Stetten bei Hechingen Aus dem schwäbischen Alltag

Bestens aufgelegt präsentierte sich der schwäbische Kabarettist Martin Leibssle bei der Kirbe des Stettener Musikvereins.
Bestens aufgelegt präsentierte sich der schwäbische Kabarettist Martin Leibssle bei der Kirbe des Stettener Musikvereins. © Foto: Eberhard Wais
Stetten bei Hechingen / EBERHARAD WAIS 27.10.2014
Für Maultaschen und Kehrwoche hat Martin Leibssle, der urschwäbische Alltagsbruddler, wenig bis gar nichts übrig. Dafür umso mehr für ein, zwei, drei Bier. Am Samstagabend lag ihm Stetten zu Füßen.

Eigentlich war die Stettener Festhalle zwar bayerisch blau-weiß geschmückt, an der Besenwirtschaft blinkte und leuchtete ein Tonnen-Leuchtturm, viele im voll besetzten Rund waren im Dirndl und manche in der Lederhose gekommen - dennoch war es ein richtig gehend schwäbischer Abend beim Musikverein.

Dafür war Martin Leibssle alias Eckhard Grauer, der Reutlinger Mundartkabarettist viel zu präsent. Er sprach und witzelte den Zuhörern, von denen keiner offenkundig des Schwäbischen nicht mächtig war, aus der Seele, das aber nicht ohne Tiefgang, treffend, aber nicht verletzend, immer die eigene Befindlichkeit in den Mittelpunkt stellend, wohl wissend, dass er damit die große Mehrheit im Saal einbezog: "Älles isch besser, als koen Schwab zom sei!"

Wie das Leben halt so spielt, erzählt Leibssle ohne Pause von seinen verqueren Erlebnissen, seine häuslichen und öffentlichen Geschichten voll eigener Logik, der bauernschlaue Binnenphilosoph eben, als der sich Eckhard Grauer einen landesweiten Namen gemacht hat. Er reitet aber nicht auf den sattsam bekannten Maultaschen- und Trollinger-Klischees herum, sondern bietet tiefschürfende, humorvolle Einsichten übers Alltagsgeschehen. Dabei helfen ihm "Bekannte" aus dem Publikum, der einmalige Dietmar und die fesche Conny etwa.

Kulisse bracht Martin Leibssle keine, ihm reicht der Pepitahut als Markenzeichen, die Bierflasche als Rhythmusinstrument und sein Kumpel Fritz, Joachim Fritz im bürgerlichen Leben, mit Gitarre und am Piano, wenn er einen seiner eingängigen Songs anstimmt. Denn Grauer ist nicht nur Mundartkabarettist, sondern auch ein Musiker, der rockt und groovt, besingt den Einkaufszettel und die Edeltraud, den Wellness-Wahnsinn oder auch die Schwaba-Hymne.

Im Vordergrund stehen natürlich die spaßig-nachdenklichen Geschichten, die Martin Leibssle erzählt, die den Abend so unterhaltsam machen. Ob er nun über sein Lieblingsgetränk Bier philosophiert, das gegenüber dem Wein zwei Vorteile hat - es löscht den Durst und erhält ihn gleichzeitig, man kann es trinken statt nur genießen. Oder wenn er mit seinem alten Kumpel aus Amerika nach acht Bier und vier Schnäpsen rückwärts im Kreisverkehr fährt, dabei einen andern rammt und doch davonkommt, weil jener noch mehr getankt hatte. So einer wie Leibssle hat sein eigenes Weltbild. Die Evolution hat es eben so gewollt, genauso wie der Elefant das Trompeten lernt, weil er nicht auf seinem Rüssel "rumdabba" will.

Dabei weiß Leibssle ganz genau, was so vor sich geht - am Samstag beispielsweise vom grandiosen, unerwarteten, epochalen 5:4-Sieg des VfB, oh Veh, im fernen Banker-Frankfurt. Er ist eben ein knitzer, neunmalkluger Schwabe, eigentlich ein fauler Hund, der weder mit Nordic Walking noch mit dem Politiker-Gequassel etwas anfangen kann. Seine Welt ist noch in Ordnung und nicht aus den Fugen. Ohne mehrere Zugaben dürfte Leibssle/Grauer in Stetten daher nicht von der Bühne.

Aber danach war ja noch lange nicht Schluss. Die Gandental Swingers übernahmen wieder die musikalische Regie, die feschen Bedienungen die Verköstigung der ausgehungerten Gäste, und am gestrigen Sonntag ging es munter weiter mit dem Musikverein Hailfingen sowie nachmittags mit der Jugend der Musikvereine Stetten und Boll - mit der Blockflötengruppe, der Jugendkapelle I und erstmals auch der Jugendkapelle II.

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