Seit einigen Tagen zeichnete sich ab, dass die Freiluftsportler und damit auch die Tennisspieler in Baden-Württemberg nach zwei Monaten des Wartens wieder ran dürfen. Die Entscheidung jedoch, dass bereits seit 11. Mai wieder Tennis gespielt werden darf, kam doch etwas überraschend, räumt der Vorsitzende des Tennisclubs Rangendingen, Christian Herrmann, ein. Aber man freue sich natürlich und sei auch startklar. Hergerichtet sind die vier Tennisplätze seit Mitte April. Eine spezialisierte Gartenbaufirma hatte die Frühjahrsinstandsetzung ausgeführt und den rot eingefärbten Sand ausgetauscht.

Im Ungewissen getappt

Christian Herrmann tappte, was die rechtlichen Regelungen zu den Hygienemaßnahmen anbelangt, zunächst im Ungewissen und wandte sich hilfesuchend an den Württembergischen Tennisbund (WTB). Denn aus allen Ecken habe man zur Wiederöffnung unterschiedliche Meldungen erhalten. Vor allem beunruhigt habe ihn der Passus in der Verordnung, wonach der Vorsitzende, also er persönlich, dafür Sorge zu tragen habe, dass die behördlich geforderten Auflagen umgesetzt werden. „Ich hafte dann persönlich für die Einhaltung eines dauerhaften Kontrollmechanismus und würde bei einem Verstoß einen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis riskieren.“ Geldstrafen übernimmt der Verein.

Verein in schwieriger Situation

„Ich kann doch nichts dafür, wenn ein Mitglied gegen die Corona-Regeln verstößt“, schüttelt Herrmann den Kopf. Im Verein herrsche ohnehin eine schwierige Situation. Stetig sinkende Mitgliederzahlen und steigende Kosten brachten den Rangendinger Tennisclub in Existenznot. Zudem bestehe kaum Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, was zusätzliche Belastungen zur Folge habe. „Durch die Corona-Krise fallen (beziehungsweise fielen) auch noch so überlebenswichtige Einnahmequellen wie die Vermietung des Clubheims und die Saisoneröffnung am 1. Mai weg“, berichtet Herrmann weiter. Ob nächstes Jahr die Frühjahrsinstandsetzung – sie verschlingt immerhin rund 4500 Euro – finanziert werden kann, sei ungewiss. „Da reichen die Mitgliedsbeiträge allein nicht aus.“

Beim WTB nachgefragt

„Mit großer Enttäuschung habe ich von den Corona-Schutz- und Hygieneempfehlungen gelesen“, schrieb Herrmann an den WTB und ließ das auch Bürgermeister Johann Widmaier wissen. Dem Verband drohte Herrmann sogar damit, falls er keine Antwort bekomme, sein Vorstandsamt niederlegen zu wollen. Der Vereinschef geht auf Nummer sicher und sagt weiter: „Ich brauch vom WTB eine eindeutige Klärung der rechtlichen Fragen, sonst kann ich die Plätze nicht freigeben.“
Vom Bürgermeister erhielt der Vereinsvorsitzende postwendend Antwort. „Wir als Ortspolizeibehörde verlangen keine Überwachung rund um die Uhr“, hieß es aus dem Rangendinger Rathaus. Und auch der WTB mailte zurück, dass nur stichprobenartig zu prüfen sei. Herrmann: „Nach diesen positiven Rückmeldungen bin ich jetzt etwas beruhigter.“

Infotafeln klären auf

Am Mittwochabend hängten er und sein Stellvertreter Frank Eberhard die Corona-Verhaltens- und Hygienevorschriften für alle Tennisspieler gut sichtbar an den Zäunen und an der Informationstafel auf. Der Trainingsbetrieb ist eingeschränkt – es darf nur im Einzel gespielt werden. „Da staut sich dann einiges an“, sagt Herrmann, der auf die vier Tennisplätze verweist, die sich aktuell 70 Aktive teilen müssen – ohne die zusätzlichen Spieler vom TC Trillfingen, mit denen eine Spielgemeinschaft besteht. Geschlossen bleiben die Umkleidekabinen. Duschen ist ebenfalls nicht möglich.
Der 2. Vorsitzende Frank Eberhard hofft, dass die Verbandsrundenspiele in den unteren Klassen wegen des eingeschränkten Trainingsbetriebs abgesagt werden, zumal hier noch strengere Auflagen gelten.

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