Andrew Fischer bei X-Factor

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ERNST KLETT 24.08.2012
Kommt er weiter, der Andrew Fischer, oder schickt man ihn bei „X Factor“ gleich wieder heim nach Hechingen? Ab heute Abend gilt’s – und die HZ weiß Bescheid. Ätschagäbele. Wir dürfen aber nichts verraten.

Hechingen. Mit den Jahren sind sie ins Schwächeln geraten, die weltweit mit großem Erfolg laufenden Castingshows. Hierzulande hatten vor allem „Deutschland sucht den Superstar“, aber auch die „Popstars“ und neuerdings „The Voice of Germany“ bombige Quoten. Zuletzt ist sogar das öffentlich-rechtliche Fernsehen auf den Zug aufgesprungen. Das dritte Südwest-Programm fahndet freitags nach „Einfach die Besten“. Weil die Leute aber mittlerweile nicht mehr gar so drauf stehen, wird auffallend kräftig für die Sendungen geworben. Das freut Andrew Fischer. Der 21-jährige Hechinger ist in den vergangenen Tagen so gut wie dauerpräsent auf RTL und auf Vox. Mit unzähligen Spots, Homestory inbegriffen, wird auf den Beginn der dritten „X Factor“-Staffel verwiesen. Die geht heute auf RTL zur Primetime los und wird dann sonntags über Wochen hinweg auf Vox fortgesetzt.

Man muss es nicht wirklich wissen, deshalb im Schnelldurchgang: Das mit dem Faktor soll den Schwerpunkt eindeutig auf die Begabung der Teilnehmer setzen, also nicht wie bei der Konkurrenz auf Vorlieben der Jury oder des Publikums. Üble Sprüche über und Fertigmachen der Kandidaten sind Fehlanzeige. Ganz im Gegenteil setzt sich die Jury sogar als Mentor der Begabten ein. Wer ganz am Schluss auf dem Treppchen steht, dem winkt ein Plattenvertrag. In den USA sitzt neuerdings Britney Spears (die sollte man noch kennen) in der Jury. Über die Qualitäten des Hechinger Musik-Autodidakten Andrew Fischer richten ab heute Abend Sarah Connor (Popsängerin mit neuer Haarfarbe), H.P. Baxxter („Scooter“-Frontmann, das ist ein Techno-Quartett), Moses Pelham (Rapper und Produzent) und Sandra Nasic (die Sängerin von „Guano Apes“).

Wie immer bei den Casting-Shows ist nicht alles live, was man meint, dass es live ist; zumindest am Anfang nicht. Gerade deshalb sind alle Beteiligten zum Stillschweigen verdonnert. Im Falle des Falles wird mit juristischen Schritten gedroht. Denn wer nun von gut und gerne 1000 „X Factor“-Teilnehmern der dritten Staffel wirklich weiterkommt, diese Spannung macht neben den mehr oder weniger gelungenen Auftritten der Amateure die Anziehungskraft dieser Art von Reality-TV aus.

Andrew Fischer weiß Bescheid, sein Hechinger Promotor Jan Sachse auch, und die HZ ebenfalls. Und alle halten wir brav den Mund. Man muss sich durch die Sendungen schaffen, um Bescheid zu bekommen. Es sei absolut spannend, verspricht Musiklehrer Sachse. Dessen Zufallsbekanntschaft mit dem am Tourette-Symptom (ungewollte Äußerungen und Geräusche) leidenden Andrew vor vier Jahren könnte langsam aber sicher zur Erfolgsstory werden. Beim Tag der offenen Tür in Sachses Musikschule 2008 hatte Fischer noch schüchtern gefragt, ob er mal an den Flügel darf. Er durfte, und damit ging es los. Gitarre und Singen hat sich der junge Hechinger vor zwei Jahren selbst beigebracht – als er der Freundin eine CD mit eigenen Liedern zu Weihnachten geschenkt hat. Genau, Andrew ist nämlich auch sein eigenes Tonstudio. Der Junge brauche eigentlich gar keinen Musiklehrer, sagt Jan Sachse. Andrew schaue und höre zu, mache den Rest dann ganz allein. „Er lebt die Musik“, erklärt Sachse. Das hat seinen Grund. Denn wenn er auf einer Bühne steht, ist urplötzlich nichts mehr von den Tourette-Folgen zu merken. Zu erleben war dies 2011 bei seinem ersten Konzert im Hechinger „Museum“. Mit Unterstützung aus dem Hause Sachse hat er es im vergangenen Jahr bei der Ausscheidungsshow „Unser Star für Baku“ (das war das mit dem Eurovision Song Contest) ganz weit gebracht. Zuvor hatte er sich bei „Das Supertalent“ (auf RTL, jüngst mit Michelle Hunzikers spektakulärem Unfall) beworben. Da kam er allerdings nicht sonderlich gut bei weg.

Als dann die Vox-Leute bei ihm anriefen, angeregt durch die Baku-Sache und YouTube, wollte der gute Andrew zunächst gar nicht mehr. Er hatte die Nase voll von Fernsehen und Casting. Beim zweiten Anlauf etwas später hatten die Fernsehmacher aber Erfolg. Und nun scheint der 21-Jährige auf einem guten Weg zu sein. Die Konkurrenz freilich soll es ziemlich dick drauf haben. „Da sind einige richtig gute Leute dabei“, weiß Jan Sachse.

Andrew Fischer lässt sich allem Anschein nach wenig beirren davon. Beim Besuch in der HZ-Redaktion machte er einen ziemlich ausgeglichenen und zuversichtlichen Eindruck. Sein Geld verdient er nach wie vor in seinem Beruf als Technischer Zeichner. Wenn’s denn klappen sollte mit den drei X, die es immer braucht, um weiterzukommen, will er den Job trotzdem nicht aufgeben. Sachse prägt den Begriff „semi-professionell“. Hechingen beziehungsweise Hohenzollern darf derweil die Daumen drücken, wenn bei RTL und Vox die Erfolgsverstärker aufgedreht werden. Dass dies geschieht, verspricht zumindest die ganzseitige „X Factor“-Werbung in den Illustrierten.

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