Nun ist sie also doch noch zustande gekommen, die Frühjahrsaufführung der Kindertheatergruppe der Hechinger Lichtstube. Was eine Zeitlang wegen der Erkrankung einer Spielleiterin in der Schwebe war, fand am Sonntagnachmittag in der Lichtstube in der Staig statt: „Einstein“ hieß das Stück.

Jeder kennt natürlich Albert Einstein, und auch seine Hechinger Bezüge sind vielen Leuten präsent, da seine zweite Frau von hier stammte. Aber was wissen wir über die Tochter aus seiner früheren Beziehung mit Mileva? Die Kindertheatergruppe hat recherchiert und das Leben von Lisa, dieser ersten Tochter von Albert Einstein, auf das Theater gebracht. Da war für die Kinder ganz schön harter Stoff dabei: Lisa bleibt als Baby ohne die Eltern bei der Oma in Serbien, während die Mutter und Einstein studieren und berühmt werden. Lisa sieht ihren Vater erst wieder in Stockholm, so hat die Theatergruppe herausgefunden, als er vom schwedischen König den Nobelpreis erhält – aber noch wissen sie nicht, dass sie Tochter und Vater sind. Lisa hat auf jeden Fall die Begeisterung für Astrophysik geerbt, sie ist eine geniale Wissenschaftlerin geworden und erhält schließlich eine Einladung an die Universität Princeton. Die Vorlesung über den Urknall und die Entwicklung des Universums ist so gut, dass die Zuhörer in der Hechinger Staig tatsächlich folgen können, weil vieles ähnlich funktioniert wie beim Gehen eines Hefeteigs.

Die Kinder der Theatergruppe agierten zum Beispiel hinter dem Vorhang als Schattentheaterfiguren – Albert Einstein mit seinem wirren Haar war deutlich erkennbar. Aber die Alltagskonflikte in der Adoptivfamilie am Küchentisch der zehnjährigen Lisa und die Prüfungsängste der 20-Jährigen und ihrer Kommilitoninnen im Milieu eines Berliner Clubs der Vorkriegszeit wurden ebenso treffend vorgeführt. Die Kinder spielten die Szenen an den sehr unterschiedlichen Orte in der Welt – in Zürich, in Serbien, in Berlin, auf dem Schiff nach Amerika – zum Vergnügen der Zuschauer oft mit dem typischen knappen lapidaren Ton des Lichtstuben-Kindertheaters. Der Beifall war lang und verdient.

Der integrative Ansatz der Theaterarbeit wurde unterstützt durch einen Zuschuss der Aktion Mensch.