Klarheit über die Bebauung des Grundstücks Marktplatz 3 (direkt neben dem Rathaus) hat Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn am Dienstag in seiner Neujahrsansprache von der Firma EJL eingefordert – und auch Auskunft über die Entwicklung der östlichen Obertorplatz-Zeile. Ein Stück weit hat EJL-Geschäftsführer Andreas Ermantraut jetzt geliefert, als er am Freitag die Presse zum Gespräch lud.

EJL hält an seinen Projekten fest

Die Botschaft ist: Die EJL-Firmen halten an all ihren Hechinger Großprojekten fest – und wollen sie nach und nach verwirklichen, sobald die vielgestaltigen baurechtlichen Hürden genommen sind. Außerdem offenbarte Ermantraut noch einige kleinere Vorhaben, die möglicherweise schneller in die Tat umzusetzen sind. So will EJL das (ehemalige Friseur-)Haus Kaufhausstraße 5 direkt neben dem Juz-Parkplatz abreißen lassen, um mehr Platz für sein Bauvorhaben Marktplatz 3/Kaufhausstraße zu haben. „Außerdem“, so Ermantraut, „gehen wir mit den Häusern Schulstraße 6 und Frauengartenstraße 10 in die Projektierung“. Sowohl das große Schulstraßen-Haus gegenüber vom „Paradies“ als auch das Fachwerkhaus neben dem alten Spritzenhaus in der Frauengartenstraße möchte EJL abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Die Bauanträge stellte der EJL-Chef fürs erste Halbjahr in Aussicht. In der Schulstraße soll ein „klassisches Wohnhaus“ entstehen, in der Frauengartenstraße ein Wohn- und Geschäftshaus.

„Nach wie vor überzeugt von Hechingen“

„Wir sind nach wie vor überzeugt, dass man in Hechingen was machen kann“, sagt Ermantraut und bekennt: „Wir wollen auch was machen.“ Wenn es nach ihm geht, baldmöglichst auch auf der großen Brache neben dem Rathaus: Marktplatz 3. Dort sieht er „die größten Hürden inzwischen genommen“, nachdem sich EJL, Stadtbauamt und Landesdenkmalamt in einem intensiven Abstimmungsprozess auf die Fassadengestaltung geeinigt hätten. Die Baugenehmigung für das Grundstück Marktplatz 3 liege vor, bestätigt Ermantraut, innerhalb der nächsten zwei Wochen soll nun der Bauantrag für den darunter liegenden Komplex an der Kaufhausstraße folgen – und parallel dazu die Anträge für die Nutzung der Gebäude.

Was die geplante Nutzung des voluminösen Baus angeht, hat EJL umplanen müssen, nachdem sich die Stadt im vergangenen Jahr von ihrer Absicht, zwei Etagen für Büros der Stadtverwaltung zu mieten, verabschiedet hat. „Wir verstehen das“, sagt Ermantraut. Dafür habe die Stadt ja die ehemalige Hof-Apotheke, gekauft. Für EJL habe die Absage aber eben bedeutet, neue Mieter suchen zu müssen. Inzwischen sei man fündig geworden: „Wir haben einen Generalmieter an der Hand, der alles übernimmt.“ Mehr Details über die Art der Belegung ließ sich Ermantraut noch nicht entlocken. Er verspricht aber: „Das wird schon was, auf das Hechingen wartet.“

Archäologen graben noch

Also nochmal: EJL fühlt sich neben dem Rathaus „in den Startlöchern“. Was einem baldigen Baubeginn aber vor allem noch im Wege steht: Die Denkmalbehörde hat auf dem Juz-Parkplatz an der Kaufhausstraße noch archäologische Grabungen zu machen, um nach möglichen Relikten der mittelalterlicher Stadtmauer zu suchen. „Von der Rabenstraße bis zur Kaufhausstraße soll zwei Stockwerke tief gegraben werden“, berichtet Ermantraut. Dieses Verfahren gehöre aber zu den Aufgaben der Stadtverwaltung. „Und so lange die Archäologen unten noch kein grünes Licht gegeben haben, werden wir oben nicht mit bauen beginnen“, bittet Ermantraut um Verständnis. Dies will der EJL-Geschäftsführer auch kommunizieren, wenn er am 19. März in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates zu Gast ist. Diesen Termin, sagt Ermantraut, werde er gerne wahrnehmen. Er habe die Stadt im Übrigen schon im Dezember selbst um ein solches Gespräch gebeten.

HZ-Areal: Kubatur als Knackpunkt

Über den Stand der Dinge am östlichen Obertorplatz will Ermantraut dann auch Auskunft geben – und die besorgte Öffentlichkeit beruhigen: EJL hält daran fest, vom ehemaligem HZ-Gebäude bis (mindestens) zur Volksbank etwas Neues zu schaffen, das den neuen Obertorplatz bereichert. Knackpunkt ist aus Ermantrauts Sicht nach wie vor „die Kubatur des HZ-Areals“. EJL will bekanntlich möglichst groß bauen, die Stadt legt auf eine gegliederte Gestaltung Wert. Um einen neuen, stimmigen, genehmigungsfähigen Kompromiss zu finden, hat EJL laut Ermantraut jetzt selbst einen Städteplaner beauftragt. „Unser Ziel ist es“, so Ermantraut, „bis zum Sommer ein Konzept zu haben, mit dem alle leben können.“

Wenn das Obertorplatz-Projekt der EJL in einen neuen Bauantrag gegossen wird, dann könnte übrigens auch das Parkplatz-Thema noch einmal aktuell werden. Ermantraut versichert, dass EJL für seinen Komplex „auf jeden Fall viele Stellplätze schaffen“ werde. Sollte die Stadt weiterhin Interesse haben, Plätze für den öffentlichen Gebrauch zu mieten, „dann sind wir da immer offen für Gespräche“. Eine endgültige Absage habe er der Stadt nie erteilt. „Ich habe nur gesagt, ich kann keine Stellplätze zusichern, wenn ich nicht weiß, wann ich bauen kann.“

Abriss in der Gammertinger Straße

Zur Bebauung reif und genehmigt ist das vom Betriebshof geräumte Areal an der Gammertinger Straße. Dort will EJL demnächst mit dem Abriss beginnen. Sieben neue Häuser sind dort geplant.

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Hechingen

„Rooftop-Bar“ schon diesen Sommer?


Für möglich hält EJL-Geschäftsführer Andreas Ermantraut nach wie vor auch die „Rooftop“-Strandbar auf dem Dach des City-Parks in der Neustraße. Der Bauantrag laufe, die Anlieger seien angehört worden, das Landratsamt habe „fürs grobe Konzept sein Okay gegeben“. Anwohnern, die um ihre Nachtruhe fürchten, verspricht Ermantraut: „Das wird keine Discothek auf dem Dach.“ Sollte die Baugenehmigung rechtzeitig kommen, könnte die Beachbar schon diesen Sommer starten, hofft Ermantraut. Zwei mögliche Betreiber habe er an der Hand. hy