Was auf den ersten Blick so aussieht, täuscht bei der Baustelle in der Niederhechinger Straße gewaltig: Zwar ist es dort an diesem Winternachmittag sehr ruhig und eingeschneit, aber auf dem Areal tut sich generell so einiges. Ein Gerüst, drei Bagger, Rohre, Dixiklos und ein Kran stehen für die Arbeiten bereit. Alles liegt im Zeitplan.

Die Stiftung Lebenshilfe Zollernalb lässt dort ein Gemeindepsychiatrisches Zentrum (GPZ) bauen. Drei Partner hat sich die Stiftung dafür ins Boot geholt: den Verein für gemeindenahe Psychiatrie in Balingen, das Vinzenz-von-Paul-Hospital aus Rottweil und die Sozialpsychiatrischen Hilfen Zollernalb der Bruderhaus Diakonie. „Wir haben uns eigentlich schon gemeinsam an die Planung gemacht“, bestätigt der Vorstandsvorsitzende Holger Klein. Seit Jahren gebe es ein gutes Miteinander, das bereits bei gemeinsamen Projekten, die auf den Weg gebracht wurden, unter Beweis gestellt worden war, zum Beispiel beim ersten GPZ, das in Balingen entstand.

Die Idee dahinter ist, dass psychisch kranke Menschen dort arbeiten und leben können. Sie sollen durch diese Tagesstätte zurück ins Leben finden. Die Angebote können dabei vom gemeinsamen Kochen bis hin zu leichten Tätigkeiten reichen. Schritt für Schritt sollen psychisch Kranke wieder am Alltag in der Gemeinschaft teilhaben. Am Ende könnte die Eingliederung in den normalen Arbeitsmarkt stehen.

Aktuell gibt es neue Fortschritte im ersten Bauabschnitt. Dort sollen zehn Appartements sowie Beratungsräume der Bruderhaus Diakonie für gemeinsames Wohnen sowie eine psychiatrische Institutsambulanz (Arztpraxis), die an das Vinzenz-von-Paul-Hospital angedockt ist, entstehen. Insgesamt sind dafür 750 Quadratmeter geplant. Bereits im Oktober haben diese Bauarbeiten begonnen. „Bisher sind wir sehr zufrieden mit dem Ablauf“, betont Holger Klein. Dankbar ist der Vorstandsvorsitzende auch über die Unterstützung, die ihm durch die Stadt Hechingen schon bei der Baugesuchsgenehmigung und der Beratung beim Hochwasserschutz zuteil wurde. Das Grundstück für das GPZ in Hechingen hat die Lebenshilfe bereits gekauft. Es ist ein Stück Wiese zwischen dem Weiher-Kindergarten und dem Campingplatz in der Niederhechinger Straße.

Das Vorhaben wird auch von der Aktion Mensch gefördert. Der erste Abschnitt soll im ersten Quartal 2020 hergerichtet sein. Der zweite Bauabschnitt wird im Herbst dieses Jahres begonnen und aller Voraussicht nach im April 2021 fertiggestellt sein. Die Arbeiten werden somit in beiden Bereichen ein Dreivierteljahr lang parallel erledigt. „Wir wollen das ja nicht ewig in die Länge ziehen“, begründet Holger Klein diesen Umstand. „2021 möchten wir es zu einem Abschluss bringen“, sagte er gegenüber der Hohenzollerischen Zeitung. Der zweite Bauabschnitt umfasst 2200 Quadratmeter. Diese werden für die Tagesstätte und das Betriebsgebäude verwendet. Die Stiftung sorgt dort für insgesamt rund 50 Arbeitsplätze sowohl für psychisch erkrankte als auch nicht-behinderte Menschen.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, und es gibt viel zu tun. Die Bauarbeiter sind gerade an den Fundamenten dran, auf denen das Erdgeschoss später errichtet wird. Zunächst waren sie mit den Erschließungsgräben beschäftigt. Auch große Kunststoffkörper, die dem Hochwasserschutz dienen, wurden im Boden befestigt. Das sei sowieso das Überraschende gewesen, teilt Holger Klein mit, dass dieser Hochwasserschutz das Projekt immer teurer gemacht habe. Konkrete Zahlen nannte er nicht.

750


Quadratmeter sind für die Bereiche Wohnung, Beratung und Behandlung vorgesehen. 2200 Quadratmeter bilden das Areal für die Tagesstätte und das Betriebsgebäude.