Hechingen / ANTONIA LEZERKOSS  Uhr
"Vorhang auf für Melodien aus Oper und Musical" hieß es beim Jahreskonzert der Hechinger Stadtkapelle. Jugendkapelle II und Großes Blasorchester boten konzertante Blasmusik auf hohem Niveau.

In der sehr gut besuchten Stadthalle erlebten faszinierte Musikfreunde ein gut aufgelegtes Orchester, das in einem abwechslungsreichen Programm moderne Musik blendend intonierte. Begleitet von der charmanten Moderation Jana Dillmann begab sich die Jugendkapelle, die mit 22 hochmotivierten Jugendlichen unter Leitung von Markus Best ein vielschichtiges Klangbild bot, mit dem flotten Konzertmarsch "Abel Tasman" bildhaft auf große Entdeckungsreise ins von rauer See umtoste Tasmanien und eroberte damit sogleich die Herzen der Zuhörer.

Die ganz unterschiedlichen Stücke offenbarten die ungemeine Bandbreite der Blasmusik und das enorme Talent der jungen Musiker, das sie beim Balinger Wettbewerb "Bw-Musix" mit einer hervorragenden Platzierung unter Beweis gestellt hatten. Von beeindruckender Schlichtheit waren die sanft klingenden Melodien des kleinen, lyrischen Konzertwerks "Air for Band" von Frank Erickson, das die Jugendlichen gefühlvoll phrasierend, dynamisch nuanciert und fließend zu gestalten wussten. Bei der abschließenden "Easy Pop Suite" von Dizzy Stratford ließen die Musiker noch einmal so richtig die Post abgehen. Als Zugabe spielte das Orchester einen schwungvoll und leichtfüßig gespielten Walzer.

Danach öffnete sich der Vorhang für das Große Blasorchester unter souveräner Leitung von Musikdirektor Bernd Haid. Mit mitreißendem Feuer und pfeffrig gewürztem Elan entführten die Musiker zunächst mit der Konzertfantasie über Bizets Oper Carmen in einer Bearbeitung von Eiji Suzuki ins südliche Spanien. In der Welt der Zigeuner lebt Carmen. Die lebensfrohe, emanzipierte Frau liebt ihre Freiheit - einen Mann liebt sie so lange, bis der nächste kommt. Ihretwegen begeht ein Soldat Fahnenflucht. Suzuki verstand es, Bizets bezaubernde Musik auf das Blasorchester zu übertragen und dabei vor allem das Schlagwerk wunderbar zu integrieren. Lobenswerte Virtuosität und lebendige Spielfreude der Musiker schufen mit bekannt-beliebten Melodien aus dieser wohl spanischten aller Opern ein glitzerndes Feuerwerk an Klangfarben und -bildern.

Exakt im Ansatz, klar in der Intonation, mal mit fließender Eleganz, mal mit martialischem Schritt meisterte das Orchester selbst die hohe Anforderung der "symphonische Episode Al-Mansah" aus der Feder des spanischen Komponisten Ferrer Ferran. Das klangfarbenreiche Stück, rhythmisch und technisch eine Herausforderung, beschreibt die Schlacht um Almansa im Jahr 1707 und enthält eine Vielzahl fesselnd-dramatischer Momente mit etlichen Soli.

Nach der Pause begeisterten die Musiker mit anspruchsvollen Arrangements von Musicals wie dem Höchststufenstück "Phantom der Oper" von Andrew Lloyd Webber in einer Bearbeitung von Johan de Meij. Darin wird dem Publikum die faszinierende Tragödie des Mannes mit der Maske nahegebracht.

Erinnerungen an die 1920er- Jahre, die Zeit des frühen Jazz und der Gangster-Ära, weckten mit bluesigen Trompetensoli und rasanten Rhythmen die "Selections from Chicago" Den glänzenden Schluss punkt des anspruchsvollen Konzerts bildete die "Samba d'Orpheo" von Louis Bonfa in einer Bearbeitung von Eberhard Budziat mit dem jungen Posaunisten Samuel Restle, der als Solist mit einem mitreißenden Bossa Nova seine stupende Virtuosität und den einzigartigen flexiblen Klang seines Instruments zur Schau stellte.

Kein Wunder, dass das Publikum nach mehr verlangte und die Musiker erst nach zwei Zugaben von der Bühne entließ. Geistreich, humorvoll und informativ erläuterte Moderator Uwe Oster die Hintergründe der einzelnen Stücke.