Der Baxter-Konzern mit seinem großen Standort in Hechingen, der weltweit in der Nierenersatztherapie tätig ist, hat eine umfangreiche Forschungsförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erhalten. Im Rahmen des Programms „Vom Material zur Innovation“ leitet Baxter ein Forschungskonsortium, das untersucht, wie die Hämodialyse (HD) für Patienten mit Nierenerkrankungen im Endstadium ohne systemische Hemmung der Blutgerinnung ermöglicht werden kann. Mit dieser Förderung werden dem Baxter-Forschungsteam in Hechingen und den weiteren Partnern in dem Konsortium über einen Zeitraum von drei Jahren 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um ein Konzept zu erarbeiten, das die Lebensqualität von Millionen von Hämodialysepatienten weltweit verbessern könnte.

Die Verwendung von Gerinnungshemmern ist ein notwendiger Bestandteil der Hämodialyse. Sie hilft, die Blutgerinnung im Filter während der Therapiesitzungen, die in der Regel drei Tage pro Woche für durchschnittlich vier Stunden pro Sitzung durchgeführt werden, zu verhindern. Bei den HD-Patienten können kurzfristige Nebenwirkungen durch die Gerinnungshemmer auftreten, etwa eine verlängerte Blutungszeit am Ende einer Dialysesitzung. Bei manchen Patienten können auch langfristige Wirkungen der Arzneimittel auftreten, wie etwa ein erhöhtes Risiko für Osteoporose oder Störungen, die mit einem erhöhten Kaliumspiegel verbunden sind.

Das Forschungsteam verfolgt einen neuartigen Ansatz, indem es Modifikationen von Dialysemembranen analysiert, um die Wechselwirkung zwischen Blut und Membranoberflächen zu verringern– was die Hauptursache für die Blutgerinnung ist.

Das Konsortium um Baxter vereint führende Experten des DWI-Leibniz-Instituts für Interaktive Materialien Aachen und des Leibniz-Instituts für Polymerforschung Dresden mit den innovativen Methoden zur Analyse von Blut-Stoff-Wechselwirkungen der Hot Screen GmbH in Reutlingen.

„Wir sind einzigartig aufgestellt, um gegenwärtige Therapiestandards in Frage zu stellen und die Qualität der Nierenersatztherapie durch die Arbeit unserer engagierten, erstklassigen Forschungs- und Entwicklungsteams zu verändern“, sagt Dr. Sumant Ramachandra, Senior Vice President, Chief Science und Technology Officer bei Baxter. „Unser Team in Hechingen ist weltweit führend in der Forschung und Entwicklung von Membranen. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass dieses Konsortium erfolgreich eine Dialyse erforscht, die keine Gerinnungshemmung benötigt und weltweit das Patienten Outcome“, also den letztlichen Behandlungserfolg, „verbessern kann“.

Bereits 2012 erhielt Baxter eine Förderung des Bundesforschungsministeriums zur Untersuchung einer neuen Generation von Dialysemembranen, um die Behandlung der chronischen Entzündung bei Patienten mit Nierenerkrankungen im Endstadium zu verbessern. Diese Forschung trug zur Entwicklung des Theranova-Dialysators und der erweiterten Hämodialyse (HDx) bei. HDx ist eine einzigartige Hämodialyse-Therapie mit einem erweiterten Spektrum an Molekülen, die aus dem Blut herausgefiltert werden können, was zu einem Reinigungsprofil führt, das dem der natürlichen Niere sehr nahe kommt.

Stichwort: Hämodialyse


Die Hämodialyse ist ein Verfahren zur Blutwäsche, das bei Patienten mit einer Nierenschwäche eingesetzt wird. Es wird häufiger angewendet als die Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse). Ein Gerät mit einer Membran filtert und reinigt das Blut außerhalb des Körpers. Man spricht auch von „künstlicher Niere“. Auf höchstem Niveau ist dies seit eh und je das Kerngeschäft von Baxter (früher Gambro) in Hechingen.