Hechingen Ausklang mit Musik und Lyrik

Hechingen / SWP 26.01.2012
Am morgigen Freitag, 27. Januar, um 18 Uhr, findet in der Alten Synagoge die Finissage der Andreas-Felger-Ausstel- lung statt.

Die gemeinsame Hechinger Aktion, zeitgleich Bilder aus verschiedenen Schaffensepochen des Künstlers Andreas Felger in der Villa Eugenia, in der Alten Synagoge und im Bildungshaus St. Luzen auszustellen, kann schon jetzt als großer Erfolg bezeichnet werden.

Selten haben alle drei beteiligten Kultureinrichtungen eine solch positive Resonanz und so zahlreiche Besucherströme erlebt. Während die Vernissage im November in der Villa Eugenia stattfand, wird die Finissage an diesem Freitag in der Alten Synagoge zu erleben sein. An jenem Tag also, den Roman Herzog 1996 als nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus eingeführt hat, der die Erinnerung an die Verbrechen und Mordaktionen der damaligen Täter wach halten soll. Da sich auch Andreas Felger dieses Themas sehr intensiv angenommen hat, hat man sich zu einer Verknüpfung der Termine entschlossen.

Da sich der Künstler erklärtermaßen bei vielen seiner Werke von Musik inspirieren ließ und sich auch Bilder in der Synagoge ganz dezidiert auf bestimmte Kompositionen beziehen, wurde die Musik passend dazu ausgewählt. So wird Kammermusik von Arnold Schönberg zu hören sein, dem Begründer der Zweiten Wiener Schule, einem der profiliertesten stilbildenden Komponisten des 20. Jahrhunderts, der Deutschland schon 1933 verließ. "Verklärte Nacht" ist das bekanntestes Werk aus seinen frühen spätromantischen Anfängen, das, als Streichsextett komponiert, auch sehr häufig von Kammerorchestern zu hören ist. In der Synagoge wird es in der Fassung für Klaviertrio dargeboten mit dem Pianisten Alexander Reitenbach, Lesja Ponomarowa,Violine, und Kirill Timofeev, Cello. Norbert Kirchmann wird die Klavierstücke, op. 19, beisteuern, die zu Schönbergs ersten atonalen Kompositionen zählen. Eines der berühmtesten Werke Schönbergs "Ein Überlebender aus Warschau", op.47, ein Melodram für Orchester, Männerchor und Sprecher, wird als Tonaufnahme zu hören sein. Es entstand 1947 und gehört zu den eindrucksvollsten musikalischen Beiträgen zum Thema Holocaust.

In deutscher Sprache sind Kommandorufe eines Feldwebels zu hören, im Schlusschor singen jüdische Gefangene hebräisch das jüdische Glaubensbekenntnis "Schmaa Jisrael". Fünf der ausgestellten Bilder, die Andreas Felger schon in das Buch "Fremdling Du" eingefügt hatte, reflektieren diese Musik, die sich auf eine Szene im Warschauer Ghetto bezieht. Der Herausgeber dieses 1993 erschienenen Buches mit Beiträgen jüdischer Autoren wird bei der Veranstaltung mitwirken. Es ist der aus Mainz stammende Historiker und Schriftsteller Dr. Oliver Kohler, der Felger durch andere gemeinsame Veröffentlichungen verbunden ist. Er wird Lyrik und Prosa von Nelly Sachs, Paul Celan und Chaim Noll aus "Fremdling Du" sowie eigene Gedichte vorlesen. Ein Text aus seinem neuesten Buch "Die längste Reise ist die Reise nach innen" zeigt den UN Generalsekretär Dag Hammersköld als Visionär der Menschlichkeit.

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