Jungingen Auf dem Weg nach oben

Das Junginger Blasorchester lief beim Kirchenkonzert in St. Silvester zu einer absoluten Hochform auf. Foto: Horst Bendix
Das Junginger Blasorchester lief beim Kirchenkonzert in St. Silvester zu einer absoluten Hochform auf. Foto: Horst Bendix
Jungingen / HORST BENDIX 11.06.2013
Ein glanzvolles Kirchenkonzert bekamen die annähernd 150 Zuhörer am Sonntagabend in der Wallfahrtskirche vom Junginger Blasorchester serviert. Die Beifallsbekundungen wollten denn auch nicht enden.

Es waren imposante, gewaltige Werke, ruhige Choräle, mitreißende und stimmungsvolle Gospel voller Freude. Und man kann ohne Übertreibung behaupten, dass das Blasorchester des Musikvereins Jungingen unter seinem befähigten Dirigenten Thomas Brolde auf dem Weg zur Spitzenkapelle ist. Dem Dirigenten gelingt es immer wieder, das Orchester jede Woche ein kleines Stück in der Probenarbeit besser zu machen, indem er unter anderem akribisch auf Gehörbildung und Intonation achtet, und die Musiker zu einem perfekt klingenden Kollektiv zusammenführen will, was ihm auch in den einzelnen Registern bei diesem Kirchenkonzert bestens gelang. Die eine oder andere winzige Unsicherheit war zwar nicht zu überhören, aber das war der Akustik des hohen Kirchengebäude zuzuschreiben.

Es war schon spannend, den "Friedensmarsch" aus "Rienzi" von Richard Wagner gleich zu Beginn zu hören. Dieses Stück war wirklich passend für einen würdevollen Gottesdienst vom Piano bis zum Fortissimo und getragenen Klängen. Es war ein Meisterstück des Blasorchesters, im zweiten Werk "Imagasy", einem der schönsten Geschenke, welche die Musik zu geben hat, die Fantasie der Zuhörer zum Tragen kommen zu lassen. Die Anregung dazu erhalten hatte der Komponist durch die Beobachtung eines kleinen Kindes, das sich malend in eine Traumwelt versetzte. Viel Vorstellungskraft und Phantasie brauchte das Publikum nicht dazu, es konnte sich in den Kirchenbänken zurücklehnen, so gewaltig wurden Pauken und Trompeten eingesetzt. Schlagzeuger Oliver Simmendinger brachte mit dem Peitschenkall noch mehr Schwung hinein.

Was wäre ein Kirchenkonzert ohne richtigen Choral gewesen: Die Klangfarbenpalette des Orchesters überzeugte, und es gab einige massive Tutti-Passagen, die an eine Orgel erinnerten; so ruhig mit breiten und warmen Tönen ausstaffiert hörte sich diese Komposition an. Es war zwar schwierig für die Musikerinnen und Musik zu spielen und sehr anspruchsvoll, aber die Zuhörer wussten es durchaus zu schätzen - spontaner Beifall brandete sofort nach dem Stück auf, ein deutliches Zeichen, das es Gefallen fand.

Mit "Musik für Michaela" traf das Blasorchester erneut den Nerv des Publikums. Auf eindrucksvolle Weise zeigte sich, wie eine einfache Melodie die Möglichkeiten eines Blasorchester ausschöpfen kann. Es waren romantische Klänge für alle Liebhaber dieser Musik, und besonders für die anwesenden Michaelas.

Mit innerer Glut hat der Komponist Luigi di Ghisallo "Bye Bye Spiritual" geschaffen, das religiöse Weisen ineinander verwebt. Es entstand im Zeitalter der Sklaverei in Amerika und sollte den Unterdrückten Glaubenshoffnung bringen. Das weltbekannte "Amazing Grace" erfuhr durch ein Trompetensolo von Martin Schuler die richtige Würze. Von der ersten Empore aus ließ der Solotrompeter das Hauptthema sehr zärtlich erklingen, und dazu gab es immer wieder aufschäumende Freude beim Orchester mit dem mitreißenden "Oh Happy Day". Wiederum großer Beifall nach diesem wirklich gut gelungenen Werk, das die "Macht der Liebe" und "Gabriellas Song" als Dreingabe im Gepäck hatte.

Dass mit der Hilfe der Blasmusik mancher Traum in Erfüllung gehen kann, wurde zum Schluss noch einmal in aller Deutlichkeit herausgestrichen mit einem Leben voller Hoffnung, Furchtlosgkeit und unbändiger Freude.

Mit dem Dank des Vorsitzenden Gerhard Schuler, besonders an Dirigent Thomas Brolde, machten sich die dankbaren Zuhörer auf den Nachhauseweg. "Bravo Thomas, der Weg zum Spitzenorchester ist nicht mehr weit!", zeigte sich das Auditorium sehr angetan vom Gehörten. Die Moderation lag wie immer bei Simon Diez, der elegant und locker durchs Programm führte.