Zollernalbkreis Bei Krankheit muss gereist werden

Reisen müssen künftig Ärzte und Patienten nachts und wochenends. Hausärztlichen Notdienst gibt es ab 1. April nur noch in Balingen und Albstadt. Foto: epd
Reisen müssen künftig Ärzte und Patienten nachts und wochenends. Hausärztlichen Notdienst gibt es ab 1. April nur noch in Balingen und Albstadt. Foto: epd
Zollernalbkreis / HARDY KROMER 24.01.2014
Der hausärztliche Bereitschaftsdienst wird nun auch auf der Zollernalb reformiert. Wer nachts oder wochenends einen Arzt braucht, muss ab 1. April eine Notfallpraxis in Balingen oder Albstadt aufsuchen.

Es ist ein Teufelskreis: Weil es im ländlichen Raum immer weniger niedergelassene Ärzte gibt, verteilt sich der ärztliche Bereitschaftsdienst nachts und an Wochenenden auf immer weniger Schultern. Und weil die Belastung, Extra-Schichten zu fahren, so groß ist, wird es für Ärzte immer weniger attraktiv, sich auf dem Lande niederzulassen.

Entlasten will die Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Ärzte, indem sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Notfallpraxen zentralisiert. In den allermeisten Landkreisen Baden-Württembergs ist das bereits geschehen.

Im Zollernalbkreis steht die Reform kurz bevor. "Am 1. April wird es so weit sein", sagte Dr. Ullrich Mohr aus Bisingen, der Vorsitzende der Kreisärzteschaft, auf Anfrage der Hohenzollerischen Zeitung. Zwar seien noch nicht alle erforderlichen Verträge geschlossen. Der Einrichtung zweier zentraler Notfallpraxen an den Krankenhäusern in Balingen und in Albstadt stehe aber nicht mehr viel im Wege.

Für die Kreisbewohner bedeutet dies: Wer ab April abends, nachts oder wochenends hausärztliche Hilfe braucht, wird keinen diensthabenden Arzt mehr in seiner Praxis antreffen können, sondern sich auf den Weg nach Balingen oder Albstadt machen müssen - es sei denn, er ist so krank, dass er Anspruch auf einen Hausbesuch geltend machen kann.

Die Salmendinger, Melchinger, Stettener und Hörschwager kennen das schon. Weil sie zum (im Kreis Reutlingen angesiedelten) Notfallbezirk Sonnenbühl gehören, müssen sie schon seit einem Jahr über Land nach Münsingen fahren, wenn sie zur Unzeit krank werden. In der dortigen Notfallpraxis - so heißt es immer wieder - seien die Wartezeiten speziell am Wochenende enorm, jedenfalls deutlich länger als bislang in den wohnortnahen Arztpraxen. Der Rest der Zollernälbler kann sich auf vergleichbare Unbill gefasst machen.

Dabei ist es maßgeblich Dr. Mohr zu verdanken, dass sich die Kassenärztliche Vereinigung überhaupt dazu überreden ließ, zwei (!) Notfallpraxen einzurichten. Ursprünglich hatte der Dachverband der Ärzte vor, sämtliche Notfallpatienten nach Balingen zu schicken. Mohr ist es gelungen, die spezifischen geographischen Verhältnisse des Zollernalbkreises erfolgreich als Argument ist Feld zu führen, die je eine Praxis im oberen und im unteren Bezirk des Kreises erforderlich machten. So soll es nun kommen - und ob es sich rechnet, muss die Zukunft zeigen.

Die Aufteilung in "oben und unten" wird vor allem die niedergelassenen Ärzte selbst betreffen. Die Mediziner, die zwischen Schömberg, Haigerloch und Hechingen ihre Praxis haben, werden ihre Notdienste in Balingen zu verrichten haben. Für die Ärzte aus dem Gebiet zwischen Meßstetten und Burladingen gehts nach Albstadt. Die Patienten, betont Dr. Mohr, werden hingehen können, wohin sie wollen. "Schließlich besteht freie Arztwahl".

Nähere Details - insbesondere zur Frage der Telefonnummern, die im Notfall zu wählen sind - müssen noch geklärt werden und sollen rechtzeitig bekannt gegeben werden.

Dass es vielleicht auch anders ginge, zeigt der Blick in den Nachbarkreis Tübingen. Dort sträuben sich die Hausärzte beharrlich gegen eine Zentralisierung. Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnt eine klare Mehrheit der Ärzte eine Zentralisierung der Notdienste am Uniklinikum ab. Nur im Steinlachtal sind die Ärzte für eine Reform.