Jubiläum Ausstellung zum Jubiläum der Hechinger Amnesty-Gruppe ist eröffnet

40 Jahre Engagement: Viele Besucher gratulierten der Hechinger AI-Gruppe bei der Ausstellungseröffnung.
40 Jahre Engagement: Viele Besucher gratulierten der Hechinger AI-Gruppe bei der Ausstellungseröffnung. © Foto: Diana Maute
Diana Maute 12.12.2016

Eines der Stücke, das die beiden Musiker Matti Münch und Jörg Sommer bei der Eröffnung der Ausstellung gefühlvoll an Saxophon und E-Piano intonierten, war „Somewhere over the Rainbow“. Ein Lied, das eine heile Welt jenseits des Regenbogens beschreibt; eine Welt, in der Frieden herrscht, und der Himmel immer blau ist. Aber auch eine Welt, die mit der Realität leider nur wenig gemein hat. Denn hier herrscht, zumindest was die Wahrung der Menschenrechte betrifft, oft mehr Schatten als Licht.

Genau diese Schattenseiten rückt die Hechinger Amnesty-International (AI)-Gruppe seit vier Jahrzehnten ins Licht der Öffentlichkeit. Unermüdlich kämpfen die Mitglieder für Gerechtigkeit und gegen Menschenrechtsverletzungen, und zwar weltweit. Wie viel die kleine Gruppe in dieser Zeit geleistet hat, zeigt die Ausstellung „40 Jahre Amnesty International Hechingen – Stimmen aus der Gründerzeit“, die am Sonntag im Beisein zahlreicher Gäste eröffnet wurde.

„Seit 40 Jahren setzt sich die Hechinger Amnesty-Gruppe gegen politische Inhaftierungen und Folter ein“, würdigte Bürgermeisterin Dorothea Bachmann das Engagement der Mitglieder. Viele menschliche Schicksale seien der Gruppe in dieser Zeit anvertraut worden, immer wieder konnten Erfolge verzeichnet werden. „Dennoch hoffen wir, dass wir Sie irgendwann einmal nicht mehr brauchen“, wandte sich Bachmann an die AI-Mitglieder. Denn das würde nichts anderes heißen, als dass die Menschenrechte überall auf der Welt respektiert würden.

Die erschütternde Bluttat, die sich in Hechingen vor wenigen Tagen ereignete, zeige, dass Menschenrechtsverletzungen auch „mitten unter uns“ geschehen. „Lassen Sie sich nicht entmutigen. Sie haben schon viel bewegt“, appellierte die Bürgermeisterin.

Françoise Schenkel, Vorsitzende der Hechinger AI-Gruppe, nahm das Jubiläum zum Anlass, zurückzublicken. „So aktiv waren wir in all den Jahren“, habe sie im Vorfeld der Ausstellung beim Durchsehen der alten Unterlagen überrascht festgestellt. Was in vier Jahrzehnten auf die Beine gestellt wurde, kann sich in der Tat mehr als sehen lassen. Zeitungsartikel, Fotos und Plakate, die die Ausstellung zeigt, sprechen für sich.

„Bei all unseren Aktivitäten konnten wir stets auf Unterstützung zählen“ bedankte sich Schenkel bei allen Mitstreitern. Dieses Engagement dürfe nicht nachlassen, denn: „Die Welt ist nicht besser geworden“, konstatierte sie.

Einen lebendigen Einblick in die Anfänge der Hechinger AI-Gruppe gaben die Gründungsmitglieder Franz Leinweber und Klaus Marheineke. Leinweber berichtete, wie er als Jugendlicher Zeuge eines Vorfalls wurde, bei dem Menschenrechte regelrecht mit Füßen getreten wurden. „Dieses Erlebnis hat mich nicht mehr losgelassen.“ Um dem Gefühl von Machtlosigkeit fortan aktiv begegnen zu können, hob er am 19. August 1976 im „Fecker“ gemeinsam mit Schulfreunden und Unterstützern wie dem ehemaligen Physiklehrer Klaus Marheineke die Hechinger AI-Gruppe aus der Taufe.

„AI war zu dieser Zeit noch sehr umstritten und bei weitem nicht so anerkannt wie heute“, erinnerte sich Marheineke. Beide Gründungsmitglieder unterstrichen die Bedeutung der Basis-Arbeit in den AI-Gruppen, die wichtiger sei denn je.

Dass in Sachen Menschenrechte jeder aktiv werden kann, erläuterte Gisela Münch. Sie rief zum Briefmarathon auf, mit dem sich AI für die türkische Rechtsanwältin Eren Keskin einsetzt.

Info Die Ausstellung ist bis Freitag, 13. Januar 2017, zu sehen und kann zu den Öffnungszeiten des Rathauses, montags bis freitags, 8.30 bis 12.30 Uhr, und donnerstags 14 bis 18 Uhr, besichtigt werden.