Hechingen Bechtoldsweiler punktet mit großem Teamgeist

Hechingen / Von Hardy Kromer 13.06.2018
Die zwölfköpfige Landeskommission von „Unser Dorf hat Zukunft“ wurde mit dem Planwagen durch Bechtoldsweiler chauffiert.

Das große Lob nach einer zweieinhalbstündigen, perfekten Präsentation sprach der Vorsitzende der Landeskommission höchstpersönlich aus: „Ich kann Sie nur beglückwünschen, an so einem wunderbaren Platz auf der Welt zu wohnen“, sagte Dr. Konrad Rühl an die Adresse von Ortsvorsteher Günther Konstanzer und das 20-köpfige Vorbereitungsteam von Bechtoldsweiler. Doch nicht nur die herrliche landschaftliche Lage des Rammertdorfes und der Weitblick Richtung Achalm und Zoller beeindruckten die zwölf Kommissionsmitglieder, sondern auch das große bürgerschaftliche Engagement: „Sie stellen ganz viel auf die Beine“, bescheinigte der Jurychef den Bechtoldsweilernern.

Die hatten zuvor in der Tat sämtliche Schokoladenseiten ihres Dorfes gezeigt – und es den Juroren noch extra bequem gemacht. Eine gute Stunde lang wurde die Kommission im Planwagen durch den Flecken gefahren, und auch Traktorfahrer Walter Haag erntete dicke Komplimente, auch wenn sich die Kommission „richtig durchgeschüttelt“ fühlte. Es ging hinaus zum Lehrgarten des Obst- und Gartenbauvereins, wo die Macher des ältesten Vereins im Dorf wahlweise Mirabellenschnaps oder Apfelsaft ausschenkten. Beim „schönsten Friedhof der Stadt“, so Günther Konstanzer, wurde ebenso Halt gemacht wie an der Fläche für das Neubaugebiet „Mittelwies“. Dort soll bekanntlich auch ein Kindergarten gebaut werden, denn Bechtoldsweiler, so freute sich der Ortsvorsteher, erlebe derzeit einen Babyboom: „Meine Frau strickt Schühchen für die Neubürger und kommt fast nicht hinterher.“

Einer, der zum Babyboom beiträgt, ist Bürgermeister Philipp Hahn. Er war den ganzen Nachmittag dabei und rühmte das „außergewöhnliche Zusammenspiel der Generationen“ im Dorf. Jung und Alt würden genauso prächtig harmonieren wie Alteingesessene und Neubürger. Teamgeist, Eigeninitiative und nachhaltige Dorfentwicklung – diese Vorzüge belegten die Bechtoldsweilerner mit einer Fülle von Beispielen – vom Bürgerhausbau über die Kirchenrenovierung bis hin zum Feuerwehrhaus. In der „Wohlfühlgemeinde“ (so Roland Ling) wird nur das Fehlen einer Dorfwirtschaft als Mangel empfunden und ein wenig noch dem nach 15 Jahren gescheiterten Genossenschaftsladen nachgetrauert. „Da waren wir der Zeit einfach voraus“, stellte Konstanzer fest.

Wie sehr sie im Übrigen auf der Höhe der Zeit sind, werden die Bechtoldsweilerner am Freitag erfahren. Dann kürt die Kommission den Landessieger im Dorfwettbewerb und gibt die übrigen Ergebnisse bekannt.

Diese acht Dörfer sind die Mitbewerber

Neun Dörfer aus ganz Baden-Württemberg sind im Landesfinale. Außer Bechtoldsweiler besucht die Kommission folgende Orte, die sich auf Bezirksebene durchgesetzt haben:
Gaggenau-Sulzbach im Kreis Rastatt
Forbach-Langenbrand (Kreis Rastatt)
Renchen-Ulm im Ortenaukreis
Fröhnd im Kreis Lörrach
Radolfzell-Möggingen (Konstanz)
Ehingen-Dächingen (Alb-Donau)
Dürnau im Kreis Göppingen
Krautheim-Oberginsbach im Hohen­lohekreis

Wer wird Landessieger und qualifiziert sich für die Bundesebene? Wer bekommt eine Goldmedaille? Wer Silber? Am Freitagnachmittag werden die Ergebnisse bekanntgegeben. hy

Fünf interessante Fakten über Bechtoldsweiler

1 Gründer der Gemeinde soll nach mündlicher Überlieferung ein Ritter namens Bechtold gewesen sein. Die erste urkundliche Erwähnung war anno 1363.

2 Die Einwohnerzahl des Dorfes hat sich seit der Eingemeindung in die Stadt Hechingen nahezu verdreifacht. 1972 wurden gerade mal 271 Bürger gezählt, heute sind es 755.

3 Als letzte Gemeinde im Altkreis Hechingen wurde Bechtoldsweiler erst 1957 an die Wasserversorgung angeschlossen. Davor gab es im Dorf 40 Brunnen. Der Gemeinderat hatte in den 1930er-Jahren beschlossen, zunächst eine Lehrerwohnung zu bauen und erst später eine Wasserleitung.

4 Der Obstbau ist eine Domäne in Bechtoldsweiler. Das Dorf am Rammert ist eine der ältesten Obstbaugemeinden der Gegend. Heute gibt es mehr als 860 Obstbäume auf der Gemarkung.

5 Die Landwirtschaft war lange Zeit der Haupterwerb. Wer in anderen Branchen arbeiten wollte, musste raus aus dem Dorf. So wie die Maurer aus Bechtoldsweiler, die das Freiburger Münster mitbauten.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel