Für heftige Diskussionen sorgte in der Sitzung des Rangendinger Gemeinderates der Tagesordnungspunkt „Stausee“, als es um die Aufsichtspflicht ging.

Bürgermeister Johann Widmaier wollte seinen Beschlussvorschlag, der eine Vereinbarung mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Rangendingen über Umfang und Entgelt von Wachdiensten sowie eine Stellenausschreibung eines Rettungsschwimmers zur Erfüllung der Aufsichtspflicht vorsah, durch den Gemeinderat bringen. Das aber stieß vor allem bei Gemeinderatsmitglied Reinhold Dieringer auf Widerstand.

Anlagen am Stausee entsprechen denen eines Naturbades

Widmaier hatte eingangs mitgeteilt, dass für den Stausee in seiner rechtlichen Funktion als Naturbad aus haftungsrechtlichen Gründen eine kommunale Aufsichtspflicht erforderlich sei. Gerade die Badeinsel mitten im Gewässer sei es, die den Rangendinger Stausee in die Position eines Naturbades rücke. Selbst das Vorhandensein von weiteren „bädertypischen Anlagen“ wie beispielsweise Badestege oder Wasserrutschen kämen einem Naturbad gleich. Widmaier hatte hier auf das vorhandene Floß und den Wasserspielplatz verwiesen. Nur die Insel zu entfernen reiche nicht aus, um automatisch den vorteilhaften Status einer „Badestelle“ zu bekommen, die von der Aufsichtspflicht befreit wäre.

Parksituation regt Anlieger auf

„Der Stausee ist keine Bereicherung, sondern eine Anreicherung von Problemen“, schimpfte Reinhold Dieringer laut. „Da haben wir auch noch eine Parksituation, der wir nicht Herr werden.“ Selbst das Androhen eines doppelten Bußgeldes bei Parkverstößen fruchte nicht. Für die Anlieger sei es im Sommer eine Zumutung, dort zu wohnen.
Außerdem kritisierte Ratsmitglied Dieringer den hohen Arbeitsaufwand, den die Bauhof-Mitarbeiter an sieben Tagen in der Woche stemmen müssten. Anschließend stellte sich Reinhold Dieringer die Frage, ob die Gemeinde dazu verpflichtet sei, einen „tollen Badesee“ parat zu halten. Daraufhin stellte Dieringer einen Antrag auf Rückbau der bädertypischen Anlagen, um vom Status Naturbad zu einem „öffentlichen See“ zu werden, der einfacher zu handhaben ist. Gerd Beiter, Rangendinger Ratsmitglied und zugleich Ortsvorsteher aus Höfendorf, verstand es nicht, dass der Stausee schlechtgeredet werde.

Bürgermeister will familienfreundliche Politik beibehalten

Energisch vertrat Bürgermeister Widmaier seine Ansicht und hatte absolut kein Verständnis für Dieringers Aussage. Rangendingen sei zu einer vorbildlichen generationenübergreifenden und familienfreundlichen Gemeinde geworden. „Das alles gilt es, beizubehalten und zu fördern“, sagte der Schultes weiter und warnte vor dem Rückbau der Gerätschaften am und im See. In einem solchen Fall wolle er kein Bürgermeister mehr sein, entgegnete Widmaier aufgebracht. „Das ist nicht meine Art von Politik, wollt ihr den Rückbau wirklich?“, rief der Rathauschef den Gemeinderäten verärgert zu und fügte hinzu: „Dann lasst uns darüber abstimmen.“

Finanzlage ist gut, Gemeinde kann sich Aufsichtspflicht leisten

Widmaier hob hervor, dass die Gemeinde in den zurückliegenden Jahren viel Geld in die Familienfreundlichkeit investiert habe. Die Finanzlage sei gut, und man könne sich das mit der Aufsichtspflicht am Stausee leisten.

Eintrittsgeld von den Auswärtigen?

Gemeinderat Rudolf Strobel wusste die Familienfreundlichkeit am Rangendinger See ebenfalls zu schätzen und plädierte, Eintrittsgeld von den auswärtigen Badegästen zu verlangen. Dafür aber müsse man einen Kassierer beschäftigten, gab Widmaier zu bedenken. Zur Lösung der verheerenden Parksituation schlug Josef Pfister, Ortsvorsteher aus Bietenhausen, eine Parkraumbewirtschaftung mit Ausweisung von gebührenpflichtigen Zonen vor. „Wenn man Parkautomaten aufstellt, müssen wir noch mehr Geld ausgeben“, reagierte Reinhold Dieringer auf Pfisters Vorschlag und bat darum, den Stausee so zu machen, „dass wir nicht haftbar sind.“

Gemeinderat lehnt Reinhold Dieringers Antrag ab

Dem von Reinhold Dieringer gestellten Ablehnungsantrag wurde mehrheitlich widersprochen. Bürgermeister Widmaier zeigte sich zuversichtlich, mit der DLRG-Ortsgruppe Rangendingen eine Aufsichtspflicht an Badetagen von 10 bis 18 Uhr gegen Bezahlung hinzubekommen.

„Ja“ zum Erhalt des Naturbads mit neuer Aufsichtspflicht

Bei der Abstimmung über den von ihm ausgearbeiteten Beschlussvorschlag hatte der Schultes die breite Mehrheit des Gemeinderats hinter sich.