Die Frage, ab wann ein Hundebesitzer merkt, dass es seinem Hund tatsächlich sehr schlecht geht und, ob beziehungsweise wann er ihn von dieser Qual erlösen muss, stand bis zum Schluss der Verhandlung am Mittwoch ungelöst im Raum – zumindest für die Angeklagten selbst. Vier Zeugen und eine sachverständige Zeugin sagten aus.

Ein Ehepaar aus Bisingen hatte seinen Hund drei Tage lang, so die Anklageschrift, vom 13. April bis 15. April 2017, allein daheim gelassen und war in Österreich. Ein Nachbar verständigte die Polizei und damit die Tierärztin, weil der Hund abgemagert und reglos im Garten lag. Sein gesundheitlicher Zustand war so schlecht, dass nur noch die Einschläferung als Option blieb, nachdem der Besitzer die Erlaubnis via Handy gegeben hatte.

Nun mussten sich die beiden Bisinger vor dem Amtsgericht Hechingen wegen des Vergehens nach dem Tierschutzgesetz verantworten. Das Verfahren wurde gemäß des Paragraphs 153a gegen zwei Geldauflagen eingestellt. Das Ehepaar wird die Nachlässigkeit in Bezug auf das Tierwohl insgesamt 2600 Euro kosten. Die Angeklagte zahlt 2200 Euro in vier Raten à 550 Euro an den Verein Pfotenengel Zollernalb aus Albstadt. Ihr angeklagter Mann überweist ab dem 3. März dreimal jeweils 800 Euro an das Tierheim Tailfingen.

Richter sieht Teilschuld

Dass den Angeklagten vor dem Reisestart nach Österreich klar gewesen ist, dass sie ihren 13-jährigen Mischlingshund in diesem prekären Zustand nicht hätten allein lassen dürfen, sah der vorsitzende Richter schließlich als erwiesen an. Die Angeklagte selbst hatte es unter Tränen eingeräumt. „Aber wir mussten nach Österreich“, begründete sie. Und dort hätten sie mit dem Hund kein Zimmer bekommen. Zudem habe doch ihre Arbeitskollegin täglich nach dem Hund geschaut und ihr auch ein Foto geschickt, auf dem es dem Vierbeiner scheinbar gut gegangen wäre.

„Jetzt haben Sie ihn aber allein gelassen und waren vorher nicht beim Tierarzt“, sagte der Richter zur Angeklagten. Alle Zeugen, so der Vorsitzende, haben gedacht, den Hund hätte man von seinen Qualen erlösen müssen, nur für das Ehepaar war es scheinbar nicht offensichtlich, weil sich der Hund verhielt wie immer. Die Bisinger hatten im Juli 2017 Einspruch eingelegt, weshalb der Fall überhaupt erst vor Gericht kam.

Das Leiden des 13-jährigen Hundes müsste sich, glaubt man den Experten, über einen längeren Zeitraum vor dem Vorfall im April angekündigt haben. „Wir wissen ja nichts zu der Vorgeschichte des Tieres“, befand die Staatsanwältin. Sie habe aber das Gefühl, dass der schlechte Gesundheitszustand des Hundes den Bisingern bekannt war. So hatten die Angeklagten bereits dreieinhalb Monate zuvor, an Silvester 2016, eine österreichische Ärztin aufgesucht, die mittels Akupunktur versuchte, die Schmerzen und dessen Hüftleiden zu heilen. „Ich glaube, die Familie leidet am meisten darunter“, verteidigte der Rechtsanwalt des Mannes. Die beiden kümmerten sich auch um ihren zweiten Hund und quälten keine Tiere. Die Verteidigerin der Frau betonte, dass die Eheleute es einfach nicht hätten einschätzen können, da sich der Hund aus ihrer Sicht nicht anders verhalten habe.

„Er konnte aufstehen und laufen. Zwar nicht mehr wie ein Gott“, befand die Angeklagte, aber: „Ich hatte keinen Grund, ihn einzuschläfern“. Der Mann, der der Tierärztin angeblich gesagt hatte, seine Frau und er hätten es vor dem Urlaub nicht mehr geschafft, das Tier einzuschläfern, betonte vor Gericht, dass es schon länger zuvor Thema gewesen sei. Da es der Lieblingshund der Frau war, habe er es ihr überlassen.

Wie lange der Vierbeiner schon an seiner Hüfte, seinem Zahnstein und dehydrierten Zustand litt, bleibt offen. Dass es ihm am besagten 15. April inzwischen sehr schlecht ging, ist unbestritten. „Dem Hund ging es nicht gut zu diesem Zeitpunkt“, so die Sachverständige. Der Bauch des auf 38 Kilogramm abgemagerten Vierbeiners „war schon auch sehr schmerzhaft hart“, attestierte die Tierärztin, die den Hund einschläferte.