Hechingen Baubeginn im kommenden Jahr

Links ein Viersternehotel, rechts 58 Wohnungen und zwei Etagen für Gewerbe, drunter eine Tiefgarage mit 230 Plätzen. So dürfte die Zukunft des jetzigen Gebäudekomplexes aus HZ, Gebäude Buri und früherer Parfümerie Zink am Obertorplatz aussehen. Im kommenden Jahr soll Baubeginn sein.
Links ein Viersternehotel, rechts 58 Wohnungen und zwei Etagen für Gewerbe, drunter eine Tiefgarage mit 230 Plätzen. So dürfte die Zukunft des jetzigen Gebäudekomplexes aus HZ, Gebäude Buri und früherer Parfümerie Zink am Obertorplatz aussehen. Im kommenden Jahr soll Baubeginn sein. © Foto: EJL-Gruppe
Hechingen / Ernst Klett 14.04.2018
Ein Viersternehotel, 58 Wohnungen und 3800 Quadratmeter für Gewerbe will die EJL-Gruppe am Obertorplatz bauen.

Der Wunsch von Stadt und Gemeinderat wird gern erfüllt: Am südlichen Obertorplatz wird es jetzt einen Bebauungsplan geben für die Nachfolger des HZ-Verlagsgebäudes, der früheren Parfümerie Zink und des Hauses Buri. Die EJL-Gruppe will dort der seit Jahrzehnten erhofften, aber niemals Wirklichkeit gewordenen Innenstadtbelebung einen gewaltigen Schub geben. Alle drei Grundstücke sind bereits im Besitz von Daniel Löwenstein & Co., und damit ist das mutige Projekt gesichert. Denn anders als beim EJL-Vorhaben neben dem Rathaus dürfte es am Obertorplatz keine Bedenkenträger geben, die für Warteschleifen sorgen. Der Bebauungsplan, der sich bis zum Katharinenviertel erstreckt und den First miteinbezieht, soll schon Ende dieses Jahres fertig – und der Baubeginn gleich Anfang des nächsten Jahres sein.

Seit Ende der 60er-Jahre thront das heutige HZ-Verlagsgebäude am Obertorplatz 19. Früher stand an dieser Stelle das Hotel „Linde-Post“. Albert Einstein war ein berühmter Gast, der Autor Friedrich Wolf hatte dort seine Praxis. Das ist ein schönes Stück Vergangenheit, und der Betonklotz der HZ ist ebenfalls mächtig in die Jahre gekommen. Zu alt und viel zu groß – deshalb der jüngst vermeldete Verkauf an EJL, garniert mit der großen Hoffnung, damit eine sehr gute Tat für die Entwicklung Hechingens zu tun. Sobald der Nachfolgebau fertig ist, wird die HZ wieder einziehen, also weiterhin und wie schon seit bald 70 Jahren die Adresse Obertorplatz 19 haben.

Zum großen Zeitungsteam mit Geschäftsstelle, Anzeigenabteilung und Redaktion werden sich dann noch zahlreiche weitere Mieter beziehungsweise Eigentümer gesellen. Fix und fertig geplant sind insgesamt 58 Wohnungen auf 4200 Quadratmetern (Stichwort „urbaner Wohnungsbau“), außerdem 3800 Quadratmeter Gewerbeflächen – und eine Tiefgarage mit 233 Stellplätzen auf mehreren Etagen und Zufahrt vom Obertorplatz her. Eben diese lässt die Bedeutung des Bauvorhabens noch gewaltiger werden, als es ohnehin schon ist. Denn die Bauherren mit Sitz im Nasswasen sind gerne bereit, der Stadt gut 100 Parkplätze für den öffentlichen Bedarf abzutreten. Die kann sie kaufen oder mieten. Auf jeden Fall aber sollte dieses Angebot unbedingt die umstrittene Tiefgarage der Stadtwerke Hechingen unterm Obertorplatz ein weiteres und wohl letztes Mal zur Diskussion stellen. Wenn der Gemeinderat trotz allem hartnäckig an seinen dann eigentlich überholten Beschlüssen festhält, ist das EJL-Chef Daniel Löwenstein einerlei: „Wir bauen unsere Tiefgarage so oder so.“

Das zweite Gebäude (Buri/Zink) beschert der Stadt Hechingen das seit vielen Jahren gewünschte zusätzliche Hotel. Vier Sterne soll es haben, und man ist bereits im Gespräch mit verschiedenen Betreibern. Die Lindengasse, der steile Zugang zum First, soll erhalten bleiben. Letzterer steht derweil ebenfalls im Fokus der umtriebigen Bauherren. Daniel Löwenstein bekräftigt: „Wir haben Interesse am First.“ Damit soll es noch mehr Innenstadtbelebung geben. Dafür sorgen werden unter anderem ein Biolebensmittelmarkt, ein Drogeriemarkt und Gastronomie. Wie prächtig die schöne, neue Obertorplatzwelt einmal aussehen soll, zeigt eindrucksvoll ein Videoclip. Am Obertorplatz selbst steht die Firma aus dem Nasswasen dem Kauf weiterer Gebäude (die Volksbank) ebenso aufgeschlossen gegenüber wie dem Erwerb der rückwärtigen Häuser in zweiter Reihe.

Das alles soll es aber noch lange nicht gewesen sein. Denn so, wie die Stadt mit einem endlich neu gestalteten Obertorplatz auf neues Leben hofft, so geht auch EJL davon aus, dass diesem Unternehmen weitere nachfolgen. Bedarf an Sanierung beziehungsweise Neubebauung ist schließlich reichlich da, allein, wenn man aufs Katharinenviertel schaut, den Bereich zwischen First und Stiftskirche. „Wir machen den ersten Schritt, andere dürfen gern folgen“, sagt EJL-Sprecher Andreas Ermantraut, zuständig für die Unternehmensentwicklung.

Von einzelnen Projekte hier, da und dort kann übrigens keine Rede sein. Die Bauherren denken sehr wohl übergreifend. Und das heißt: Zwischen Obertorplatz, dem ebenfalls der EJL-Gruppe gehörenden City-Park und dem Neubau am Marktplatz und in der Kaufhausstraße gibt es Verbindendes.

Nächste Woche kommen die Archäologen

Probegrabungen Was verbirgt sich unter Umständen im tiefen Keller des Gebäudes Marktplatz 3, der früheren Rathaus-Apotheke? Womöglich die Reste einer früheren Stadtmauer? Die zieht sich eigentlich um die Goldschmiedstraße und die Rabengasse herum und ist teilweise noch sichtbar. Aber es könnte tatsächlich sein, dass ein Vorgängerbau im Untergrund des Anwesens neben dem Rathaus verborgen ist. Das will das Landesdenkmalamt in der kommenden Woche mit dem Spaten in der Hand feststellen.

Geschäfte und Markt EJL will das Grundstück Marktplatz 3 mit einem Geschäftshaus überbauen, Markthalle inklusive. Die Höhe und die Fassadengestaltung mussten auf Wunsch der Stadt verändert werden. Auf dem Juz-Parkplatz und der Brandbrache in der Rabenstraße sollen sich Gebäude mit Wohnungen anschließen. kle

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