für Wochenende aus den Ballungszentren Richtung Zoller aufmachen, hätten noch mehr Auswahl. Doch dazu wird es nicht kommen. Beuren will nicht, und es hat nachvollziehbar Gründe dafür.

Die Weichen für einen Hechinger Premiumweg waren schon gestellt. Die Stadt Hechingen, angetrieben durch Bürgermeisterin Dorothea Bachmann, hatte im zurückliegenden Jahr einen "Dreifürstentrauf" mit Ausgangspunkt Beuren projektiert. Ende des Jahres allerdings wurde es plötzlich wieder still um dieses Thema. Das Premiumwandern flackerte in diesem Jahr nochmals heftig auf, als die Wirtin des Beurener "Dreifürstenstein" dem Ortschaftsrat in öffentlicher Sitzung Untätigkeit in Sachen Wanderwege vorwarf. Im Hechinger Rathaus weiß man längst, wie sensibel das Thema mittlerweile ist. Erst mit einiger Verzögerung hat die Stadtverwaltung auf eine Anfrage der HZ hin den Sachverhalt von ihrer Warte aus dargestellt.

So hat die Stadt 2014 schon Mitarbeiter des Deutschen Wanderinstituts e.V., das für die Zertifizierung der Premiumwanderwege zuständig ist, und den Hechinger Albverein am Tisch gehabt. Geprüft wurde zudem die Zusammenarbeit mit Albstadt. Das Ergebnis war im Juni der Vorschlag für besagten Premiumwanderweg "Dreifürstentrauf". Der wurde Beurens Ortsvorsteher Peter Gantner und Ortschaftsräten vor Ort und mit Bürgermeisterin Bachmann präsentiert. Dass das sogenannte "Portal" des neues Premiumwegs am Wanderparkplatz beim Naturschutzgebiet sein sollte, stieß allerdings auf große Bedenken. Es wurde befürchtet, dass noch mehr Wanderer durch den Ort fahren würden. In der Folge wurde deshalb eine alternative Streckenführung erarbeitet: Das Hauptportal sollte vor Beuren auf einem noch nicht bestehenden, ein Nebenportal am vorhandenen Wanderparkplatz sein. Der Wegverlauf wäre damit von 6,3 auf 10,2 Kilometer Länge gewachsen, es wäre aber immer noch ein Premiumweg gewesen. Doch auch dies erntete keine Begeisterung. Der Ortschaftsrat teilte mit: "Der Wegverlauf ,Dreifürstenstein 2' kommt aus der Sicht des Ortschaftsrates Beuren nicht in Betracht."

Wie es in Hechingen ungeschriebenes Gesetz ist, richtet man sich, wenn's auch nur irgendwie geht, nach dem Willen der Ortschaftsräte. Und dies hat das Aus für den Beurener Premiumweg bedeutet: Im November vergangenen Jahres ist der Gemeinderat in seiner Klausurtagung informiert worden, inklusive Kostenschätzung für Herstellung, Unterhaltung und Marketing sowie Beurener Ablehnung. In der Folge haben sich die Fraktionsvorsitzenden darauf geeinigt, das Premiumprojekt zu begraben. Daran ändert nun auch das neue Burladinger Wanderprojekt nichts.

"Wandern auf Hechinger Gemarkung"

Weiter ohne Premium Auch wenn einer oder vielleicht sogar mehrere Premiumwanderwege zumindest derzeit kein Thema für die Hechinger Tourismusförderung sind, hat die Zollernstadt das Wandern doch weiterhin ganz oben auf dem Plan für ihre Fremdenverkehrswerbung stehen. Das hat das Rathaus jetzt gegenüber der HZ ausdrücklich bekräftigt.

Neu ausrichten Sollten die beteilgten Gremien zustimmen, geht es in Bälde an eine Neuausrichtung des "Wanderparadieses Hechingen". Dessen attraktivste Routen sollen in einem Gesamtkonzept "Wandern auf Hechinger Gemarkung" aufgehen. Alle Wanderwege auf und in den Grenzbereichen der Hechinger Gemarkung sollen darin dargestellt werden.

Wege zuhauf Erfasst werden die Fernwanderwege Jakobusweg, Hohenzollernweg und Main-Neckar-Rhein-Weg, Touren aus dem "Wanderparadies", das Wegenetz des Albvereins, Märchenpfad und Waldlehrpfad sowie Bisinger Rundwanderwege an der Burg. Alle Wanderwege sollen einheitlich in der Beschilderung Schwäbische Alb ausgezeichnet werden.

SWP