Hechingen Bauprojekt Marktplatz 3 wieder ausgebremst

Hechingen / Hardy Kromer 08.06.2018
Keine Einigung über die Fassade: Das Neubau-Projekt Marktplatz 3 neben dem Hechinger Rathaus verzögert sich weiter.

So erfreulich seine erste Sitzung als neuer Hechinger Bürgermeister und Vorsitzender des Gemeinderates für Philipp Hahn begonnen hatte (mit der Vereidigung und Verpflichtung ins Amt), so verdrießlich endete sie: Nach ellenlanger Diskussion gab es für das große Neubauprojekt der Firma EJL neben dem Rathaus nicht etwa den Durchbruch, den die Befürworter des großen, stadtbildprägenden Geschäftshauses ersehnen, sondern ein unentschiedenes Ergebnis, das weitere Verzögerungen unausweichlich macht.

In einem 13:13-Patt endete die Abstimmung über konkurrierende Fassadenentwürfe für das sechsstöckige Gebäude. Die Christ- und die Sozialdemokraten am Ratstisch verweigerten der von Stadtbaumeisterin Helga Monauni entworfenen (und mit dem Landesdenkmalamt abgestimmten) Fassade einhellig die Zustimmung. CDU und SPD wollen an der ursprünglichen, von Investor Daniel Löwenstein vorgeschlagenen Gebäudeansicht festhalten. Anders die Freien Wähler, die Bunte Liste und der erstmals stimmberechtigte Philipp Hahn: Sie hielten es mit dem luftig-lockeren Monauni-Entwurf, der dem wuchtigen Gebäudekörper seine „Klotzigkeit“ nehmen und so die Akzeptanz des Projektes in der Bevölkerung und bei den Denkmalschützern erhöhen soll.

Als wegen der Stimmengleichheit kein gültiger Beschluss zustande gekommen war, stellte der neue Bürgermeister sichtlich frustiert fest, was nun kommen muss: Helga Monauni werde ein weiteres Mal mit dem Landesdenkmalamt und mit dem Investor verhandeln müssen – „so lange, bis dieser die Lust verliert“. Ganz so düster muss die Perspektive nicht sein. Eine weitere zeitliche Verzögerung ist indes unausweichlich, nachdem schon die Grabungen der archäologischen Denkmalpflege den Baustart ausgebremst haben.

Zum Streit am Ratstisch war es gekommen, weil Uneinigkeit darüber bestand, was das Landesdenkmalamt denn eigentlich an den Entwürfen der Firma EJL auszusetzen hatte. Klar: Die ursprünglich geplante Höhe gefiel nicht. Diese war aber vom Investor selbst auf die Traufhöhe des benachbarten Rathauses zurückgenommen worden. Dann kritisierten die Denkmalschützer das Volumen des ganzen Baukörpers. Deutlich machte die Behörde aber auch, dass das Projekt daran nicht scheitern sollte. Und die von EJL vorgestellte Fassade? Philipp Hahn beharrte darauf, dass das Landesdenkmalamt diese „nicht mitgetragen“ habe. Nachdem Helga Monauni tätig geworden sei, „findet die Fassadengestaltung das Plazet des Denkmalamts“. Warum also diesen Schritt nach vorne nicht gehen?

Nein, fuhr ihm CDU-Stadtrat Dr. Lorenz Welte in die Parade: Das Denkmalamt habe gar nicht die Fassade ins Visier genommen, sondern die Masse des Baukörpers kritisiert. Und der Monauni-Vorschlag habe „keine anderen Massen als der EJL-Vorschlag“. Hahn beharrte: Aber gewiss sei in den Gesprächen mit dem Denkmalamt immer auch die Fassade ein Thema gewesen. SPD-Fraktionschef Jürgen Fischer sprang Welte bei und verlas die Stellungnahme der Denkmalbehörde, in der von der Fassade tatsächlich keine Rede ist. Der neue Bürgermeister schien die Welt nicht mehr zu verstehen: „Diese Diskussion hätten wir vor acht Wochen führen können. Dann hätten wir viel Zeitverzug gespart.“

Mittlerweile war spürbar Gift in der Diskussion. Immerhin vertrugen sich die Streithähne am Ende wieder. Beim Empfang nach der Sitzung sagte Hahn: „Auch Lorenz Welte und ich haben uns soeben wieder angelächelt.“ Der Bürgermeister räumte ein: Dass Helga Monauni sich an die Fassadengestaltung gemacht habe, gehe nicht auf die Initiative des Landesdenkmalamtes zurück, „sondern auf einen Wunsch des Gemeinderates“.

In der Sache bleibt freilich: Mit der Zerreden des Monauni-Entwurfs hat der Gemeinderat dem EJL-Projekt einen Bärendienst erwiesen.

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Stimmen für die Monauni-Fassade, 13 Stimmen für den EJL-Entwurf: Nach dem Patt im Gemeinderat darf sich jetzt das Landesdenkmalamt
entscheiden.

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