Prozess Auftakt im Prozess um Überfall auf Meßstetter Apotheke

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OLGA SCHWAB 25.02.2015
Seit Dienstag steht ein 52-jähriger Albstädter vor dem Landgericht Hechingen. Er soll im Oktober vergangenen Jahres eine Apotheke in Meßstetten überfallen haben. Er habe, so lautet die Anklageschrift, von beiden Angestellten Geld gefordert und verlieh seiner Forderung mit einem Stein Nachdruck, den er mehrfach auf den Verkaufstresen gehauen haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann deshalb besonders schwere räuberische Erpressung vor. Bei der Polizei ist der Mann kein Unbekannter. So musste sich der 52-Jährige laut Bundeszentralregister schon mehrfach vor Gericht verantworten: Diebstahl, Betrug, Bedrohung und Trunkenheit am Steuer füllen mitunter sein Strafregister. Seinen Lebenslauf prägen zudem mehrere Aufenthalte in einer Entziehungsanstalt aufgrund seines Alkoholproblems. Bei dem Überfall auf die Meßstetter Apotheke soll der Angeklagte einen Blutalkoholwert von über zwei Promille gehabt haben. An den genauen Tathergang könne er sich nicht erinnern, beteuerte der 52-Jährige am Dienstag vor Gericht. Richter Herbert Anderer wollte dem Angeklagten bei seiner Aussage nicht glauben: „Dafür mache ich den Job schon zu lange.“ Dennoch blieb der Angeklagte bei seinem Wort und räumte zwar ein, sich zu erinnern, den Überfall begannen zu haben, aber keine Details mehr zu wissen. Dass er von den beiden Angestellten 550 Euro erbeutet und ihnen unter anderem gedroht haben soll, wie beide Apothekerinnen aussagten, wisse er nicht mehr. Er schilderte, dass er aufgrund einer Auseinandersetzung mit seiner Frau das Haus verlassen habe, besorgte sich in einem Ebinger Supermarkt Wein und Schnaps und sei per Anhalter nach Meßstetten gefahren. Aus polizeilicher Sicht gab es keine Anzeichen dafür, dass der Mann die Tat geplant hatte. Laut Aussagen der beiden Apothekerinnen soll der Mann zunächst die Apotheke betreten und sich nach einem Medikament erkundigt haben. Den Apothekerinnen sei zwar nicht entgangen, dass der Mann getrunken hatte, einen unzurechnungsfähigen Eindruck habe er aber nicht gemacht. Kurze Zeit später soll der Mann zurückgekehrt sein, um die Apotheke zu überfallen. „Das ist ein Überfall“, soll er den Zeuginnen zufolge gesagt haben. Da die Apothekerinnen ihn zunächst nicht ernst genommen haben, habe er mit dem Stein auf den Tresen gehauen und soll gedroht haben: „Ich schlag' euch den Schädel ein. Ich kann auch mein Messer ziehen.“ Kurz nach dem Überfall nahm ihn die Polizei fest und brachte ihn in einer Psychiatrie unter. Bei der Durchsuchung des Mannes blieb von der Polizei unbemerkt, dass er die Beute in seinem Socken versteckt hatte. Der Mann behauptete bei der Vernehmung, sich nicht daran zu erinner, wo er die Beute habe. In der Psychiatrie soll er laut Aussage des Arztes aber versucht haben, das Geld unter einem Kissen zu verstecken. Seit der Tat befindet sich der Angeklagte in der Psychiatrie. Am Freitag soll das Urteil gesprochen werden.