Das ist ja eine tolle Aussicht!“, zeigte sich Kultusministerin Theresa Schopper angesichts des Panoramablicks auf die Burg Hohenzollern aus einem Klassenzimmer beeindruckt. Auch ihrer Parteifreundin, der Grünen Landtagsabgeordneten des Wahlkreises Hechingen-Münsingen, Cindy Holmberg, Dr. Veronika Nölle aus dem Kultusministerium Schulpräsidentin Susanne Pacher gefiel die Aussicht auf Burg und Alb. Doch der Besuch am Schlossacker galt nicht in erster Linie der Aussicht, sondern dem beruflichen Schulwesen.

Innovativ, kreativ, pragmatisch

Begrüßt wurde der hohe Besuch von Schulleiter Dr. Roland Plehn, seiner Stellvertreterin Leonie Schneider-Loye und den Abteilungsleiterinnen und -leitern der Schule. Plehn nahm den Besuch der Ministerin zum Anlass, den Gästen das Berufliche Schulzentrum (BSZ) Hechingen exemplarisch für das Wirken und Gestalten der beruflichen Schulen im Land vorzustellen. „Berufliche Schulen sind in hohem Maße innovativ, kreativ, pragmatisch und lösungsorientiert“, sagte Plehn. „Wir müssen das sein und wir sind es gerne, denn wir zeichnen uns durch eine noch stärkere Heterogenität als die allgemeinbildenden Schulen aus“, so der Schulleiter weiter. Nach dem Motto „Kein Abschluss ohne Anschluss“ seien in besonderem Maße die beruflichen Schulen die adäquate Antwort auf soziale Bildungsbenachteiligungen.
„Wir wissen am Kultusministerium sehr wohl, welches Pfund wir in den beruflichen Schulen haben“, stimmte Theresa Schopper zu. Das mache sie auch mit diesem Besuch deutlich, denn dies sei erst ihr zweiter Schulbesuch in ihrer Amtszeit als Kultusministerin. Heute wolle sie wissen, wo die beruflichen Schulen der Schuh drücke und in welchen Bereichen Unterstützung nötig sei.

Digitalisierung ein schwieriges Feld

Nachdem Plehn die einzelnen Schularten des BSZ näher vorgestellt hatte, nahm er das Angebot der Ministerin an, auf das Thema „Digitalisierung“ zu sprechen zu kommen. Ein großes Problem sieht der Schulleiter im Spannungsfeld von Praktikabilität und Datenschutz. „Die beruflichen Schulen müssen mit derselben Software wie die Ausbildungsbetriebe arbeiten. Diese Software ist nun mal sehr häufig von Microsoft. Ich habe Verständnis dafür, dass der Landesbeauftrage für Datenschutz und Informationsfreiheit dies kritisch sieht. Doch wenn uns das Arbeiten mit Lizenzsoftware, wie beispielweise Navision, eine Unternehmenssoftware von Microsoft, versagt werden sollte, werden wir auf dem direkten Weg zu Papier und Stift sein. Bei allen Beteiligten würden wir Frustration und Unverständnis erleben“, so Plehn. Die Kultusministerin zeigte sich für eine Lösung dieses Problems sehr aufgeschlossen und sagte zu, sich für ein tragfähiges Ergebnis einzusetzen.

Besuch in drei verschiedenen Klassen

Anschließend besuchte die Ministerin drei verschiedene Klassen des Schulzentrums. In einer Altenpflege-Klasse der Berufsschule berichteten die Schülerinnen und Schüler von den Herausforderungen in Corona-Zeiten berichten. „Ausbildung und Arbeit zu managen fällt zurzeit nochmal schwerer, wenn man Kinder hat, die im Homeschooling sind“, sagte etwa eine Schülerin. Auch dem VABO (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf ohne Deutschkenntnisse) und einer Übungsfirmen-Klasse des Berufskollegs stattete Theresa Schopper einen Besuch ab.
Danach stellten verschiedene Lehrkräfte mit dem Fokus auf Lernbegleitung und Digitalisierung in kurzen Präsentationen die Schule näher vor: Studiendirektorin Christiane Winz verwies darauf, wie gut die Schule bereits vor dem ersten Lockdown aufgestellt gewesen sei und wie sich das BSZ bis zum zweiten Lockdown weiterentwickelt habe; Julia Schmiedeberg zeigte, wie am Schulzentrum das Lerncoaching aufgebaut ist; Ariane Ruff präsentierte den Themenbereich „Projektorientiertes Lernen“; Anna Lorenz gab einen Einblick in das von Schülerinnen und Schülern entworfene virtuelle „Emilia-Galotti-Museum“; Alexandra Rothweiler präsentierte die digitalen Infoabende und Werbewochen des BSZ sowie dessen Auftritt in den sozialen Medien und wie dieser weiterentwickelt werden wird; die stellvertretende Schulleiterin, Leonie Schneider-Loye, zeigte am Beispiel der kürzlich stattgefundenen „Green Weeks“, wie die Schule das Thema Nachhaltigkeit angeht; und Schulleiter Plehn präsentierte der Ministerin verschiedene Kooperationen der Schule mit außerschulischen Partnern, etwa der Universität Tübingen im Bereich Mathematik und natürlich den Ausbildungsbetrieben.

„Überaus wertvoll“

„Für mich war das ein überaus wertvoller Besuch“, sagte die Oberbayerin. Nicht nur für die weiteren Planungen, sondern auch für die politischen Debatten sei es wichtig, die Realitäten vor Ort zu kennen. „Und wenn ich einmal weitere Fragen habe, weiß ich ja jetzt, wo ich anrufen kann“, bedankte sich Kultusministerin Schopper abschließend für die Einladung.