Die Lehre, die wir heute aus der Tat Georg Elsers ziehen können, ist nicht die, Gewalt anzuwenden, sondern, dass wir uns über Recht und Unrecht selber Gedanken machen – sagte Joachim Ziller bei der Eröffnung der Ausstellung im Landesmuseum. Elser habe sich Gedanken gemacht, er habe bereits 1938 erkannt, dass das Hitler-Regime entschlossen war, einen Krieg zu beginnen. Wobei er sich wohl nicht vorstellen konnte, dass dieser Krieg 55 Millionen Menschenleben kosten würde. Doch Elser beschloss zu handeln, den Krieg zu verhindern, indem er Adolf Hitler liquidierte.

Aufarbeitung Landesmuseum zeigt Ausstellung über Georg Elser

Zeitbombe von höchster Präzision

Wie Ziller, Mitglied des Georg-Elser-Arbeitskreises in Heidenheim sowie Leiter des Hauptamts und der Volkshochschule Königsbronn, weiter ausführte, plante Elser, ein gelernter Schreiner, seine Tat ein Jahr lang, baute eine Zeitbombe von höchster Präzision und versteckte sie im Bürgerbräukeller, wissend, dass Adolf Hitler hier, einem Partei-Ritual folgend, am 8. November 1939 eine Rede halten würde.

Nächtelang hatte er sich dafür in der Bierhalle verborgen gehalten, hatte eine Säule ausgehöhlt und seine Bombe darin platziert. Ausnahmsweise verließ der Diktator die Versammlung jedoch früher als gewohnt, die Bombe explodierte 13 Minuten zu spät und riss acht Menschen in den Tod. Elser wurde geschnappt, bis 1945 als Sonderhäftling gefangen gehalten und wenige Tage vor Kriegsbeginn im KZ Dachau umgebracht. Zum Schauprozess, den Hitler ihm zugedacht hatte, kam es nicht mehr.

Mehrheit schaute weg

Ziller bezeichnete den Schreiner als einen „mutigen und weitsichtigen Mann“. Seine Tat zeige – auf beschämende Weise – dass man als Bürger sehr wohl wissen konnte, was im Dritten Reich vor sich ging und wohin der Kurs der Nazis steuerte.

Dagegen habe die Mehrheit der Deutschen „weggeschaut“, sie behauptete nach Kriegsende, man habe nichts von alldem gewusst, habe ja als Einzelner auch nichts unternehmen können. Elser, der ,einfache Mann aus dem Volk’ konnte es. Er war bereit, dafür das eigene Leben zu riskieren.

Eben diese beschämende Einsicht, führte Ziller aus, habe die Würdigung des Einzelgängers lange Zeit erschwert. Hinzu kam das Gerücht, Elser sei Mitglied der SS gewesen. Verbreitet hatte dieses Gerücht ausgerechnet der Theologe Martin Niemöller, selber Regimegegner und KZ-Häftling.

Lichtgestalt des Widerstands

Doch auch in Elsers letztem Wohnort Königsbronn habe man sich lange Zeit schwer getan, wusste Ziller aus eigenem Erleben: In den Verhören nach der Tat wurden Bekannte und Nachbarn von der Gestapo schikaniert und drangsaliert. Das lastete lange auf seinem Andenken.

Erst langsam setzte sich die Ansicht durch, dass Elser eine Lichtgestalt des Widerstands war, weil er anders als etwa die Offiziere und Adligen um Claus Graf von Stauffenberg frühzeitig handelte und er allein auf sich gestellt war. Dass das Attentat fehlschlug und acht Menschen getötet wurden, so Ziller, habe Elser Zeit seines restlichen Lebens nicht verkraftet.

Nochmals rief der Referent auf, sich über Politik und Gesellschaft selbst kritische Gedanken zu machen. „Ich erinnere an Trump und Erdogan. Es muss einem zu denken geben, wenn solche Leute Hass und Lügen verbreiten und ihnen die Hälfte der Bevölkerung hinterherläuft. Elser ließ sich nicht von der allgegenwärtigen Propaganda beeinflussen!“

Ähnlichen Respekt vor der Zivilcourage des Schreiners hatten zuvor David Hendel, Leiter des Hohenzollerischen Landesmuseums, und Bürgermeister Philipp Hahn in ihrer Begrüßung bezeugt. Beide hofften, dass der Ausstellung Erfolg beschieden sein möge. Die Hoffnung dürfte berechtigt sein. Schon zur Eröffnung am Dienstagabend konnte das Foyer des Museums die Besucher, rund 100, gerade noch fassen. Für die kommenden Wochen haben sich bereits mehrere Schulklassen angemeldet. Der vollständige Titel der Dokumentation im Hechinger Landesmuseum lautet: „,Ich habe den Krieg verhindern wollen’ – Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1938“. Zu sehen sind nicht nur Bild- und Schriftdokumente, sondern auch Gegenstände aus dem persönlichen Besitz Elsers, Dinge, die ihm gehörten und an denen er womöglich hing: eine von ihm gebaute Uhr und eine Schmuckschatulle mit Intarsien, Teile seines Schreinerwerkzeugs sowie seine Zither. In einer Dauerschleife werden außerdem Szenen aus dem 2015 produzierten Lindenhof-Stückes „Allein gegen Hitler“ gezeigt.

Das könnte dich auch interessieren:

Marc Cain auf der Berliner Modewoche Die Perlentaucher stehlen allen die Show

Berlin/Bodelshausen

Elser-Film läuft zwei Mal im Burgtheater


Dauer Die Ausstellung ist bis zum 1. März im Landesmuseum zu sehen. Öffnungszeiten sind mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. Sonderführungen kann man unter Tel. 07471/940188 vereinbaren.

Vorträge Einen ersten Vortrag über Georg Elser wird Josef Seibold von der Elser-Gedenkstätte Königsbronn am 26. Januar um 19 Uhr in der Alten Synagoge Hechingen halten. Einen Original-Nachbau der Zeitbombe, die Hitler vernichten sollte, wird Rudolf Hangs, ein Neffe Johann Georg Elsers, am 11. Februar um 19 Uhr im Landesmuseum zeigen.

Film Das Burgtheater Hechingen zeigt zur Ausstellung den preisgekrönten Spielfilm „Elser – Er hätte die Welt verändert“. Spielzeiten sind am kommenden Sonntag um 17.45 Uhr und am Mittwoch, 22. Januar um 20 Uhr. Er basiert auf den Protokollen der Verhöre nach dem Anschlag.