So weit auf Abstand zueinander wie am Mittwochabend sind sie noch nie gegangen, die Damen und Herren Stadträte von Hechingen. Also jetzt nicht inhaltlich, sondern rein räumlich betrachtet. Das zahlenmäßig überschaubare Gremium des Bauausschusses nutzte die komplette Fläche des Europasaales der Stadthalle „Museum“ aus, um die Corona-Distanzgebote so wirksam wie möglich einzuhalten.

Die erste Sitzung seit dem Lockdown

Und so ging denn die erste Hechinger Ratssitzung seit dem Lockdown in jeder Hinsicht diszipliniert, hygienisch und auch erfreulich zügig über die Bühne. Wer sich im Raum bewegte, musste den Mundschutz aufziehen, wer am Platz saß, durfte ihn abnehmen. Das Publikum war auf die Empore verbannt und durfte (zum Verdruss einiger, die als Anlieger eines Bauvorhabens Fragen hatten) auch nicht mitreden, und die Pressetische waren so weit auseinander, dass man den Kollegen nur durch die Brille erkannte. Auf diese Weise wird kommunalpolitisches Tagen also noch eine Weile vonstatten gehen.
Und wenn der etatmäßige Sitzungssaal im Rathaus schon wegen zu großer Enge geräumt ist, dann können dort auch gleich die Bauarbeiter Einzug halten. Womit wir bei den Themen des Abends wären:

► Das Hechinger Rathaus ist in Teilen ein Sanierungsfall. Die Fassade zum Marktplatz hin weist Verfärbungen und Schäden auf. Die Maler werden gebraucht. Und auch die Flaschner, denn die Blechverwahrung am Giebel muss ebenfalls überarbeitet werden. Und weil für diese Arbeiten ein Gerüst aufgebaut werden muss, erscheint es der Stadtverwaltung ratsam, auch gleich die maroden, undichten Fenster im gerade ohnehin verwaisten Ratssaal sanieren (und in diesem Zuge Isolierglasscheiben einbauen) zu lassen.

Weil der Hechinger Verwaltungssitz „ganzheitlich unter Denkmalschutz steht“, hat bei allen Vorhaben das Landesamt für Denkmalpflege ein gewichtiges Wort mitzureden. Das scheint in diesem Fall aber unproblematisch zu sein. Es soll ja kein H&M ins Rathaus einziehen. Der Fassadensanierung hat das Landesamt schon zugestimmt, in Sachen Fenstersanierung läuft der Antrag. Die Fensterbauarbeiten vergab der Bauausschuss an die Firma Hummel aus Heiligenberg. Kostenpunkt: 74 100 Euro. Die Gesamtkosten summieren sich auf 93 700 Euro – was wiederum deutlich über Plan liegt. Den Mehrausgaben in Höhe von 32.800 Euro stimmte das Gremium gleichwohl einhellig zu.

Teure neue Brücke beim Stauffenburger Hof

► Beschlossen ist auch der Neubau der maroden Starzelbrücke am Stauffenburger Hof auf Gemarkung Stein. Ab Juni soll die Bauunternehmung Schneider aus Gruol den Abbruch der alten und den Bau der neuen Brücke stemmen. Schneider hatte mit knapp 691 500 Euro das günstigste Angebot abgegeben. Das Gesamtprojekt kostet 800 000 Euro. Davon müssen noch 200 000 Euro im kommenden Haushaltsjahr nachfinanziert werden.

Die „hohen Kosten für so ein Brückle“ missfielen nicht nur dem Freien Wähler Roland Huber, sondern auch Dr. Regina Heneka, weshalb beide ihre Zustimmung verweigerten. Regina Heneka hätte gerne Waldbesitzer und Landwirte beteiligt, derentwegen der Bau recht massiv ausfallen muss. Kleiner Trost: Das Land ist mit einem Zuschuss von 179 000 Euro dabei.

► Den Satzungsbeschluss für die erste Änderung des Bebauungsplans „Schlossacker I“ hat der Bauausschuss dem Gemeinderat empfohlen, der in seiner Sitzung am 28. Mai das letzte Wort hat. Neu aufgenommen ist das Verbot von Schottergärten und Zäunen mit Kunststoffmantel. Das soll in Zukunft bei allen Bebauungsplänen Standard werden.

► Beim Neubaugebiet „Wilden“ in Schlatt am Ortseingang aus Richtung Hechingen geht es jetzt an die Verkehrserschließung. Geplant ist eine Ringstraße mit Anschluss an die bestehenden Straßen. Die Zufahrt in das neue Baugebiet soll über den Bruppenweg erfolgen. Für die Zeit, in der gebaut wird, soll eine behelfsmäßige Baustellenausfahrt in die B 32 hergestellt werden – aber nur als Ausfahrt und nur ortseinwärts. Der richtige Anschluss an die B 32 kommt erst später, im zweiten Bauabschnitt.

Die jetzt anstehenden Straßenbauarbeiten vergab der Bauausschuss zum Angebotspreis von 358 800 Euro an die Balinger Firma Stumpp, die billigste Bieterin war. Erledigt werden soll der Auftrag im Zeitraum von Juni bis November. Eine weitere knappe halbe Million Euro fällt in diesem Bereich für die Straßenbeleuchtung, den Breitbandausbau, die Kanalisation sowie die Gas- und Wasserleitungen an.

Wohngebiet Kärntner Straße kommt noch lange nicht

► Aufklärung betrieben hat Stadtbaumeisterin Helga Monauni in Sachen Wohngebiet Kärntner Straße. Ein solches sei nicht beschlossen und stehe auch nicht mittelfristig bevor – obwohl die Stadt dort einen Lärmschutzwand zur B 27 hin baut. Klar sei: Zunächst werde der komplette Killberg erschlossen, und erst dann kämen weitere Wohngebiete in der Kernstadt.

► Eine Antwort erhielt die Bunte Liste auf ihre Anfrage zur alten Sporthalle des Gymnasiums, die stillgelegt wird. Nein, es gebe noch keine Neubau-Planung, Vereine und Volkshochschule müssten sich umorientieren, und die Gymnasiasten müssten im kommenden Schuljahr für den Sportunterricht teilweise in die Turnhalle von Boll ausweichen, teilte Erste Beigeordnete Dorothee Müllges mit.

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