Die Bücherverbrennung im Mai 1933 erschüttert noch heute. Sie steht für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und die Verfolgung von Autoren und Künstlern im Nationalsozialismus. Der Jahrestag hält die Erinnerung wach und dient als Mahnung.Jedes brennende Buch ist ein Fanal der Unfreiheit. "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen. " Diese grausig- prophetischen Worte Heinrich Heines sollten sich nach Hitlers Machtergreifung schon sehr bald bewahrheiten. Am 10. Mai des Jahres 1933 verbrannten Nationalsozialisten in Berlin und anderen Universitätsstädten zehntausende Bücher verfemter Autoren.

Viele Monate hatten sich Lehrer und Schüler der Alice-Salomon-Schule intensiv, engagiert und hoch motiviert mit diesen Ereignissen vor 80 Jahren befasst und beschlossen, sie auf ihre Art aufzuarbeiten. In einer musikalisch-szenische Lesung sollten die "verbrannten" Autoren symbolisch aus dem Feuer geholt und der Öffentlichkeit zurückgegeben werden.

Zum Auftakt erfolgte aus mehreren Stellen des Raumes - gleichsam um die Verschiedenartigkeit der Autoren, Philosophen, Wissenschaftler, Lyriker und Romanciers zu verdeutlichen - die namentliche Nennung von 24 jüdischen, pazifistischen und anderen oppositionellen Schriftstellern; darunter Karl Marx, Heinrich Mann, Sigmund Freud, Erich Kästner und Kurt Tucholksy. Als kleines Intermezzo spielte Hannah König an der Oboe, begleitet von Deborah Horky am Klavier, das Stück "Crystal Spring".

Erstaunt stellte der Dichter Oskar Maria Graf fest, dass ausgerechnet er nicht in die "schwarze Liste" aufgenommen worden war. "Verbrennt mich!" schrieb er mit fliegender Feder in der Wiener Arbeiterzeitung, "Verbrennt mich! Tut mir das nicht an! Lasst mich nicht übrig! Habe ich nicht immer die Wahrheit berichtet in meinen Büchern?" Mit sogenannten Feuersprüchen wurde das Auto-dafè eingeleitet.

Die fleißigen Hände der Akteure schafften in Bollerwägen immer neue Stöße des geduldigen Papiers heran, verlasen die Titel und fütterten ein symbolisches Flammenmeer. Betrübt stellte Erich Kästner als Augenzeuge fest: "Die Feuer brannten. Auf dem Opernplatz in Berlin. Auf dem Königsplatz in München. Auf dem Schlossplatz in Dresden. Sie loderten in jeder deutschen Universitätsstadt." Doch die Schülerinnen und Schüler der Alice-Salomon-Schule wollten der Vernichtung geistiger Freiheit Namen, Stimmen und Gesten entgegensetzen. Indem sie mit Bedacht ausgewählte Textstellen und Gedichte von Rose Ausländer, Hermann Broch, Kurt Tucholsky, Jakob Wassermann und Irmgard Keun eindrucksvoll zu Gehör brachten, holten sie die "Verbrannten" zurück ins Bewusstsein des Publikums.

Phantasievolle musikalische Einlagen, ein Kanon gesungen von allen, ein Walzer, bei dem Lea Mayer mit der Querflöte und Peter Werkmann am Klavier brillierten, sowie ein israelischer Tanz, trugen ebenfalls zu einer gelungenen Vorstellung, einer Gesamtleistung aller Beteiligten, bei.