Burg Hohenzollern An der Burgmauer den großen Bohrer angesetzt

Burgverwalterin Dr. Anja Hoppe und Thomas Kanjar, der Immobilienchef der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, erläuterten Medienvertretern die bevorstehende Mauersanierung. Wie man sieht, bröckelt auch die Mauer auf der Bastei erheblich.
Burgverwalterin Dr. Anja Hoppe und Thomas Kanjar, der Immobilienchef der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, erläuterten Medienvertretern die bevorstehende Mauersanierung. Wie man sieht, bröckelt auch die Mauer auf der Bastei erheblich. © Foto: Hardy Kromer
Burg Hohenzollern / Von Hardy Kromer 27.07.2018
20 Jahre Dauer und 16 Millionen Kosten: So lautet die Prognose für die Sanierung des Mauerwerks der Burg Hohenzollern.

Erster Ferientag und bombastisches Sommerwetter: Auf der Zollerburg drängen sich Touristen aus aller Welt, der Burgverwalterin geht das Herz auf. „Hier geht’s heute zu wie auf Neuschwanstein“, sagt Dr. Anja Hoppe mit Blick auf die zahllosen Japaner und Amerikaner, die vor der Burgkulisse Selfies machen.

Dabei müssen Besucher, die statt Shuttle-Bus auf Fußmarsch setzen, seit gestern eine Beschwernis auf sich nehmen: Der einzige Weg nach oben führt über die Serpentinen der Kreisstraße. Der Fußweg ist gesperrt. Denn genau an der Stelle, wo er vor dem Adlertor ankommt, hat der Kranwagen einer Renninger Spezialfirma Position bezogen. Am Donnerstag um die Mittagszeit setzten die Arbeiter an der Bastionsmauer einen mächtigen Bohrer an, der mal sonor schnurrte, mal schrill quietschte. Bis zu sieben Meter tief dringt sein Zahn in das gut 150 Jahre alte Mauerwerk ein. Am steilen Hang sind die Arbeiter mit einem Gurt gesichert. Ihre Mission ist es, herauszufinden, was sich hinter den Angulaten-Sandsteinbrocken befindet: Wie tief ist die Bauschuttschicht, mit der die Bastionsmauer verfüllt wurde? Wo und in welcher Tiefe verbirgt sich der Braunjura-Fels, auf dem das Wahrzeichen der Zollernalb wie eine Krone thront? Und was bedeutet das alles für die Erdbebensicherheit?

Die Probebohrungen (und die damit einhergehenden Einschränkungen für die Burgbesucher) bieten einen Vorgeschmack darauf, was im kommenden Frühjahr beginnen wird: die Großbaustelle für die Sanierung der Burgmauern und der Auffahrt. War bisher davon die Rede, dass das Großprojekt zehn Jahre dauern und zehn Millionen Euro verschlingen wird, so nannte Burgverwalterin Dr. Anja Hoppe jetzt vor Medienvertretern neue Eckdaten: Inzwischen rechnen die Eigentümer der Burg, Georg Friedrich Prinz von Preußen und Karl Friedrich von Hohenzollern, der Fürst von Sigmaringen, mit bis zu 20 Jahren Bauzeit und annähernd 16 Millionen Euro Gesamtkosten. Die Hälfte davon, so erwartet Anja Hoppe, übernehmen Bund, Land und die Stiftung Deutsche Denkmalpflege, schließlich handelt es sich bei der Burg um ein Nationales Kulturdenkmal. Die andere Hälfte müssen die Eigentürmerfamilien selbst aufbringen, sprich aus den Eintrittsgeldern erwirtschaften, weshalb die Burg während der ganzen Bauphase geöffnet bleiben wird. „Die Leute sollen auch sehen, was hier passiert“, nennt die Verwalterin noch einen zweiten Grund – außer dem finanziellen.

Anja Hoppe ist ohnehin für größtmögliche Transparenz – und für maximale Beteiligung. In den 1860er-Jahren, als die dritte Burg Hohenzollern gebaut wurde, waren es die „Zollerbuben“, die die Sandsteinbrocken aus der Region mit Schubkarren auf schmalen, steilen Pfaden auf den Zollerberg hinaufbeförderten. Jetzt, seit bekannt ist, dass unzählige Mauersteine ersetzt werden müssen, bekommt die Burgverwaltung immer mal wieder einen Anruf aus dem Umland: „Ich hätte in meinem Garten auch noch ein bisschen Angulaten-Sandstein.“ Anja Hoppe lehnt solche gutgemeinten Angebote dankend ab und sagt: „Wir brauchen 1500 Tonnen.“ Dennoch zeigt sie sich begeistert darüber, wie die hohenzollerischen Bürger mitdenken und mitschaffen – heute wie damals.

Die Quelle für besagte 1500 Sandstein-Tonnen ist längst gefunden: Mitten im Grosselfinger Wald wurde – passenderweise „auf des Fürsten Grund“ – ein Steinbruch eröffnet, wo bereits gut die Hälfte des benötigten Materials geschürft wurde. Zur Weiterbearbeitung zwischengelagert wird das schwere Gut während der Bauzeit voraussichtlich auf „Parkplatz 2“. Und damit die fertig behauenen Steine auf kürzestem Wege hoch auf die Bastion befördert werden können, bekommt die Burg einen Lastenaufzug. Bodenstation wird beim Adlertor sein, Ankunftsort oben die Schnarrwacht-Bastei (wo dann betrüblicherweise die alte Linde weichen muss, die freilich durch ein neues Gewächs ersetzt werden soll). Der Clou beim Aufzug: Wenn der Steintransport dereinst bewältigt ist, wird der Lastenaufzug in einen Personenlift umgebaut. Das macht die Zollerburg fast schon barrierefrei.

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