Pablo Picasso soll gesagt haben, dass er Nasen absichtlich schief gemalt hat, damit die Leute gezwungen sind, sie anzusehen. Das menschliche Antlitz war in der Kunst schon zu allen Zeiten ein immer wiederkehrendes, vielfach interpretiertes Motiv.

Auch die jungen Künstlerinnen und Künstler des Hechinger Gymnasiums haben sich intensiv mit der Porträtmalerei auseinandergesetzt. Die beeindruckenden Ergebnisse sind in der Ausstellung „Selbstdarstellung und Verwandlung“ zu sehen, die am Donnerstagabend in der Rathausgalerie vor großem Publikum eröffnet wurde.

Zur Einstimmung sangen Schüler des Musikkurses der Klasse 11 unter der Leitung von Wolfgang Nägele das jiddische Lied „Huljet, Huljet Kinderlech“ und ließen später noch ein echtes Klangerlebnis folgen: „Ratibor – Fuge aus der Geographie für sprechenden Chor“ von Ernst Toch, wofür sie viel Beifall ernteten.

Als Gastgeberin begrüßte die Erste Beigeordnete der Stadt, Dorothee Müllges, die Gäste. Die Werke der Schüler seien nicht alltäglich und sehr überzeugen, stellte sie fest. „Sie müssen in die Öffentlichkeit und müssen stolz gezeigt werden“, sagte sie anerkennend.

Von der Fotografie über die Zeichnung, teilweise in Mischtechnik, bis hin zur Malerei zeigt die Ausstellung vor allem Porträts, die sowohl die Schüler selbst wie auch andere Menschen dar­stellen.

„Selfies der ganz besonderen Art“ nannte die Rektorin des Gymnasiums, Melanie Dreher, die Arbeiten, die alle in den Kunst-Neigungskursen unter Kunstlehrer Tillmann Gäckle in den Jahren 2016 bis 2019 entstanden sind. „Kunst gehört zur Bildung“, betonte Dreher. Kunst stehe für „das Kreative, das Soziale, das Handelnde“ als wichtige Komponenten von Bildung. Gerade die Künste – die bildende Kunst wie auch die Musik – hätten eine „schulprägende Funktion“ zu erfüllen.

Kunstlehrer Tillmann Gäckle führte in die Ausstellung ein. Seine Schüler haben sich intensiv mit zwei Künstlern auseinandergesetzt: mit dem vor 350 Jahren verstorbenen, niederländischen Maler Rembrandt und mit der zeitgenössischen US-amerikanischen Künstlerin und Fotografin Cindy Sherman. Sie sei bekannt für ihre vieldeutigen Arbeiten, die „Geschichten hinter dem Bild“ erahnen lassen und erzählen, während er, Rembrandt, ein Meister der fein differenzierten Mimik war. Das Erlernte zeige sich freilich nicht nur in den ausgestellten Werken, sondern werde in der Theorie natürlich auch in den Klausuren abgefragt und fließe in den Notenspiegel ein.

Anschließend erläuterten fünf Schüler – Jakob Streich, Anna Adler, Vanessa Denk, Satine Goller und Hannah Dyma – die verschiedenen Darstellungsformen und gaben Einblicke in die Herangehensweise, die Schwierigkeiten und die gewonnenen Erkenntnisse. So stellte eine Sprecherin als Fazit fest: „Man nimmt sich selber anders wahr als alle anderen.“ Ein andere Sprecher skizzierte die Aufgabenstellung beim Fotografie-Projekt: In drei Stufen mussten die Schüler herausarbeiten, was 1. sie selbst in ihren eigenen Augen darstellt, wie sich 2. Selbst- und Fremdwahrnehmung unterscheiden und wie sie 3. ihre Identität ohne Kopf darstellen würden. „Man hat mehr über sich gelernt“, fasste er zusammen. Über das Zeichnen von „Köpfen aus verschiedenen Perspektiven mit guter plastischer Qualität“ berichtete eine weitere Sprecherin. Auch den einzelnen Bestandteile des menschlichen Gesichts – Mund, Nase, Ohren – habe man sich  intensiv gewidmet. In Gouachemalerei schließlich wurden markante Gesichter „mehr oder weniger alter Menschen“ festgehalten, darunter zum Beispiel das des genialen Physikers Albert Einstein. Die Ausstellung dauert bis zum 21. Juni.