Hechingen / SWP Das französische Partnerschaftskomitee Hechingens sieht die deutsch-französische Partnerschaft in Gefahr. Die Schuld dafür gibt die Runde einer Schulreform, die den Deutschunterricht schwächt.

Das Hechinger Komitee beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der französischen Schulreform und deren möglicher Auswirkung auf den Schüleraustausch und die Städtepartnerschaft zwischen Hechingen und Joué-lès-Tours. Gerhard Henzler skizzierte die inzwischen von der sozialistischen Regierung in Paris dekretierten Reformpläne für die Collège-Stufe, die für das Schuljahr 2016 greifen sollen. Zur besseren Motivation der Schüler gehörten die Abschaffung und Umgestaltung des zu "elitären" Sprachenangebots.

Bereits die Ankündigung der Reformpläne hatte im Nachbarland Frankreich nicht nur zu Eltern- und Lehrerprotesten, sondern auch zu einer Verstimmung auf höchster politischer Ebene zwischen Berlin und Paris geführt. Prominentester Kritiker in den eigenen sozialistischen Reihen ist übrigens Ex-Premierminister Jean-Marc Ayrault. Er war früher selbst Deutschlehrer.

Um mehr Chancengleichheit für alle französischen Schüler in der Mittelstufe zu erreichen, will die Bildungsministerin die vor zehn Jahren eingeführten bilingualen Klassen, in denen die Schwesternsprachen Englisch und Deutsch gleichrangig vier Jahre lang angeboten werden, und die Europaklassen mit ihren verstärkten Fremdsprachenangeboten abschaffen. Durch diese Klassen nimmt Deutsch mit 15 Prozent immerhin den dritten Platz in der Fremdsprachenfolge ein. Die Reformkritiker befürchten, dass dem Unterrichtsfach Deutsch der Todesstoß versetzt werde oder es zumindest zu einem Orchideenfach degeneriere.

Die Mitglieder des Hechinger Partnerschaftskomitees teilen die in Frankreich geäußerten Befürchtungen und sehen fatale Folgen für die Zukunft des Schüleraustauschs und der Städtepartnerschaft mit Joué-lès-Tours. Sie teilten einerseits die Einschätzung, dass eine Petition aus Hechingen an den französischen Staatspräsidenten François Hollande und seine Bildungsministerin Vallaud-Belkacem keine Auswirkungen haben werde.

Noch funktioniere der Schüleraustausch am Gymnasium, berichtete die für den Austausch 2015 verantwortliche Französischlehrerin Agate Schilling. In diesem Jahr nahmen 24 Schüler teil, obwohl 30 junge Hechinger gerne nach Frankreich gefahren wären. Aber die französischen Begleitlehrer sehen die Zukunft des Schulfaches Deutsch in ihrem Land nicht optimistisch. Nach der Reform werde die Zahl der Deutschschüler in der 37 000 Einwohner zählenden Stadt Joué-lès-Tours ihrer Meinung nach weiter sinken, und ob es dann noch einen Austausch geben werde, sei die große Frage, fürchten sie.

Gerhard Henzler, vor seiner Pensionierung Französischlehrer am Hechinger Gymnasium und dem Austausch sehr verbunden, schilderte den Niedergang des Faches Deutsch in den vergangenen 40 Jahren in Joué-lès-Tours. Im Collège La Rabière, der ersten Partnerschule, wird seit Jahren kein Deutsch mehr unterrichtet. Am Collège Vallée Violette ist die Zahl der Deutschschüler so zurückgegangen, dass die Lehrerin an mindestens zwei Schulen unterrichten muss, um ihr Deputat zu erfüllen. Mit dem Collège Beaulieu, das mit der Realschule Hechingen partnerschaftlich verbunden war, findet seit Jahren kein Austausch mehr statt. Am Collège Arche du Lude hatte sich dank der Initiative des früheren Schulleiters die Situation stabilisiert. Dennoch konnten die Collèges von Joué-lès-Tours die deutlich stärkere Nachfrage nach Austauschplätzen des Hechinger Gymnasiums nicht mehr befriedigen. Seit diesem Jahr wird mit dem Collège Pablo Neruda kooperiert, das ebenfalls in Tours liegt. Fazit: Von 24 französischen Austauschschülern kommen gerade noch zwölf aus der Partnerstadt, die anderen kommen aus Tours.