Bietenhausen Bald läutet es wieder in Bietenhausen

Bietenhausen / JUDITH MIDINET 22.08.2012
Die neuen Glocken in der Bietenhausener Kirche hängen: Rainer Starck und Manuel Averweg von der Glockengießerei Barchert schleppten in der größten Sommerhitze Joch und Klöppel in den Kirchturm.

Die Schweißtropfen perlen den beiden Glockenmonteuren von der Stirn. Mehr als 50 Grad hat es unter den schwarzen Dachziegeln der Bietenhausener Kirche. Auf nur wenigen Quadratmetern arbeiten Rainer Starck und Manuel Averweg von der Glockengießerei Barchert in Karlsruhe. Der Stuhl für die größte Glocke – die 500 Kilogramm schwere Marienglocke – ist bereits aufgebaut. „Den Stuhl fertigen die Zimmerer in der Gießerei an. Er muss dann im Kirchturm nur noch als Klicksystem zusammengebaut werden“, erklärt Rainer Starck.

Aufgehängt werden die neuen und alten Glocken dann an Eichen-Jochen. Auch bei der 700 Jahre alten Christus- und Evangelisten-Glocke werden die Stahljoche durch Holzjoche ersetzt. Langfristig drohe bei Stahljochen die Gefahr eines Sprödbruchs und „das Holz gibt einen schöneren Klang“, erklärt Glockenmonteur Starck.

Für den Klang sind eigentlich die Klöppel zuständig. Dieser wird schon beim Aufbau der Glocken, die aus Zink und Bronze gegossen werden, in der Gießerei bestimmt. Der größte Klöppel für die Marienglocke wiegt 20 Kilogramm, der kleinste für die Agathaglocke fünf Kilo. Die Klöppel werden an den beiden neuen Glocken mit einem Mittelbolzen, an den alten mit einem Wendering befestigt.

Für den Beruf des Glockenmonteurs müsse man schwindelfrei sein. „Man muss schon Geschick haben und auch Interesse zeigen“, sagt der Glockenmonteur. Die Arbeit im Bietenhausener Kirchturm sei nicht allzu schwer, da nicht viele Glocken montiert werden müssten und „der Kirchturm ist auch nicht allzu hoch“. Gegen die Hitze helfe allerdings nur trinken. Abbrechen müssten die beiden Monteure ihre Arbeit nur, wenn es bei Gewittern blitzt.

Seit drei Jahren ist Rainer Starck Glockenmonteur. Ein seltener Beruf, denn in Deutschland gibt es insgesamt nur noch vier Glockengießereien. Eigentlich ist Starck Landwirtschaftsmeister: „Daheim in der Pfalz habe ich noch ein bisschen Landwirtschaft. Wenn ich am Wochenende auf dem Schlepper sitze, ist das eher Erholung“, erklärt der Hobby-Landwirt. In Bietenhausen bekommt er Unterstützung von Manuel Averweg. Der Wirtschaftsingenieurs-Student jobbt in seinen Semesterferien bei der Firma Barchert. „Ich bin da durch Zufall reingerutscht, durch einen Bekannten beim Zivildienst“, erzählt Averweg. „Arbeiten kann er“, lobt ihn der ältere Kollege.

Wenn die Glocken gerade in ihrem Stuhl hängen, müssen nur noch die Motoren eingebaut und die Uhrzeiten zum Läuten programmiert werden. „Dazu brauchen wir Strom“, erklärt Starck, „denn an der Elektrik dürfen wir gar nichts machen.“ Die Elektriker werden voraussichtlich Anfang September eine neue Steuerung für alle vier Glocken einbauen. „Durch die Bauferien fehlen uns zwei Wochen im August“, erklärt Bauleiter Werner Sutter. Der Gesamtablauf ändere sich durch die Verzögerung aber nicht groß. Anfang September nimmt auch noch das Landesdenkmalamt die Fassade der Kirche in Augenschein, da kleine Farbnuancen geändert werden sollen. „Das sind aber keine großen Veränderungen“, versichert Sutter. „Wenn alles gut läuft, wird Ende September wieder abgerüstet. Wir hoffen, dass dann auch die Glocken wieder läuten“, erklärt der Bauleiter den weiteren Ablauf. Wenn jetzt die Glocken hängen, kann auch der Treppenaufgang im Kirchturm diagonal versetzt und der Boden umgebaut werden.

Die Glocken wird kaum noch jemand zu Gesicht bekommen, denn in den Kirchturm darf nur Fachpersonal: Die Monteure kommen in den ersten fünf Jahren alle drei Monate zur Wartung, um die Joche nachzuziehen. Anschließend nur noch einmal im Jahr.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel