Baudenkmalpflege und Nabu protestieren gegen die Lockerung der Bauvorschriften

SPA 30.08.2012

Zugeständnisse an Investoren, die im neuen Gewerbegebiet Nasswasen bauen wollen, macht die Stadt Hechingen. Schrägdächer und Photovoltaikanlagen sollen erlaubt sein. Auf Dachbegrünung kann verzichtet werden. So sieht es der geänderte Bebauungsplan vor, dessen Auslegung der Hechinger Gemeinderat am 26. Juli mehrheitlich beschlossen hat. Die schlechtere Umweltbilanz soll ausgeglichen werden, indem die Ausgleichsfläche um 1,15 Hektar größer wird. Die Stadt begründet den Schritt mit den Folgen der Energiewende. Außerdem sei er für die Vermarktung notwendig.

Die Nabu-Gruppe Hechingen hatte im Verfahren zur Änderung des Regionalplans und im nachfolgenden kommunalen Planungsverfahren stets auf die besonders exponierte Lage des Nasswasens inmitten eines unbebauten Grünzugs in der Sichtachse B 27 - Hohenzollern/Oberstadt hingewiesen.

Der Regionalverband Neckar-Alb unter Vorsitz des früheren Hechinger Bürgermeisters Norbert Roth und die Stadt hatten - mit dem Hinweis auf dringenden und unabweisbaren Bedarf an Gewerbeflächen - letztlich doch noch die Bebaubarkeit des Nasswasens herbeigeführt. Der Regionalverband hatte hierbei im Rahmen einer Vereinbarung mit der Stadt im Jahr 2000 eine besonders landschaftsschonende Bebauung festgelegt. Im Wortlaut: "Zur Schonung des Landschaftsbildes (Blickbeziehung zur Burg Hohenzollern) ist das Gewerbegebiet als ,Gewerbepark auszugestalten, das heißt aufgelockerte Bebauung mit entsprechender (70-prozentiger !) Dachbegrünung und Ortsrandgestaltung, Bauhöhenbeschränkung auf maximal zehn bis zwölf Meter."

Die Bau- und Kunstdenkmalpflege im Regierungspräsidium Tübingen hat "erhebliche Bedenken" gegen die vorgesehenen Änderungen des Bebauungsplanes. Die Änderungen "konterkarieren das Bestreben zur Minimierung der Beeinträchtigungen.

Am 8. August bekräftigte die Nabu-Gruppe Hechingen in ihrer Stellungnahme ihre bereits in der vorgezogenen Bürgerbeteiligung vorgebrachten Bedenken. Nabu-Vorsitzender Gert Rominger stellt fest: "Stark geneigte, langgezogene Dächer mit großflächigen Photovoltaikmodulen verursachen eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbilds. Aufgrund der Südausrichtung kämen die Anlagen - vom Hohenzollern aus gesehen - voll ins Blickfeld, gleiches gilt für Bahn- und Autofahrer auf der B 27 Richtung Tübingen. Hinsichtlich dieser optischen Auswirkungen verweisen wir auf die abschreckenden Beispiele solcher Anlagen am Ortsrand Grosselfingen sowie in Dotternhausen an der B 27 und empfehlen dem Gemeinderatsgremium eine Besichtigung derselben. Hingegen sind bei der mittlerweile verbreiteten Anbringung von Photovoltaikmodulen in Streifenform auf flachen oder gering geneigten Dächern die landschaftlichen Auswirkungen relativ gering. Auch die Mehrkosten sind nur geringfügig. Für eine Bebauungsplanänderung besteht daher auch unter dem Gesichtspunkt der - generell begrüßenswerten - Stromerzeugung durch Photovoltaik keine Veranlassung. Es liegt zudem die Vermutung nahe, dass die Planänderung dazu genutzt wird, Gebäude zu errichten, deren faktischer - jedoch kaum nachweisbarer - Hauptzweck die Anbringung der Module ist. Unter rein technisch- betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten weisen Gewerbebauten Flachdach oder eine geringe Dachneigung auf, Dachformen mit 30 Grad sind in der Regel unwirtschaftlich. Es wäre unverantwortlich, wenn - wie dies bei geringer Nachfrage nach Gewerbebauflächen erfahrungsgemäß zunehmend der Fall ist - der Boden für Pseudogebäude, die vorrangig der kostengünstigen Energieerzeugung dienen, verschleudert würde.

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