Hechingen / Gerhard Henzler/Erika Paulsen Hanna Schlichtenberger referierte über Amalie Zephyrines Leben zwischen Paris und Sigmaringen.

Auf Einladung des Partnerschaftskomitees Joué-lès-Tours hielt Hanna Schlichtenberger im Alten Schloss von Hechingen einen spannenden Vortrag über das bewegte Leben von Amalie Zephyrine zu Salm-Kyrburg, die 1782 mit Erbprinz Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen verheiratet wurde. Obwohl sie seit fast 180 Jahren tot ist, hat das Interesse an ihrer Person bis zum heutigen Tag nicht nachgelassen, was der bis auf den letzten Platz besetzte Vortragsraum erneut bewies. Im süddeutschen Raum hat Amalie deutliche Spuren hinterlassen. Historisch bedeutsam bleibt, dass dank ihrer guten Beziehungen zu Napoleon, zu seiner Frau Josephine und zu Talleyrand die zollerischen Herrschaften ihre volle Souveränität behielten und ihr Gebiet sogar vergrößert wurde.

Hanna Schlichtenberger ließ den Geist der vergangenen Epoche durch Musikbeispiele und einen Tisch mit zeittypischen Gegenständen wieder aufleben: eine goldgeränderte Empire-Vase mit langstieligen weißen Rosen, eine Kaffeetasse, ein Flacon mit dem Lieblingsparfum der Amalie, das heute noch hergestellt wird. Romane, Biographien und die von Amalie selbst verfassten Memoiren in französischer Sprache waren ausgestellt.

Flucht in Männerkleidern

Amalie Zephyrine zu Salm-Kyrburg wurde im März 1760 in Paris geboren, wo die Familie am Hof von Ludwig XVI. verkehrte. Sie wuchs in Paris auf, obwohl der Familiensitz in Kirn an der Nahe im heutigen Rheinland-Pfalz lag. 1782 wurde sie mit dem vermögenden Erbprinzen Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen verheiratet. Ein Jahr verbrachte das junge Paar in Paris, dann zog es nach Sigmaringen, wo die junge Frau unter strenger Aufsicht ihres Schwiegervaters stand. Sie gebar den Thronerben, doch zehn Wochen nach der Geburt verließ sie Ehemann und Kind. Sie floh, als Mann verkleidet, zunächst zu ihrem Bruder nach Kirn und dann zurück nach Paris, wo ihr Wohnsitz bald zu einem Treffpunkt der hochadligen Oberschicht im vorrevolutionären Frankreich wurde.

Während der Französischen Revolution wurden ihr Bruder Friedrich und ihr Geliebter, Alexandre de Beauharnais, guillotiniert. Doch pflegte sie weiterhin gute Kontakte zu Joséphine de Beauharnais, der Witwe ihres ehemaligen Geliebten, die 1796 Napoléon Bonaparte geheiratet hatte, ebenso zu Talleyrand, der vor, während und nach der Revolution stets hohe Ämter innehatte. Sie setzte sich bei ihnen zu Gunsten ihres Sohnes Karl für den Erhalt und die volle Souveränität der Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen ein – und hatte Erfolg. Es gelang ihr, ihren Sohn Karl mit Antoinette Murat, einem Mitglied der Familie Napoleon Bonapartes zu verheiraten, was auch im Interesse Napoleons lag.

Spuren in Sigmaringen

Nach 23 bewegten Jahren in Paris kehrte Amalie Zephyrine 1808 nach Hohenzollern-Sigmaringen zurück. Zunächst wohnte sie, getrennt von ihrem Mann lebend, zusammen mit ihrem Sohn und dessen Frau im Schloss zu Krauchenwies. In Inzigkofen wurde das frühere Amtshaus des säkularisierten Klosters in ein kleines Landschloss umgestaltet. Zur Donau hin ließ sie einen bis heute existierenden Landschaftspark anlegen. Dort ließ sie ihrem geliebten Bruder ein Denkmal setzten. Später dann und bis zu ihrem Tod lebte sie im heute so genannten Alten Prinzenbau in Sigmaringen, den ihr Gemahl Anton Aloys von 1822 bis 1825 eigens für sie hatte errichten lassen. Inzigkofen diente ihr und ihrem Enkel, Erbprinz Karl Anton, als Sommerresidenz.

Amalie Zephyrines Ehemann ließ sich nie von ihr scheiden. Das Paar lebte getrennt, doch Anton Aloys besuchte sie regelmäßig und schrieb ihr freundschaftliche Briefe. Auch kam er immer für ihre Ausgaben auf. Amalie Zephyrine starb 1841 81-jährig in Sigmaringen. Ihre Untertanen schätzten sie als großzügige Fürstin. Der Amalienfelsen im Donautal trägt, von ihrem Sohn Karl gestiftet, ihren Namen und eine Gedenkinschrift sowie das Allianz­wappen Salm-Kyrburg und Hohenzollern-Sigmaringen.

Im Anschluss an Hanna Schlichtenbergers Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion um den Charakter der Amalie Zephyrine. War sie eine Ehebrecherin, eine Rabenmutter, eine grenzenlose Egoistin, oder entsprach ihr Verhalten dem Zeitgeist ihrer gesellschaftspolitischen Klasse?

Bei Käsehäppchen und Chinonwein klang der Abend aus.

Das Hechinger Partnerschaftskomitee plant im Juni oder Juli eine Fortsetzung des Vortrags mit einem Besuch in Amalies „grünem Salon“, den fürstlichen Anlagen in Inzigkofen, wie sie unter ihrer Regie entstanden sind.