Frage: Was in Hechingen ist genauso teuer wie der neue Obertorplatz, im Stadtbild kaum sichtbar, aber mindestens ebenso wichtig, weil er den Bürgerinnen und Bürgern der Zollernstadt vielfältige Dienstleistungen garantiert? Antwort: der Neubau für den städtischen Betriebshof, der sich in diesem Sommer der Fertigstellung nähert.

Seit dem ersten Spatenstich am 15. März 2018 („Da war der VfB noch in der Bundesliga“, erinnert sich der Schwabenfußball-affine Stadtwerke-Chef Reinhold Dieringer wehmütig) sind auf dem großen Areal zwischen Alter Rottenburger und Haigerlocher Straße, zwischen Stadtwerke-Sitz und Gaskessel, vier große Gebäude entstanden: das zentrale Betriebsgebäude mit Büros für Mitarbeiter des Betriebshofs, des städtischen Eigenbetriebs Entsorgung und des Geoinformationssystems der Stadtwerke, mit Kantine, Sozialräume und verschiedenen Werkstätten; dann das Werkstattgebäude mit Fahrzeug- und Kleingerätewerkstatt, Lager und Waschhalle; und im hinteren Bereich die große Fahrzeughalle, in der sämtliche Klein- und Großtraktoren, Lkw und Transportfahrzeuge, die für den städtischen Straßendienst, die Grünpflege und den Winterdienst im Einsatz sind, und auch die Autos der Stadtwerke Platz finden. Und damit im Winter kein Fahrer morgens um vier vor dem Ausrücken die Scheiben freikratzen muss, ist die Hälfte der Felder beheizt.

Diese drei Hauptgebäude sind L-förmig angeordnet, was nicht nur die Wege kurz hält, sondern auch dem Lärmschutz für die Nachbarn dient. Was die Anlieger (speziell die an der Alten Rottenburger Straße) noch schont, ist die Tatsache, dass für den neuen Betriebshof eine extra Zufahrt von der Haigerlocher Straße her gebaut wurde. An dieser steht auch Bauwerk Nummer vier, die aus Holz gebaute Salzhalle, die mit ihrem Schüttboxen für Splitt, Rindenmulch und Erde auch in den frostfreien Jahreszeiten benutzt wird – dann eben von den Stadtgärtnern und Straßeninstandhaltern.

Insgesamt 40 Mitarbeiter werden am neuen Standort tätig sein und endlich moderne Arbeitsbedingungen vorfinden. „Alle freuen sich absolut“, sagt Betriebshof-Leiter Heiko Ewert. Und Reinhold Dieringer ergänzt: „Da ist schon Begeisterung zu spüren. Im Vergleich zum bisherigen Standort an der Gammertinger Straße wird das ein ganz anderes Schaffen sein.“ Ganz wichtig sei dabei auch, dass alle Beschäftigten aller städtischen Eigenbetriebe künftig auf einem Gelände tätig sein werden.

Besonders stolz sind Dieringer und Ewert auf die herausragende ökologische Nachhaltigkeit des gesamten Bauvorhabens. Dieringer zufolge werden die Gebäude komplett CO2-neutral beheizt und gekühlt, indem man zwölf bis 13 Grad warmes Filtratwasser aus der nahen Kläranlage entnimmt und über eine Ringleitung mit solarstrombetriebenen Pumpen zum Betriebshofgelände führt.

Das Brauchwasser (für die Fahrzeugwäsche und das Gießwasser braucht der Betriebshof eine ganze Menge) wird in einem großen Regenwassertank gesammelt, der in trockenen Zeiten mit aufbereitetem Abwasser befüllt werden kann. 150 Kubikmeter fasst der Tank, der direkt vor der Fahrzeughalle im Boden versenkt wurde. „Das sah aus wie ein Riesen-U-Boot“, schildert Reinhold Dieringer.

Energie erzeugt wird über eine 170-kWp-Photovoltaik-Anlage, die je zur Hälfte den Stadtwerken und einer Bürgergenossenschaft gehören wird. Und wo keine Solarmodule die Flachdächer bedecken, wird Grünes sprießen. „Noch ein ökologischer Gesichtspunkt“, schwärmt Dieringer.

Bei einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 20. Oktober, wird die interessierte Öffentlichkeit die Neubauten besichtigen können. Der Umzug von der Gammertinger Straße soll Ende August beginnen und Ende September fertig sein. „Unser Zeitplan war sportlich“, sagt Dieringer, „aber wir halten ihn ein.“ Auch dank des günstigen Wetters. „Der Wettergott“, freut sich Dieringer, „ist ein Stadtwerkegott“.

Sieben neue Häuser, aber kein Bio-Supermarkt


Fürstin-Eugenie-Gärten Auf dem Gelände zwischen Gammertinger und Sigmaringer Straße, das der städtische Betriebshof im Spätsommer geräumt haben will, erweitert die Firma EJL Immobilien ihr Fürstin-Eugenie­-Domizil um die „Fürstin-Eugenie-Gärten“. Projektiert sind weitere sieben Mehrfamilienhäuser. Ursprünglich wollte die EJL noch einen Freiburger Bio-Supermarkt nach Hechingen holen. Den Bauantrag dafür hat die Firma jedoch zurückgezogen. hy