Hechingen Amsel in der Villa

Hechingen / BERND ULLRICH 21.03.2014
In der Villa Eugenia erkundete die Amsel-Kontaktgruppe Multiple Sklerose (MS) barrierefreie Einrichtungen im Zollernalbkreis.

Nicht alle an MS erkrankten Personen brauchen einen Rollstuhl. Aber doch so viele, dass für sie ein barrierefreier Zugang zu den verschiedenen Einrichtungen nicht nur wünschenswert, sondern notwendig ist. Die Kontaktgruppe des Zollernalbkreises ist nun verstärkt auf der Suche nach solchen Einrichtungen.

Die erste Kontaktgruppe wurde 1975 von Benedikt Bucher in Rangendingen gegründet. Das Leitmotiv war - und ist es heute noch - sich nicht selber auszugrenzen und sich nicht abgeschieden vom Rest der Welt zu treffen. Heute umfasst die Amsel-Kontaktgruppe Zollernalbkreis etwa 130 Mitglieder, zu denen MS-Betroffene, Angehörige und Freunde gehören. Geboten werden Kommunikation und Hilfe durch regelmäßige monatliche Treffen, durch einen Stammtisch, sowie Ausflüge und Fahrten. Des weiteren gibt es Informationen und Rat in Form von Beratungsgesprächen, Informationsschriften, Fachvorträgen und Seminaren. Angeboten werden zudem mobile soziale Dienste.

Geleitet wird die Amsel-Kontaktgruppe Zollernalb von Gabi Gödrich aus Hechingen und Sophie Jaillet aus Haigerloch.

Gabi Gödrich hat seit 23 Jahren MS und weiß es seit 1997. Der Facharzt sprach damals von einer Entzündung im Gehirn. Das endgültige Ergebnis hieß dann: MS. Trotz der schmerzlichen Nachricht verspürte sie eine Erleichterung ob der Gewissheit. "Ich habe eine positive Einstellung zur Krankheit", bekennt sie.

Sophie Jaillet hat seit zehn Jahren MS und hat es erst vor zwei Jahren erfahren. "Zuerst hatte ich Schuldgefühle", sagt sie und ergänzt: "In der Reha habe ich die Krankheit kennen gelernt und Mut bekommen." Beide Damen bekennen, sie könnten jetzt "mit der Krankheit lachen".

Oft genug führe der Weg der betroffenen Personen aber in die Isolation. "Man versteckt sich. Und manche kommen aus ihrem Versteck nicht oder nur schwer wieder heraus", konstatiert Gabi Gödrich. "Aber", so Sophie Jaillet, "die Krankheit erlaubt, auch wieder andere Prioritäten zu setzen" - sowohl durch den Krankheitsprozess und die Einschränkungen, als auch durch Bewusstseinsänderung und Reifeprozess.

Die Villa Eugenia wurde auf Vorschlag des MS-Betroffenen Werner Siedler besucht. Begrüßt und geführt vom 2. Vorsitzenden des Fördervereins der Villa, Franz-Josef Heukamp, überzeugte man sich von einer hochgradigen Barrierefreiheit. Heukamp erklärte nach Kaffee und Kuchen die den historischen und politischen Hintergrund des Gebäudes und jetzige Nutzung.

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